Eklat beim "Deutschlandtag": JU-Mitglied fordert Merkel zum Rücktritt auf - und wird ausgebuht

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  • Ein JU-Mitglied hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem "Deutschlandtag" der Jungen Union indirekt zum Rücktritt aufgefordert
  • Die anderen Teilnehmer buhten ihn aus
  • Die Szene seht ihr oben im Video
Ein Mitglied der Jungen Union (JU) hat auf dem Bundestreffen der Parteijugend für einen Eklat gesorgt. Diego Faßnacht fragte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag, ob sie bereit sei, "den Weg frei zu machen für einen inhaltlichen und personellen Neuanfang".

Die Mehrheit der Delegierten reagierte mit Buhrufen. Lediglich die bayerischen Delegierten applaudierten.

"Vollkommener Kontrollverlust"

Die Kanzlerin sei für einen "vollkommenen Kontrollverlust" der Behörden in der Flüchtlingskrise verantwortlich, kritisierte Faßnacht, der aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis stammt, dem ehemaligen Wahlkreis des früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach.

Er habe den Eindruck, dass Merkel entweder nicht bereit oder nicht mehr in der Lage sei, eine Trendwende für die Union zu erreichen. Merkel ging auf die Rücktrittsforderung nicht direkt ein, sondern entgegnete, sie fühle sich durch das Wahlergebnis "demokratisch legitimiert", eine Regierung zu bilden.

Merkel kündigt Jamaika-Verhandlungen an

Die CDU-Chefin erklärte auf dem "Deutschlandtag" auch, sie wolle "neue Köpfe" in ihrer Partei berücksichtigen. Eine öffentliche Personaldiskussion werde sie aber derzeit nicht führen.

Zudem habe sie auch in der Vergangenheit darauf geachtet, dass junge Köpfe in Partei und Regierung Verantwortung hätten. Bestes Beispiel sei der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Jens Spahn. Er hatte am Vorabend kaum verborgen heftige Kritik an ihrem Kurs geäußert. Spahn sei Staatssekretär "ja nicht geworden, weil ich ihn verstecken wollte", sagte Merkel.

Die Kanzlerin kündigte in ihrer Rede zudem erstmals offiziell Gespräche mit FDP und Grünen über eine Jamaika-Koalition an.

Es werde schwierige Verhandlungen geben, aber es gehe darum, eine verlässliche Regierung zu bilden, sagte Merkel am Samstag beim "Deutschlandtag" der Jungen Union in Dresden. Über einen Koalitionsvertrag werde ein Sonderparteitag entscheiden.

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(jg)

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