NACHRICHTEN
06/10/2017 16:35 CEST | Aktualisiert 06/10/2017 18:12 CEST

Le Misérable: Eine exklusive Umfrage der HuffPost zeigt, wie Frankreichs Präsident Macron sein Land spaltet

Getty
"Präsident der Reichen": Eine exklusive Umfrage der HuffPost zeigt, wie Macron Frankreich spaltet

  • Eine exklusive Umfrage der HuffPost zeigt: Macron wird wieder beliebter - zugleich lehnen aber auch mehr Menschen den Präsidenten entschieden ab

  • Erst am Mittwoch hat Macron mit einer unbedachten Aussage für einen erneuten Skandal gesorgt

Wieder einmal hat Emmanuel Macron seine scharfe Zunge in Schwierigkeiten gebracht.

Am Mittwoch hatte der französische Präsident eine von einer Schließung bedrohte Fabrik in Südwestfrankreich besucht.

Vor den Werkstoren protestierten aktuelle und ehemalige Arbeiter eines Automobilzulieferers. Drinnen erklärte Macron, einige der Demonstranten täten besser daran, sich nach Stellen in einem anderen Unternehmen umzuschauen, “anstatt einen Saustall zu hinterlassen”.

Der 39-Jährige benutzte dabei den Ausdruck "foutre le bordel", der als derb und umgangssprachlich gilt. Ein Audiomitschnitt entrüstet die Franzosen nun schon seit Tagen.

Der Zeitpunkt der sprachlichen Eskapade ist denkbar ungünstig: Denn die Reformen der Macron-Regierung nehmen gerade Fahrt auf - und die Zustimmungswerte des Präsidenten bessern sich.

Exklusive Zahlen der französischen Ausgabe der HuffPost zeigen jedoch: Zugleich nimmt die Ablehnung gegen Macron zu. Der Präsident, der angetreten ist um Europa zu einen, ist dabei, sein eigenes Land zu spalten.

Auf dem Weg der Besserung?

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der HuffPost und der französischen Nachrichtenseite "CNews" gaben 32 Prozent der Befragten an, mit der Arbeit von Macron zufrieden zu sein. Das sind zwei Prozentpunkte mehr im Vergleich zum Vormonat (grüne Linie in der Grafik oben).

Deutlich wird auch: Macron war seit Beginn seiner Amtszeit im Mai in den Umfragen regelrecht abgestürzt. Kein Präsident seit Jacques Chirac 1995 verlor so rapide an Beliebtheit wie der junge Shootingstar.

Nun also bessern sich die Werte langsam - zumindest auf den ersten Blick. Denn zugleich sind auch mehr und mehr Menschen mit dem Präsidenten unzufrieden. 56 Prozent lehnen die Arbeit des Präsidenten ab, zwei Prozentpunkte mehr als im September (rote Linie in der Graphik oben).

Macron ist dabei, die französische Gesellschaft in Befürworter und Gegner seiner Politik zu spalten.

Macron will Europa und Frankreich vereinen

Vergangene Woche hatte der französische Präsident seine Vision für Europa vorgestellt. In einer visionären Rede versuchte Macron, eine Neugründung der EU zu skizzieren. Er möchte die Union stärken und die europäischen Nationen zusammenführen.

Auch für Frankreich wollte Macron ein Kandidat der Einheit sein. Immer wieder beteuerte der 39-Jährige, linke und rechte Wähler gleichermaßen abholen zu wollen.

Fünf Monate nach seinem überraschenden Sieg bei den Präsidentschaftswahlen muss sich Macron allerdings eingestehen: Die Strategie funktioniert nicht - zumindest in Frankreich.

Anstatt die Gräben zu überbrücken, ist Frankreich weiter ein politisch gespaltenes Land. Bei seinen eigenen Anhängern konnte Macron in der YouGov-Umfrage zwar ganze 15 Prozentpunkte zulegen, Federn ließ er aber bei allen anderen politischen Lagern.

Lediglich 20 Prozent der linken Wähler sind mit ihm zufrieden. Das sind drei Prozentpunkte weniger als im Vormonat. Bei den Wählern der konservativen Republikaner verlor Macron sogar 5 Prozentpunkte, hier sind nur noch 21 Prozent mit ihm zufrieden.

Die Fehltritte

Gründe für Macrons Unbeliebtheit bei linken wie konservativen Wählern gibt es viele:

Seine liberalen Arbeitsmarktreformen stoßen auf Widerstand im linken Lager. Über hunderttausend Menschen gingen dagegen auf die Straße, angestachelt von der Hardliner-Gewerkschaft CGT und dem ultralinken Politiker Jean-Luc Mélenchon.

Weitere Reformen der Sozialabgaben und der Rente werden für manche Menschen in Frankreich Einbußen bedeuten.

Konservative Politiker stehen Macrons Europa-Kurs kritisch gegenüber. Der Republikaner Laurent Wauquiez legte der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gar kritische Worte über Macrons Europa-Rede in den Mund, um den Präsidenten zu kritisieren.

Schon mehrfach hat Macron mit Aussagen über seine Reformen für Empörung gesorgt. In Bukarest hatte der Präsident im August gesagt, die Franzosen würden Reformen hassen. Die Gewerkschaften protestierten.

Bei einem Besuch in Athen hatte Macron beteuert, er werde sich den "Zynikern" und "Faulenzern" nicht beugen und seine Vorhaben umsetzen. Wieder war der Aufschrei in Frankreich groß, die Gegner des Präsidenten bezogen die Aussagen auf sich.

Und nun Macrons desaströser Auftritt am Mittwoch. Auch Politiker der konservativen Republikaner kritisierten die Aussagen des Präsidenten. Macron lasse keine Gelegenheit aus, seine Verachtung gegenüber den Franzosen auszurücken, schrieb die Sprecherin der Konservativen, Valérie Boyer auf Twitter.

Macron mag angetreten sein, das im Wahlkampf so erhitzte Frankreich zu versöhnen. Gelungen ist ihm das bisher nicht.

"Emmanuel Macron wird immer Emmanuel Macron bleiben", kommentierte die französische Tageszeitung "Le Monde" vor kurzem den Politikstil des Präsidenten: "Grenzüberschreitend auf die Gefahr hin, spaltend zu sein, offensiv auf die Gefahr hin, anzuecken."

Mehr zum Thema: Macron will Frankreich den sozialistischen Geist der Vergangenheit austreiben - und Europa neu begründen

Mit Material der dpa.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(mf)

Sponsored by Trentino