"Die AfD spielt anders": "Hart aber fair"-Moderator Plasberg über den schwierigen Umgang mit Gauland

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PLASBERG
Plasberg in der "Hart aber fair"-Sendung mit Gauland im August (Archivbild) | dpa
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  • Moderator Plasberg hat im Interview mit dem "Spiegel" über die Sendung mit AfD-Mann Gauland gesprochen
  • Eine Antwort zeigt, wie schwer den Medien der Umgang mit der AfD immer noch fällt

Auch Wochen nach der Wahl ist das starke Abschneiden der AfD immer noch eines der beherrschenden Themen in den Medien. "Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg nennt das Resultat der Bundestagswahl im Gespräch mit dem "Spiegel" einen "gesellschaftlichen Hammer".

Nicht wenige Politiker und Journalisten haben den Medien eine Mitschuld am Erstarken der Rechtspopulisten gegeben.

Noch-Familienministerin Katarina Barley (SPD) etwa kritisierte Plasberg hart, als sie kürzlich zu Gast in dessen Sendung war. "Mich hat das rasend gemacht", schimpfte sie darüber, dass die Themen der AfD - Migration und Flüchtlingspolitik - so häufig Thema in den Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen gewesen seien.

Im Gespräch mit dem "Spiegel" weist Plasberg die Vorwürfe zurück, ARD und ZDF hätten die AfD erst groß gemacht. Er gestand aber auch, dass ihm der Umgang mit den Rechtspopulisten nicht leicht falle.

Vor allem Plasbergs Schilderung des Auftritts des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland bei "Hart aber fair" im August offenbart, wie hilflos der Moderator teilweise der AfD gegenüber stand.

"Die spielen irgendwie anders"

"Wir ha­ben früh fest­ge­stellt, dass die ir­gend­wie an­ders spie­len", sagt "Hart aber fair"-Redaktionsleiter Georg Diedenhofen über die AfD im Doppelinterview mit dem "Spiegel". Die Rechtspopulisten hätten die Regeln verändert.

"Sie wol­len nicht ein­mal mit den an­de­ren Gäs­ten dis­ku­tie­ren, lie­ber set­zen sie sich mit dem Mo­dera­tor aus­ein­an­der, weil so die Op­fer­rol­le schnel­ler her­stell­bar ist", erklärt Plasberg.

Für ihn als Moderator sei das ein Dilemma, weil er immer beherrscht sein müsse - und sich nicht zum Richter über den AfD-Gast aufschwingen dürfe.

Wie dieses Dilemma in der Wirklichkeit dann aussieht, sahen ARD-Zuschauer im August bei “Hart aber fair”. Zu Gast war damals der Spitzenkandidat Alexander Gauland. Kurz zuvor hatte er für einen Skandal gesorgt, als er sagte, die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz könne in Anatolien entsorgt werden.

"Wie dämlich muss man denn sein..." - Plasberg in der Kritik

Immer wieder versuchte Gauland, den Fragen Plasbergs auszuweichen. Journalisten wie "Welt"-Autor Thomas Schmid empörten sich hinterher, dass die “Hart aber fair”-Redaktion Gauland überhaupt eine Bühne geboten habe.

“Wie dämlich muss man denn sein, einem solchen kühl kalkulierenden Provokateur, der sich als Unschuldslamm gibt, einen derart breiten und für Gaulands Partei unbezahlbaren öffentlich-rechtlichen Wahlkampfauftritt zu verschaffen”, schimpfte Schmid damals in einem Facebook-Post.

Im “Spiegel”-Interview schildert Plasberg, die Redaktion habe das ganze Wochenende vor der Sendung mit Gauland überlegt, ob sie den Politiker ausladen solle.

Plasberg hat keine eindeutige Antwort parat

Eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem richtigen Umgang mit der AfD kann Plasberg nicht geben. Sollte die AfD wie jede andere Partei behandelt werden?

“Ja. Und nein”, antwortet Plasberg da. Es würden jedenfalls die gleichen journalistischen Standards gelten. Man dürfe der AfD nicht den Gefallen tun, “eine spezielle Umgangsweise für sie zu entwickeln”.

Dass AfD-Politiker als Talkshow-Gäste allerdings doch eine "besondere Vorbereitung" bräuchten, wie Redaktionsleiter Diedenhofen sagt, oder einen "besonderen Energieaufwand", wie Plasberg meint, zeigt, wie schwer den Medien der Umgang mit den Rechtspopulisten doch fällt.

Plasberg verrät auch, was die Zuschauer der Sendung nicht mehr sahen, als Gauland eingeladen war.

Gauland privat nach der Sendung

Nach der Aufzeichnung sei er zu dem Politiker gegangen und habe ihm erklärt:

"Ab heu­te bin ich je­dem böse, der die­se Par­tei wählt, nach­dem er Sie, Herr Gau­land, heu­te bei 'Hart aber fair' ge­se­hen hat."

Gauland sei klug, rhetorisch fit, verleugne aber seine eigene Intellektualität, wenn er sage, "er habe nicht ge­wusst, was der Be­griff ‘Ent­sor­gen’ be­deu­tet."

Gauland habe nur dagestanden, mit einem Glas in der Hand und habe das "mit großer Gelassenheit zur Kenntnis" genommen.

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(ujo)

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