POLITIK
08/10/2017 13:09 CEST | Aktualisiert 08/10/2017 13:17 CEST

Hinter dem Rücken von May: EU führt Brexit-Gespräche mit britischer Labour-Partei

Peter Nicholls / Reuters
Hinter dem Rücken von May: EU hält Brexit-Gespräche mit britischer Labour-Partei

  • Die Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien stocken

  • Das liegt auch an der unsicheren Position der Premierministerin Theresa May

  • Laut einem Medienbericht hat die EU deshalb die Gespräche mit der britischen Opposition intensiviert

Großbritannien manövriert sich bei den Brexit-Verhandlungen mehr und mehr in eine Katastrophe hinein. Premierministerin Theresa May schafft es nicht, ihre Regierung zu einen und einen klaren und realistischen Kurs gegenüber der EU zu finden.

Mays Rede auf dem Parteitag der konservativen Torries unter der Woche geriet zum Desaster - nicht nur, weil die Regierungschefin von Hustenanfällen geplagt kaum ein Wort herausbrachte, sondern auch, weil sie keine Zuversicht für die Zukunft der Briten vermitteln konnte.

Der Brexit hängt wie ein Damoklesschwert über der britischen Insel - und die Premierministerin handelt vollkommen kopflos. Laut einem Bericht der britischen Zeitung "Daily Telegraph" zieht die EU deshalb nun Konsequenzen: Sie soll verstärkt Gespräche mit der Labour-Partei aufgenommen haben.

Die EU befürchtet Mays Niedergang

Auslöser für die Annäherung der EU an die Partei von Oppositionsführer Jeremy Corbyn seien laut "Daily Telegraph" die vorgezogenen britischen Wahlen im Juni gewesen. Diese hatte May eigens einberufen, um ihre Position für die Brexit-Verhandlungen zu stärken.

Das Ergebnis war ein anderes: Jeremy Corbyn schaffte es nach einem furiosen Wahlkampf, May eine große Anzahl an Stimmen und die absolute Mehrheit im Parlament zu nehmen. Die EU befürchte seitdem, dass Mays Regierung scheitern könnte, schreibt "The Daily Telegraph".

Verschiedene Quellen sollen der Zeitung gesagt haben, der "Ton aus Brüssel" habe sich deutlich gewandelt. Die Gespräche mit der Labour-Partei wären "deutlich" verstärkt worden und fänden nun häufiger und auf höherer Ebene statt. Ob Jeremy Corbyn selbst an diesen Gesprächen teilgenommen hat, schreibt der "Telegraph" nicht.

Weiterer Punktsieg Corbyns gegen May

Sollten wirklich verstärkt Brexit-Verhandlungen der EU auch mit der Labour-Partei stattfinden, so wäre das für Corbyn ein weiterer Punktsieg gegen Premierministerin May.

Schon Ende letzten Monats konnte der Labour-Chef einen solchen für sich verzeichnen, als May offiziell seine Position übernahm, nach dem Brexit bräuchte Großbritannien eine zweijährige Übergangsphase.

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May lässt sich derzeit von ihren innerparteilichen Problemen vor sich hertreiben. Die EU beobachtet das Handeln der Premierministerin mit Skepsis - und Jeremy Corbyn tut es mit Zuversicht. Schon nach der von May verpatzten Neuwahl im Juni sagte der Sozialdemokrat, Labour sei "eine Regierung im Wartestand".

Es scheint, als würde das die Europäische Union auch so sehen.

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