POLITIK
10/10/2017 18:50 CEST | Aktualisiert 11/10/2017 07:33 CEST

Neonazi als Vizekanzler? Das ist die rechtsextreme Vergangenheit von FPÖ-Chef Strache

Getty Images
FPÖ-Chef HC Strache: Nur rechts, oder rechtsextrem?

  • Am 15. Oktober findet in Österreich die Nationalratswahl statt

  • Die rechtspopulistische FPÖ könnte zweitstärkste Kraft im Parlament werden und mit der ÖVP eine Regierung bilden

  • Ein neuer Medienbericht enthüllt Details über die rechtsextreme Vergangenheit von FPÖ-Spitzenkandidat Strache

Österreich droht nach der Wahl am Sonntag, weiter nach rechts zu rücken.

Heinz-Christian Strache, Vorsitzender der fremdenfeindlichen FPÖ, könnte nach der Nationalratswahl am 15. Oktober zum Vizekanzler ernannt werden. Nach aktuellen Umfragen könnte seine Partei auf 27 Prozent kommen und wäre damit ein möglicher Koalitionspartner für die konservative ÖVP, die aktuell als stärkste Partei prognostiziert wird.

Dass deren Parteichef Sebastian Kurz mit einer solchen Verbindung liebäugelt, zeigte das politische Balzverhalten des 31-Jährigen beim TV-Duell gegen Strache.

Wer bisher der Meinung war, Straches Gesinnung würde durch die Medien hochgespielt, sollte sich jetzt viel Zeit zum Lesen nehmen.

Eine aufwendige Investigativ-Recherche der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") zeichnet nun ein erschreckendes Bild von einem gewaltbereiten Ideologen, der zu Beginn seiner politischen Karriere selbst manchem Parteikollegen zu extrem eingestellt war.

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Fackelmarsch mit der verbotenen Wiking-Jugend

“Die Akte Strache”, so der Titel des Porträts von Leila Al-Serori und Oliver Das Gupta, führt uns zurück in die Silvesternacht 1989, als ein junger Strache gemeinsam mit Mitgliedern der mittlerweile Verbotenen Wiking-Jugend Fackeln schwingend und Deutschlandlied trällernd in Richtung deutsch-deutsche Grenze marschierte.

“Um Brotkörbe rüberzuwerfen”, wie er die Aktion 21 Jahre später auf einer Pressekonferenz zu rechtfertigen versucht.

Nur: Fürs Brotkörbe werfen wurde Strache in dieser Nacht nicht verhaftet. Sondern weil die Versammlung vom Verfassungsschutz verboten war, der die Wiking-Jugend als neo-nationalistisch einstufte. Und wer friedlich Brotkörbe werfen will, braucht auch keine Schreckschuss- und Gaspistolen bei sich zu tragen. Noch dazu gaben Augenzeugen gegenüber der "SZ" an, sie hätten nie einen Brotkorb gesehen.

Strache: "Ich war kein Neonazi"

Dass Strache später Mitglied bei der rechtsextremen Burschenschaft Vandalia wurde, ist schon länger bekannt. Während dieser Zeit betätigte er sich beim Wehrsport mit bekannten Neonazis, wie dem späteren NPD-Funktionär Andreas Thierry. Zudem nahm der heutige FPÖ-Chef auch an Sonnenwendfeiern der Nationaldemokratischen Partei teil, die 1988 wegen NS-Wiederbetätigung verboten wurde.

Als man Strache 2007 auf einer Pressekonferenz auf seine Verbindungen in die rechtsextreme Szene ansprach, erklärte Strache entschieden: "Ich war kein Neonazi und ich bin kein Neonazi."

Dass eines Tages Bilder von ihm auftauchen, auf denen er den Hitlergruß zeigt, wollte er damals jedoch nicht ausschließen. So wie man keine “b’soffene G’schicht vom Bruchteil einer Sekunde ausschließen kann”, sagte Strache der österreichischen Zeitung "Der Standard". “Natürlich würde ich gewisse Entwicklungsphasen zwischen 18 und 21 lieber nicht gemacht haben. Aber es hat mir vielleicht auch geholfen, weil ich danach wusste, was ich nicht will.”

Bilder von Strache in Hitlergruß Pose sind bis heute nicht aufgetaucht, aber so etwas in der Art: 2007 veröffentlichten die österreichischen Medien ein Foto, das den FPÖ-Chef – in voller Burschenschaftsmontur – beim Zeigen des "Kühnen-Grußes" abbildet. In Deutschland werden die drei gereckten Finger als Nazigestus verstanden und sind verboten. Straches Erklärung: Er habe lediglich drei Bier bestellt.

Zu rechts für seine Parteikollegen

Noch beunruhigender sind jedoch Äußerungen von FPÖ-Kollegen, Strache sei bei seinem Eintritt in die rechtspopulistische Partei zu extrem eingestellt gewesen.

So zitiert die "SZ" beispielsweise Ex-Verteidigungsminister Herbert Scheibner: "Strache war uns damals zu rechts und hat zu sehr gepoltert." Aus diesem Grund habe man ihm auch verwehrt, die Leitung der FPÖ-Jugendorganisation Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) zu übernehmen.

Weiterhin zitiert das Münchner Blatt den mittlerweile verstorbenen FPÖ-Politiker Otto Scrinzi: "Vom Strache glaube ich, dass er im Grunde ein Nationaler aus Überzeugung ist. Er mag im jugendlichen und pubertären Wallen vielleicht sogar ein bisserl weit rechts gestanden haben."

Um dieses Zitat besser einordnen zu können, sollte man wissen: Scrinzi war vor 1945 SA-Sturmführer, gehörte der NSDAP an und war unter den Nazis am Institut für Erb- und Rassenbiologie der Universität Innsbruck tätig.

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Die FPÖ nach rechts gebürstet

Was Straches Aufstieg für die Partei bedeutet hat, erklärte der Politikwissenschafter Stephan Grigat der HuffPost: "Er hat die FPÖ reorganisiert, indem sich die Partei intern auf den hart rechts stehenden Kader, vor allem auf Burschenschafter, berufen hat - einem durchaus weit rechts stehenden Flügel."

Doch nach außen habe Strache das genaue Gegenteil dargestellt, erläutert Grigat. Angesichts der jüngsten Enthüllungen erscheint das noch weniger glaubwürdig als zuvor.

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(mf)

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