NACHRICHTEN
08/10/2017 15:06 CEST | Aktualisiert 08/10/2017 16:25 CEST

Eine Aussage von einem Erdogan-Vertrauten zeigt, wie nervös Özdemir die Türkei macht

  • Ein Erdogan-Vertrauter warnt vor einem möglichen Außenminister Özdemir

  • Für Deutschland und die Türkei würden das "verschenkte Jahre" bedeuten

  • Özdemir ist ein scharfer Kritiker des türkischen Präsidenten Erdogan

Noch ist unklar, wer welchen Ministerposten in der nächsten Bundesregierung besetzen wird. Dem Grünen-Politiker Cem Özdemir werden gute Chancen auf das Außenministerium bescheinigt.

Und auch die Türkei hat sich offenbar schon mit der Aussicht beschäftigt, womöglich bald den türkischstämmigen Özdemir in Ankara empfangen zu müssen.

In der türkischen Regierungspartei AKP käme eine solche Personalie gar nicht gut an. Das zeigt eine Aussage eines Vertrauten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Denn Özdemir hat sich in der Vergangenheit nicht mit Kritik an der zunehmend autokratischer werdenden Führung von Erdogan zurückgehalten. Den türkischen Präsidenten nannte er etwa einen "Geiselnehmer", nachdem wieder ein deutscher Staatsbürger in der Türkei wegen Terror-Vorwürfen festgenommen worden war.

"Dann ist Özdemir nicht willkommen"

In der Türkei wird erwartet, dass Özdemir seiner Linie als Außenminister treu bleiben würde. Besonders der AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu äußerte gegenüber der dpa seine Skepsis vor einer möglichen Ernennung Özdemirs.

"Dann hätten wir möglicherweise verschenkte Jahre vor uns", sagte er. "Cem Özdemir wird in der Türkei nicht als Botschafter Deutschlands wahrgenommen, sondern als jemand, der türkische Innenpolitik betreiben möchte."

Dann stellte Yeneroglu noch einmal klar: "Wenn er vor einem möglichen Türkei-Besuch so unqualifizierte Äußerungen wie in der Vergangenheit von sich gibt, wird er nicht willkommen sein."

Mehr zum Thema: Erdogan unter Druck: Diese Frau will den türkischen Präsidenten zu Fall bringen

"Deutschland muss die Türkei respektieren"

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu dagegen spielte die Bedeutung der Nachfolge von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) im Gespräch mit dem "Spiegel" herunter.

"Es wäre falsch, die Beziehung zwischen zwei Ländern über Einzelpersonen zu definieren", sagte er auf eine Frage nach Özdemir. "Wer auch immer als Bundesaußenminister in die Türkei kommt, wir lassen ihm den gleichen Respekt zukommen, der uns entgegengebracht wird."

Er forderte im Gespräch mit dem Magazin eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Berlin und Ankara. Zugleich forderte er aber auch: "Die Bundesregierung muss lernen, die Türkei zu respektieren."

Mit Material der dpa.

Mehr zum Thema: Erdoğan verändert die Türkei radikal - was bedeutet das für Deutschland?

Erdogan hat die Türkei zur Diktatur gemacht - schuld daran sind auch seine Gegner

Wieso es ein Fehler ist, Erdogan-Auftritte in Deutschland zu verbieten

"Erdogan hofft auf einen Wahl-Boykott im September" - warum wir seinen Einfluss in Deutschland nicht unterschätzen sollten

Erdogan besetzt auf einen Schlag gleich 5 Ministerposten neu – dahinter steckt nur eine Absicht

Wenn wir Erdogans böses Spiel jetzt nicht beenden, wird die Türkei für ganz Europa gefährlich

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ujo)

Sponsored by Trentino