Tausende verurteilten die Mutter für dieses Foto - ohne zu wissen, was eigentlich dahinter steckt

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  • Eine Mutter wurde von einem fremden Mann am Flughafen fotografiert
  • Sie blickt aufs Smartphone, während ihre zwei Monate Tochter vor ihr auf einer Decke liegt
  • Im Internet schlug ihr dafür viel Kritik entgegen - ohne dass jemand die Geschichte hinter dem Bild kannte

Das Internet kann ein ziemlich mieser Ort sein. Vor einiger Zeit verbreitete sich ein Bild von Molly Lensing und ihrer Tochter im Internet und wurde wild diskutiert.
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Ein fremder Mann hatte die junge Mutter am Flughafen in Colorado fotografiert, als Lensing und ihre damals zwei Monate alte Tochter Anastasia auf dem Rückweg von einem Familienbesuch waren.

Lensing sitzt wartend in der Halle und blickt auf ihr Smartphone, vor ihr auf dem Boden liegt ihr Baby auf einer Decke. Der Mann stellte das Bild bei Facebook ein und schrieb dazu: "Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die Technologie über die Menschlichkeit triumphieren wird. Auf der Welt wird es nur noch eine Generation aus Idioten geben. - Albert Einstein."

molly lensing

Foto: Facebook

Es dauerte nicht lange, bis die Internet-User schonungslos ihre Meinung zu dem Bild kundtaten. Sie verurteilten die Mutter und kritisierten, Lensing habe wohl mehr Interesse an ihrem Smartphone als an ihrem eigenen Kind.

Lensing war geschockt, wie sehr ihre Privatsphäre verletzte wurde

Weil das Bild sich so schnell verbreitete, dauerte es nicht lange, bis Lensing das Bild selbst entdeckte - und geschockt war, wie sehr ihre Privatsphäre verletzt worden war.

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Dass alle sie verurteilten, obwohl niemand wusste, in welcher Situation das Bild entstanden war, verletzte sie zutiefst.

Nun hatte sie das Bedürfnis, die Geschichte hinter dem Bild mit der Öffentlichkeit zu teilen. "Wir hatten das Pech, am Flughafen festzusitzen, weil es an diesem Tag einen Systemabsturz gab", sagte Lensing gegenüber "TODAY Parents", einem Format des Nachrichtensenders NBC.

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"Ich habe Anastasia mehrere Stunden im Arm gehalten und in ihrem Babyträger getragen"

Ihre Flüge hätten Verspätung gehabt und sie sei zusätzlich noch mehrfach umgebucht worden, sodass sie über 20 Stunden an verschiedenen Flughäfen habe warten müssen, sagte sie - und das mit einem zwei Monate altem Kind.

"Ich habe Anastasia mehrere Stunden im Arm gehalten und in ihrem Babyträger getragen", erzählte Lensing. "Meine Arme waren müde und sie musste sich ausstrecken. Und ich musste meiner Familie mitteilen, wo ich bin - sie hatten sich schon gefragt, wo wir bleiben."

Ein Fremder Mann respektierte nicht ihre Privatsphäre

All das schien den fremden Mann nicht zu interessieren, der sie ohne ihre Erlaubnis fotografierte - und er machte sich auch nicht die Mühe, sie zu fragen. Er sah sie und verurteilte sie auf der Stelle.

Irgendein Mann, der nicht wusste, dass sie schon seit 20 Stunden mit ihrer Tochter festsaß. Ein Fremder, der es nicht lassen konnte, sich einzumischen.

Er schoss das Foto und stellte es ins Internet - vermutlich ohne darüber nachzudenken, wie sich die Mutter dabei fühlen könnte.

Lensing hatte kurz zuvor bei einem neuen Arbeitgeber als Kinderkrankenschwester angefangen.

"Ich hatte solche Angst, dass meine Mitarbeiter oder mein Chef dieses Bild und die Kommentare sehen und dann vielleicht denken, ich sollte nicht mehr mit Kindern arbeiten", sagte sie "TODAY Parents". "Aber zum Glück ist das nie passiert."

Lensing bekam Unterstützung von anderen Müttern

Bei all der Kritik bekam Lensing aber von Anfang an auch viel Unterstützung von anderen Müttern. Mary Katherine Backstrom, Bloggerin bei Mom Babble setzte sofort einen Kommentar unter das Bild, in dem sie Lensing in Schutz nahm.

"Nein, einfach nein", schrieb Backstrom. "Man sollte keine Fotos von erschöpften Müttern am Flughafen machen - und sie dann auch noch in der Öffentlichkeit bloßstellen. Das ist widerlich und muss aufhören."

Backstrom ist selbst Mutter und kennt diese Situation sehr gut: "Mein Flug hatte auch schon mal Verspätung, ich hatte kein einziges Mal meine Augen zugetan und ich hatte Angst, dass mein Baby vielleicht aus meinen Armen fallen würde, wenn ich weg döse", schreibt sie.

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"Ich habe keine Macht über das, was im Internet passiert"

Das Original-Bild wurde inzwischen von Facebook gelöscht - trotzdem wird es immer noch kopiert und geteilt. Lensing müsse sich noch immer mit negativen Kommentaren auseinandersetzen, sagte sie "TODAY Parents".

"Ich ignoriere die Bilder und die Kommentare und suche Halt bei denen, die wissen, wie ich wirklich bin", sagte Lensing. "Ich habe keine Macht über das, was im Internet passiert und ich weiß, dass ich die beste Mutter für meine Kinder bin, dass ich sie liebe und in meiner Erziehung das Beste gebe."

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(lk)

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