POLITIK
10/10/2017 06:44 CEST | Aktualisiert 10/10/2017 08:42 CEST

21-jähriger Pfleger klagt an: "Die, die unseren Wohlstand erwirtschaftet haben, liegen jetzt in der Scheiße"

  • Azubi Alexander Jorde plädiert bei "Hart aber Fair" für ein Umdenken in der Pflegepolitik

  • Er klagt an: Der deutsche Wohlstand sei ein Verdienst der heute alten Menschen, für die gebe es aber keine würdevolle Pflege

  • Was er Angela Merkel zu sagen hat, seht ihr im Video oben

Es war sein zweiter großer Auftritt. Der 21-jährige Pfleger Alexander Jorde hatte bereits in der ARD-Wahlarena im September von sich Reden gemacht. Damals konfrontierte der Azubi Kanzlerin Angela Merkel mit den schlimmen Zuständen in deutschen Pflegeeinrichtungen.

Am Montag war Jorde bei "Hart aber Fair" zu Gast – und legte wieder eine denkwürdige Vorstellung hin. Jorde appellierte an Politiker und Bürger, das Problem überforderter und unterbezahlter Pflegekräfte endlich ernst zu nehmen. Es gehe um die Würde der alten Menschen, machte der Azubi mit seinen Redebeiträgen immer wieder deutlich.

Mehr zum Thema: Bei "Hart aber Fair" berichtet Samuel Koch, wie ihm die Pflege-Misere in Deutschland fast das Leben kostete

"Alle fahren gute Mittelklassewagen..."

"Wer hat denn unseren Wohlstand erwirtschaftet?", fragte er vorwurfsvoll. Heute würden ja alle in Gleitzeit arbeiten, maximal 40 Stunden pro Woche, bemerkte er etwas polemisch. "Alle fahren gute deutsche Mittelklassewagen", regte sich Jorde auf. Auch Kanzlerin Merkel betone ja immer wieder, wie gut es dem Land gehe.

Jorde polterte: "Wer hat das erwirtschaftet? Das sind die, die jetzt in der Scheiße liegen!"

Das Problem sei nicht etwa, dass es partout keine Fachkräfte in der Pflege gebe. Nur würden diese häufig nach nur kurzer Zeit hinschmeißen. "Es gibt keinen Beruf, in dem die Leute so schnell wieder raus sind aus der Praxis. (...) Ganz einfach weil der Job zu stressig ist und zu wenig honoriert wird", berichtete der junge Mann.

Die vorgeschlagene "private Vorsorge" sei für die meisten Menschen keine Alternative, was den Notstand vergrößere. "Wie soll man denn privat vorsorgen, wenn man zum Beispiel nur Mindestlohn verdient?", wollte der Azubi von der Runde wissen.

Antworten bekam er keine.

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