POLITIK
08/10/2017 16:44 CEST | Aktualisiert 08/10/2017 21:46 CEST

Trump gibt christlichem Sender ein Interview - schon ab der ersten Frage wird das Gespräch völlig absurd

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Trump gibt christlichem Sender ein Interview - schon mit der ersten Frage nimmt der Wahnsinn seinen Lauf

  • Interviews mit Donald Trump sind etwas ganz Besonderes

  • Vor allem, wenn kein Mitarbeiter des Weißen Hauses mit am Mikro sitzt, um den US-Präsidenten aufzuhalten

  • Dann lässt Trump oft seinen Gedanken freien Lauf - so wie in einem aktuellen Gespräch mit dem Sender TBN

Spannung ab der ersten Minute auf dem christlichen Sender Trinity Broadcasting Network (TBN): Donald Trump sitzt in einem viktorianisch anmutendem Raum, bereit zum Interview. Sein Gegenüber - Mike Huckabee, fundamentaler Evangelikaler und ehemaliger Gouverneur von Arkansas - hat gerade die erste Frage angekündigt.

"Das wird die wichtigste Frage, die ich diesen Abend über stellen werde", sagt Huckabee. Was wird er bloß fragen? Wird er Trump auf die Katastrophe in Puerto Rico ansprechen? Auf die Morde in Las Vegas und die Notwendigkeit von Waffenkontrollen? Gar auf die Ermittlungen in der Russland-Affäre?

Nein. Huckabee zielt tiefer, mitten ins Herz des Weißen Hauses: "Wie gut ist eigentlich deine Pressesprecherin, Sarah Huckabee Sanders?"

Fantastisch sei sie, antwortet Trump natürlich, außergewöhnlich und brillant noch dazu. Sanders mache einen hervorragenden Job, lobhudelt der US-Präsident. "Aber deine Frau", sagt er zu seinem ehemaligen Wahlkampfrivalen Huckabee, "die hat einen noch besseren gemacht."

Der Zuschauer wird mit dieser Aussage Trumps über die Ehefrau eines anderen Mannes allein gelassen. Das Interview hat gerade erst begonnen - doch der Wahnsinn wird noch eine halbe Stunde andauern.

Hurrikane sorgen dafür, dass Trump sich gut fühlt

Und natürlich spricht Huckabee in dieser Zeit auch die großen Ereignisse der vergangenen Tage an. "Du hattest eine harte Zeit", bemitleidet er Trump. Das Gespräch kommt auf das Massaker von Las Vegas. Es geht aber nicht um Waffenrechte, sondern darum, wie viele der niedergeschossenen Menschen Trump unterstützen - natürlich alle.

Mehr zum Thema: Das Massaker in Las Vegas wird nicht zu schärferen US-Waffengesetzen führen - sondern zu schwächeren

Dann geht es, nach einem Lob für die Sicherheitskräfte vor Ort, um den Täter. "Das war eine kranke Person", sagt Trump. "Aber wahrscheinlich auch sehr intelligent." Schließlich habe er Kameras im Hotel installiert.

Schnell wechselt Huckabee da von einer zur nächsten Katastrophe: Von der Massenschießerei in Las Vegas zu der Verwüstung durch Wirbelstürme in den USA in den vergangenen Wochen. "Wie schwierig ist es, immer wieder 330 Millionen Menschen trösten zu müssen? Immer wieder auf Katastrophen zu reagieren?", fragt Huckabee.

Trumps sagt, dass diese Aufgabe natürlich schwierig sei. Doch Katastrophen würden auch dafür sorgen, dass er Menschen helfen könne. "Das fühlt sich gut an."

"Weiche, wunderschöne Papierhandtücher"

Dabei ist es gerade Trumps Art zu helfen, die für so viel Wirbel gesorgt hatte, egal ob in Florida, in Texas oder auf Puerto Rico. Gerade dem Inselstaat verweigerte der US-Präsident lange echte Hilfe - und als er sie gab, tat er es auf äußerst herablassende Weise.

Trump selbst sieht das im Interview natürlich anders.

"Wir haben einen großartigen Job gemacht", sagt er, während die Menschen in Puerto Rico immer noch ohne Strom, sauberes Wasser und genug Nahrung leben. Die Medien hätten ihn wieder einmal unfair behandelt.

"Sie hatten da diese Handtücher", sagt Trump. "Weiche, wunderschöne Papierhandtücher." Da sei dann eine Menschenmenge gewesen, die hätte ihn geliebt. "Sie riefen: 'Wirf die Handtücher, wirf die Handtücher'". Also habe er die Handtücher geworfen, das Jubelgeschrei sei unglaublich gewesen.

Huckabee ist hin- und weggerissen. "Du warst ein Rockstar", lechzt er in Richtung Trump.

Rettet Basketballer Dennis Rodman für Trump die Welt?

Doch im Laufe des Interviews schreckt Huckabee auch nicht vor den großen Themen der US-Politik zurück.

Es geht um Nordkorea, und Huckabee brennt eine Frage auf der Seele. "Es gibt nur einen Amerikaner, der eine bessere Beziehung zu Kim Jong-un hatte als jeder andere Mensch der Welt", sagt er - und meint ernsthaft den ehemaligen Basketball-Star Dennis Rodman. "Hast du ihn zur Hilfe gerufen?", fragt Huckabee. "Ist er dein geheimer Botschafter in Nordkorea?"

Trump lässt die Antwort offen, er wiederholt schlichtweg seinen Aussage, dass seit 30 Jahren die Diplomatie in Nordkorea versagt habe. Was Trump stattdessen vorhat - und ob Dennis Rodman in seinen Plänen eine Rolle spielt - verrät er nicht.

Mehr zum Thema: "Er ist ein Trottel": US-Außenminister Tillerson soll Trump beschimpft haben - und hält trotzdem zu ihm

Huckabee wechselt daraufhin von der Außen- zur Innenpolitik: Er spricht Trump auf die Steuerreform an, die der Präsident und seine Partei den US-Bürgern versprochen haben.

"Wir werden die Gesundheitsreform schaffen", antwortet Trump, nachdem er in den vergangenen Monaten drei Anläufe für eine Reform des Gesundheitssystems in den Sand gesetzt hatte. Danach reiht der US-Präsident ein paar unzusammenhängende und unverständliche Sätze zu Unternehmen, Geld und Gesundheitsversorgung aneinander.

Was immer Trumps so formulierteTheorie sein mag - es geht darum, "dass Geld zurückzuholen", er betont, sie werde funktionieren.

Überhaupt, er wolle sich gar nicht so sehr mit Gesundheitspolitik beschäftigen. "Ich möchte mich mit Nordkorea und dem Iran beschäftigen", sagt Trump, "ich möchte mich nicht damit beschäftigen, jemandem den Rücken einzurenken oder das Knie zu richten."

"Ich verstehe das so gut", sagt Trump über die Wirtschaft

Doch Trump hat nicht mit dem journalistischem Instinkt seines Gegenübers gerechnet. Denn Huckabee lässt sich vom folgenden, minutenlangen Redeschwall Trumps nicht aus dem Konzept bringen. "Wie wandeln sich Steuerreformen und -kürzungen in Wirtschaftswachstum um?", hakt er fast schon kritisch bei Trump nach.

"Ich liebe das", sagt der. "Ich verstehe das so gut." Die Steuern würden gesenkt, "das ist, als ob wir den Menschen Geld schenken." Aber drei Trilliarden US-Dollar seien im Ausland gelagert, "die holen wir zurück", sagt Trump. "Aber vor allem senken wir die Steuern und schaffen Regularien ab."

Wie das der Wirtschaft hilft, kann Trump so genau nicht erklären. Schlimm seien aber die "kostspieligen Wirbelstürme", die hätten ihm die Bilanz verhagelt.

An diesem Punkt schreitet von Außen dann doch Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders ein. Offenbar hat sie genug von dessen scharfsinnigen Ausführungen zur Wirtschaftspolitik der USA, das Interview muss zu Ende gebracht werden.

Fast ist es schade. Aber nur fast.

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(ll)

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