POLITIK
09/10/2017 05:49 CEST | Aktualisiert 09/10/2017 08:50 CEST

Journalist zitiert bei "Anne Will" ein brisantes Strategiepapier der Union: Merkel wollte von der AfD profitieren

ARD
Die Union will ihr konservatives Profil wieder schärfen

  • Die Union will ihr konservatives Profil wieder schärfen

  • Bei "Anne Will" wirft Journalist Alexander der Partei vor, sie habe versucht, bei der Wahl von der AfD zu profitieren

  • Ein brisantes Strategiepapier gibt Alexander Recht

Die Verhandlungen der Unionsparteien über die Obergrenze für Flüchtlinge waren noch gar nicht abgeschlossen, da fragte Anne Will bereits in ihrer ARD-Talkrunde "Zwischen Mitte und rechter Flanke - Wohin steuert Merkel-Deutschland?“

Die Talkmasterin hatte mit der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich gleich zwei konservative Insider geladen.

Ihnen Paroli bieten sollten SPD-Familienministerin Katarina Barley und Linken-Ikone Gregor Gysi. Journalist Robin Alexander, zuletzt für sein Merkel-kritisches Buch "Die Getriebenen" in der Diskussion, ergänzte die Runde.

Alexander war es dann auch, der für den Aufreger der Sendung sorgte. In der Diskussion um die richtige Positionierung der Union ließ er eine Bombe platzen. Der Journalist berichtete von einer Strategiesitzung im Konrad-Adenauer-Haus im April 2016.

Alexander behauptete, die Union habe damals den Demoskopen Matthias Jung zu der Runde geladen. Dessen These: "Die AfD ist eine Chance für die Union."

Zur Erinnerung: Bei der Bundestagswahl haben die Christdemokraten rund eine Million Wähler an die Rechtspopulisten verloren. Die hitzige Diskussion über die Obergrenze ist nicht zuletzt den Bestrebungen konservativer Unionspolitiker geschuldet, die "rechte Flanke zu schließen“, um die AfD wieder zu schwächen.

Brisantes Strategiepapier straft Kramp-Karrenbauer Lügen

Auch Moderatorin Will zeigte sich überrascht. Denn: Nach außen hatte die Union im Wahlkampf stets vor der AfD gewarnt. Nun soll sie als Chance verstanden worden sein?

"Ja, sie verschaffe dem Modernisierungskurs Glaubwürdigkeit, dem Mitte-Kurs Glaubwürdigkeit und zerstört die rot-rot-grüne Mehrheit", erklärte Alexander. Das soll das Kalkül von Merkels Strategen gewesen sein. "Das ist eine Verantwortung, die Sie haben – und die Sie auch aufarbeiten müssen", konfrontierte er Kramp-Karrenbauer unter nickendem Beipflichten von SPD-Frau Barley.

Kramp-Karrenbauer widerspricht den Aussagen des "Welt“-Journalisten zwar vehement. Sie sei selbst in der Sitzung gewesen. "Es ist nie gesagt worden, wir sehen die AfD als Chance“, beteuerte die Vertraute der Kanzlerin.

Doch Gysi nimmt den Faden noch einmal auf. "Das wäre auch ein ziemlicher Skandal“, poltert der ehemalige Oppositionsführer. Und Alexander verteidigt seine Behauptung: "Das Papier dazu können die Leute googlen."

Tatsächlich: Das Papier von Demoskop Jung ist weiter online, es trägt sogar den Namen "Die AfD als Chance für die Union".

Barley bemängelt angesichts dieser fatalen Fehleinschätzung die fehlende Selbstkritik bei der Union. Merkel hätte nach der Wahl dieselbe Rede halten können, wenn die Union 10 Prozentpunkte mehr geholt hätte, findet die Noch-Ministerin. Das einzige Ziel der Konservativen sei jedoch gewesen, eine andere Mehrheit zu verhindern.

Offenbar auch auf Kosten einer starken AfD. Ein Plan, der zwar aufging, aber den Christdemokraten ein desaströses Wahlergebnis und Deutschland die stärkste rechte Bundestagsfraktion der Nachkriegsgeschichte einbrachte.

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2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.png Inside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

(amr)