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06/10/2017 17:53 CEST | Aktualisiert 06/10/2017 18:14 CEST

Das passiert mit Kindern, deren Mütter früh in den Job zurückkehren

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Wenn Mütter früh in den Job zurückkehren, profitieren Kinder in den meisten Fällen davon.

  • Viele Mütter haben Gewissensbisse, wenn sie nach der Geburt ihres Babys schnell wieder in den Job zurückkehren

  • Dabei zeigen Studien: Kinder profitieren in den meisten Fällen sogar davon

  • Ein größeres Selbstvertrauen und bessere Leistungen in der Schule sind nur zwei der vielen positiven Effekte

Viele Mütter, die nach der Geburt ihres Kindes früh in den Job zurückkehren, plagen sich Monate, manchmal Jahre mit einem schlechten Gewissen: Schade ich meinem Kind, wenn es früh in die Kita kommt? Würde es sich besser entwickeln, wenn ich den ganzen Tag da gewesen wäre? Hat mein Kind dadurch womöglich eines Tages Bindungsprobleme?

Der vorwurfsvolle Blick vieler Mütter, die später (oder gar nicht) wieder anfangen zu arbeiten, macht die Sache nicht besser. Sogar die “New York Times” stellte kürzlich fest, dass Deutschland ein merkwürdiges Verhältnis zu arbeitenden Müttern habe. Kein Wunder, dass es Ausdrücke wie "Rabenmutter" in anderen Sprachen nicht gibt.

Dabei zeigen Studien: Es schadet Kindern nicht, wenn Mütter - aus welchen Gründen auch immer - schnell in die Arbeitswelt zurückkehren. Im Gegenteil.

1. Ein früher Kita-Besuch beeinflusst die Psyche von Kindern positiv

Die meisten Kinder, deren Mütter kurz nach der Geburt in den Job zurückkehren, kommen mit einem Jahr oder früher in die Kita.

Die Angst vieler Eltern: Die Kinder könnten noch nicht weit genug sein. Schaden nehmen.

Doch solange die Kleinen in der Kita gut betreut werden, ist die Sorge laut Experten unbegründet. Wissenschaftler stellten im Gegenteil fest: Für die Entwicklung der Kinder wirkt es sich in den meisten Fällen eher positiv aus, wenn sie außer Haus betreut werden.

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So leiden sie etwa später seltener an psychischen Störungen, wenn sie schon in den ersten zwei Lebensjahren fremdbetreut werden, wie Veit Roessner, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Dresden, 2016 in einer Untersuchung herausfand.

Eine Studie der London School of Economics und der Oxford University zeigte 2016 außerdem: Kinder, die ganztags von ihren Müttern betreut werden, haben schlechtere Sprachkenntnisse und motorische Fähigkeiten als Kinder, die eine Kita besuchen.

"Das Ergebnis der Erhebung sollte Eltern zeigen, dass Kitas ihren Kindern nicht schaden werden und ihnen wahrscheinlich sogar gut tun", sagte Studienautor Laurence Roope vom Health Economics Research Centre in Oxford der britischen Zeitung "Telegraph".

2. Kinder, deren Mütter arbeiten gehen, sind intelligenter und mutiger

Ebenso erstaunlich: Kinder schneiden in Intelligenztests besser ab, wenn ihre Mutter früh an den Arbeitsplatz zurückkehrt.

Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Universität Minnesota in einer Untersuchung, für die sie mehrere Einzelstudien seit 1960 auswerteten.

Die untersuchten Kinder konnten sich außerdem besser anpassen, zeigten ein kooperativeres Verhalten und waren auch seltener ängstlich als die Kinder von Müttern, die nicht arbeiteten.

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3. Sie haben mehr Selbstvertrauen

Spätestens in der Schule zeigt sich nach Ansicht von Experten der positive Effekt deutlich.

In einem Papier mit dem Titel "Wie viel Mutter braucht das Kind?" stellte die ansonsten konservative Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) 2015 fest: In der Schule zeigen Kinder berufstätiger Mütter mehr Selbstvertrauen als die anderen.

Das Papier greift mehrere Studien aus Nordamerika und verschiedenen europäischen Ländern auf. Allein an Teilstudien aus Deutschland waren 7000 Familien beteiligt.

4. Sie haben bessere Chancen in der Schule

Die Experten der KAS konnten außerdem nachweisen: Kinder von berufstätigen Müttern sind nicht nur selbstbewusster in der Schule, sie sind auch leistungsbereiter.

Zudem schaffen sie häufiger den Sprung aufs Gymnasium als Kinder von Müttern, die zuhause bleiben.

Die KAS kommt zu der Erkenntnis: Kinder lernen so von Beginn an, dass sich mit Engagement im Leben positive Resultate erzielen lassen.

So wie beide Eltern täglich arbeiten, um Geld für die Familie mit nach Hause bringen zu können, bekommen Kinder in der Schule für ihre Bemühungen gute Noten.

5. Sie denken weniger stark in Rollenklischees

"Kinder profitieren nachweislich davon, wenn ihre Mütter arbeiten gehen", sagte Petra Timm, Arbeitsmarktexpertin vom Personaldienstleister Randstad, zu den Ergebnissen der KAS. "Wenn Eltern ein entsprechendes Rollenbild vorleben, verinnerlichen ihre Kinder dies von Beginn an. Denn Vater und Mutter sind immer auch Vor- und Leitbilder."

Forscher der Harvard Business School kamen 2015 in diesem Zusammenhang zu erstaunlichen Ergebnissen. "Kaum etwas hat unserer Erkenntnis nach einen derart großen Einfluss auf die Überwindung von Geschlechterungleichheit wie von einer berufstätigen Mutter großgezogen zu werden", sagte die Hauptverantwortliche der Studie, Kathleen L. McGinn.

Für die Untersuchung werteten sie und ihre Kollegen die Aussagen von über 13.000 Frauen und 18.000 Männer aus 24 Industriestaaten aus.

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6. Sie sind entscheidungsfreudiger und können sich besser organisieren

Laut KAS haben Kinder von berufstätigen Eltern außerdem eine realistischere Vorstellung vom Arbeitsalltag. Deshalb falle es ihnen leichter, sich nach der Schule für einen Ausbildungsweg zu entscheiden, schreiben die Experten in ihrem Papier.

"Mütter, die den Umgang mit beruflichen Anforderungen und Wissen über unterschiedliche Aspekte beruflichen Lebens vermitteln können, fördern schon dadurch ihre Kinder", heißt es.

Außerdem kommen die Experten zu dem Ergebnis: Wenn eine berufstätige Mutter etwa in Teilzeit arbeite, lerne ihr Kind von Anfang an, dass zur Arbeit auch die Selbstorganisation gehöre und wie sich Beruf und Privatleben trennen lassen. Vorausgesetzt natürlich die Mutter ist in diesen beiden Bereichen selbst ein Vorbild.

7. Speziell Mädchen sind später erfolgreicher in ihrem eigenen Beruf

Speziell bei Mädchen stellten McGinn und ihre Kollegen von der Harvard Business School einen erstaunlich positiven Effekt fest: Frauen, deren Mutter berufstätig war, entscheiden sich später häufiger, mit Kind ebenfalls in den Job zurückzukehren.

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Außerdem sind sie öfter in verantwortungsvollen Positionen zu finden und verdienen mehr als Frauen, deren Mutter Vollzeit zuhause war, als sie Kind waren.

8. Jungen hingegen bringen sich später stärker in der Familie ein

Auch einen auffälligen Effekt auf Jungs beobachteten die Forscher von der Harvard Business School: Wenn sie von einer berufstätigen Mutter erzogen werden, bringen sie sich später stärker im Haushalt ein und verbringen mehr Zeit mit ihrer Familie als Männer, deren Mutter nicht arbeiten ging.

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9. Berufstätige Mütter sind zufriedener - und das wirkt sich positiv auf die Kinder aus

Um schließlich auch die Perspektive der Mutter noch zu berücksichtigen: Wenn Mütter rasch nach der Geburt wieder ihrem Beruf nachgehen, steigert das häufig deren Zufriedenheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine 2013 veröffentlichte Langzeitstudie der Bochumer Ruhr-Universität, eine der am größten angelegten Familienstudien in Deutschland überhaupt.

Die Hauptfrage der Untersuchung war: Welche Faktoren tragen zum Wohlergehen von Kindern bei und wie spielen staatliche Rahmenbedingungen, Persönlichkeits- und Bildungsmerkmale der Eltern sowie wirtschaftliche und Einkommensverhältnisse der Familie dabei zusammen?

Das Ergebnis: Schon Babys profitieren, wenn die Mutter sich nicht ausschließlich dem Muttersein widmet. Die Studie belegt einen signifikant positiven Effekt auf Neugeborene und Einjährige, wenn die Mutter bis zu 20 Stunden pro Woche arbeitet und sie außer Haus betreut werden.

Die Forscher führen das auf die bereits erwähnte größere Zufriedenheit berufstätiger Mütter zurück - und die, so schlussfolgern die Experten, wirke sich direkt auf das Wohlergehen des Kindes aus.

"Insofern erscheint im Hinblick auf das Wohlergehen von Kindern eine Ausweitung der Partizipation an der Arbeitswelt von Müttern als frei von negativen Wirkungen", summieren die Autorinnen und Autoren der Studie.

Im Klartext: Wenn ihr arbeiten wollt, geht arbeiten. Es schadet euren Kindern nicht. Im Gegenteil.

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(sma/ks)

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