TV-Duell in Österreich: Eine Szene zeigt, was dem Land nach der Wahl blühen könnte

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SEBASTIAN KURZ
Top candidate of Social Democratic Party (SPOe) and Chancellor Christian Kern, top candidate of Peoples Party (OeVP) and Foreign Minister Sebastian Kurz and head of Austrian far-right Freedom Party (FPO) Heinz-Christian Strache attend a TV discussion in Vienna, Austria, October 1, 2017. REUTERS/Leonhard Foeger | Leonhard Foeger / Reuters
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  • Am 15. Oktober wählt Österreich einen neuen Kanzler
  • Die Spitzenkandidaten der fremdenfeindlichen FPÖ und der konservativen ÖVP trafen am Sonntag in einem TV-Duell aufeinander
  • Die Harmonie zwischen Kurz und Strache deutet auf eine mögliche schwarz-blaue Koalition hin

Am kommenden Sonntag wählen die Österreicher ein neues Parlament – und schon jetzt deutet sich eine beunruhigende Regierungskonstellation an. Eine so genannte schwarz-blaue Koalition aus der regierungserfahrenen ÖVP und der rechtspopulistischen FPÖ gilt als immer wahrscheinlicher.

Beim TV-Duell am Sonntag zeigten FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und der konservative ÖVP-Obmann Sebastian Kurz, wie wohlgesonnen sie sich sind.

Gleich zu Beginn der Diskussionsrunde auf dem Sender Puls4 kam es zu einer bemerkenswerten Szene.

FPÖ-Mann Strache schenkte dem 31-jährigen ÖVP-Chef eine Ausgabe des beliebten Detektivspiels ‘Cluedo‘. “Vielleicht könnt mer das mit dem Herrn Kern spielen, vielleicht kommt man da drauf wer wirklich die Verantwortung hat,” schlug Strache vor.

Er bezog sich damit auf die Facebook-Hetzkampagne gegen den Außenminister, hinter der die sozialdemokratische Partei von Kanzler Christian Kern stecken soll.

Der Feind meines Feindes

Kurz und Kern hatten ihre Differenzen bereits in einem vorangegangenen Duell ausgetragen. Das sogenannte “Dirty Campaigning” war das am heftigsten diskutierte Thema. Kurz’ Partei ÖVP hatte am Freitag sogar eine Klage wegen Verhetzung gegen die Sozialdemokraten angekündigt.

Auf Facebook-Seiten mit den Namen "Wir für Sebastian Kurz" und die "Wahrheit über Sebastian Kurz" waren rassistische Inhalte im Namen des ÖVP-Chefs verbreitet worden. Laut einer Recherche des österreichischen Magazins "Profil" und der Zeitung "Die Presse" soll der in Israel festgenommene Ex-Kern-Berater Tal Silberstein hinter der Kampagne stecken.

Zunächst war jedoch die fremdenfeindliche FPÖ in den Verdacht geraten, hinter den Fake-Profilen zu stecken. Ob tatsächlich die SPÖ den Auftrag zur Silberstein-Kampagne gegeben hat, ist zwar noch unklar. Klar ist jedoch, dass ÖVP und FPÖ in der Reaktion zusammengerückt sind.

"Geschenksackerl für den Hund"

Während sich Kurz und Kern zankend in den Haaren lagen, verlief das Duell zwischen Strache und Kurz so weitaus harmonischer. Fast freundschaftlich.

Auch Kurz’ machte dem FPÖ-Mann – so sah es die Sendung vor – ein Geschenk – und auch sein Präsent hatte einen starken symbolischen Wert. Er überreichte dem Kontrahenten ein “Geschenksackerl” für dessen Hund – bekanntlich der billigste Trick um sich Freunde zu machen. “Sie haben einen wirklich coolen Hund, den ich immer wieder auf Facebook bewundern darf”, legte der Shootingstar der österreichischen Politik nach.

tvduell
ÖVP-Chef Sebastian Kurz schenkte FPÖ-Mann Heinz-Christian Strache einen Quietsche-Erdball für dessen Hund. Quelle:
Screenshot Puls 4

Koalition is in the air

Die Debatte verlief dann auch weiter ohne große Reibungen. In vielen Punkten pflichteten sich die Gegner bei.
Etwa was die militärische Neutralität Österreichs anbelangt: Strache bekräftigte seine Überzeugung, Österreich solle niemals Teil eines internationalen Verteidigungsbündnisses werden. “Das wollen wir unseren Kindern und Kindeskindern ersparen, dass wir nie wieder in einen Offensivkrieg oder Konflikt hinein gezogen werden”.

Kurz widersprach nicht, hielt jedoch fest, dass er sich eine stärkere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene im Kampf gegen den Terror wünsche. Das hieße aber keineswegs, dass dies auf Basis einer europäischen Armee oder eines NATO-Beitritts geschehen müsse.

Und selbst wenn Uneinigkeit herrschte, legten die beiden einen bemerkenswert respektvollen Umgangston an den Tag, etwa im Punkt Migration.

Auf die Kritik des FPÖ-Mannes an seinem späten Umschwung in der Migrationspolitik (“2015 sind sie noch auf dem Schoß von Frau Merkel gesessen") reagierte Kurz mit einem Verweis auf das Koalitionsabkommen mit der SPÖ, die er nicht überstimmen wollte.

"Ich hätte liebend gerne mit ihnen gestimmt, dass keine Familienbeihilfe ins Ausland geht, und vieles andere“, erklärte Kurz. Der Außenminister machte keinen Hehl daraus, dass er bereit ist, Politik mit den Rechten zu machen.

Er sprach von den großen Fortschritten, die man seit 2015 gemacht habe. Die illegale Migration konnte “massiv begrenzt werden”, stellte der Außenminister fest und fügte hinzu: “Ich lad’ Sie ein, unterstützen Sie mich dabei, diesen Kurs weiter fortzusetzen”.

Darf man das schon als Koalitionswunsch verstehen?

“Duett mit wenig Misstönen”

Der österreichische “Kurier” glaubt genau das: "Man merkt, dass da zwei mögliche Partner miteinander diskutiert haben,” wird der ehemalige österreichische Moderator Gerald Groß in der Analyse des Duells zitiert. Weiterhin kommt die Zeitung zu dem Schluß: Manchmal hatte man den Eindruck, dass die beiden sich geradezu überwinden müssen, einander zu kritisieren.

Auch das Boulevardmedium “OE24” findet, dass sich beide inhaltlich über weite Strecken einig waren. “Die Presse” schreibt von einem “Duett mit wenigen Misstönen”.

Am Ende gab es nochmal Geschenke: Shootingstar Kurz überreichte Strache ein Buch über ÖVP-Stammvater Alois Mock, “das daran erinnern soll, dass wir Österreicher, wenn wir wollen, die Kraft haben in Europa wirklich etwas zu bewirken.”

Ob Kurz und Strache dieses Projekt tatsächlich gemeinsam angehen, wird die Wahl am 15. Oktober zeigen.

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