Kataloniens Regierungschef vertagt die Unabhängigkeit - und attackiert Spaniens Zentralregierung

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PUIGDEMONT
Kataloniens Regierungschef vertagt die Unabhängigkeit - und attackiert Spaniens Zentralregierung | Albert Gea / Reuters
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  • Sondersendungen im Fernsehen, aufgeregte Diskussionen in Büros und Cafés
  • In Spanien drehte sich am Dienstag nur um eine Frage: Wird Regionalchef Puigdemont am Abend die Unabhängigkeit Kataloniens ausrufen?
  • Er erklärte zwar, dem Auftrag des Referendums Folge zu leisten - vertagte jedoch die finale Entscheidung

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat die Unabhängigkeit der spanischen Region vertagt.

Dennoch erklärte er am Dienstagabend vor dem Regionalparlament in Barcelona, dass er am Ziel einer Loslösung von Spanien festhalten will. Er setze diesen Prozess aber aus, um in den nächsten Wochen einen Dialog und eine Vermittlung einzuleiten. Er wolle die Situation deeskalieren, wie er mehrfach betonte.

Zugleich rief er zu Gesprächen mit der spanischen Zentralregierung und dem Rest des Landes auf - auch unter internationaler Beteiligung.

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"Wir sind keine Putschisten"

Allerdings attackierte Puigdemont ebenso die Zentralregierung in Madrid. Diese habe jeden Versuch des Dialogs von Seiten Kataloniens abgelehnt: "Die Antwort war immer eine radikale und absolute Weigerung, kombiniert mit einer Verfolgung der katalanischen Institutionen", sagte der Chef der katalanischen Regionalregierung.

An alle Spanier gerichtet fügte er hinzu: "Wir sind keine Verbrecher, keine Verrückten, keine Putschisten."

Verhandlungen ausgeschlossen

Spaniens Regierung hat Puigdemonts Erklärung bereits als "unzulässig" zurückgewiesen.

Im Vorfeld der Rede hatte Madrid eine Vermittlung abermals ausgeschlossen, Verhandlungen mit Puigdemont seien "nicht denkbar". Ministerpräsident Mariano Rajoy will am Mittwochnachmittag vor der Abgeordnetenkammer in Madrid Stellung zu Puigdemonts Aussagen beziehen.

Die mit Spannung erwartete Rede des 54-Jährigen wurde kurzfristig um eine Stunde nach hinten verschoben. Gründe für die Verzögerung wurden nicht genannt.

Bei dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober hatten mehr als 90 Prozent der Wähler für eine Trennung gestimmt.

(Mit Material der dpa)

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