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05/10/2017 16:52 CEST

"Stern-TV" begleitet Nazi-Familie seit 23 Jahren - so geht es den verwahrlosten Kindern heute

  • "Stern-TV" begleitet seit 23 Jahren das Leben der Familie Ritter

  • Die Familienmitglieder sind überzeugte Nazis und komplett verwahrlost

  • Jetzt versucht das Jugendamt, die dritte Generation in Kinderheimen unterzubringen

Wie eine Nazi-Familie sich selbst und ihre Nachkommen systematisch zugrunde richtet, zeigt eine Kolumne von "Stern-TV". Seit 23 Jahren dokumentiert das Kamerateam immer wieder das Leben der Familie Ritter aus Köthen in Sachsen-Anhalt.

Schon 1994 wohnte Mutter Karin Ritter mit ihren sechs Kindern in einer Obdachlosenunterkunft. Das Lebensziel ihres Nachwuchses: "Ich will Skinhead werden", sagten sie dem Kamerateam von "Stern-TV". Sie zeigen ihnen den Hitlergruß und träumten davon, andere Menschen zu verprügeln - vor allem Ausländer. Das rechtsradikale, menschenverachtende Gedankengut hat ihnen ihre Mutter eingeimpft. Und das hat ihr Leben ruiniert.

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Karin Ritter ist mit ihrer Wohnsituation unzufrieden. Credit: Screenshot/Stern-TV

Die Ämter sind mit der verwahrlosten Familie überfordert

Den auch heute noch wohnen die Mutter und drei ihrer Söhne in einem Obdachlosenheim - dieses Mal in einem anderen, das nicht einmal über sanitäre Anlagen verfügt: Die Kinder sind mittlerweile erwachsen und schwer von ihrem Leben gezeichnet. Ihre Nazi-Ideologie sowie ihre Alkohol- und Drogensucht haben sie in einen immer tieferen Sumpf aus Gewalt, Verwahrlosung und Hoffnungslosigkeit gezogen.

Mehrjährige Haftstrafen - meist wegen Körperverletzung - konnten das nicht ändern. Zwei Brüder, Norman und René, leiden mittlerweile an der lebensgefährlichen Erkrankung Leberzirrhose, die durch Alkoholsucht verursacht wird.

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Norman leidet an Leberzirrhose. Credit: Screenshot/Stern-TV

Mutter Ritter fordert eine neue Wohnung - und bekommt keine. Schuld seien ihrer Meinung nach die Flüchtlinge und die Behörden. Die Ämter waren seit jeher mit der Familie überfordert und haben sich oft ohne Erfolge an ihnen abgearbeitet.

Die Schule hatte damals schon die Ritter-Kinder vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie mit Schlagstöcken auf ihre Mitschüler losgegangen sein sollen. Außerdem brachen drei Brüder bei einer Nachbarin ein, verwüsteten die Wohnung und prügelten auf die Frau ein.

Das Jugendamt schritt ein, brachte die Kinder in Heimen unter. Norman, der für mehrere Jahre in einem Kinderheim lebte, soll regelrecht aufgeblüht sein und weniger Aggressionen gezeigt haben. Doch Karin Ritter holte sich das Sorgerecht für ihre Kinder zurück - und sie verwahrlosten weiter.

Gibt es Hoffnung für die dritte Generation?

Ihr Sohn Andy blickte schon in einer früheren Aufzeichnung verbittert zurück: "Ich habe alles verpasst: Schule, Arbeit, mein Leben", sagte der damals Heroinsüchtige.

Weinger Einsicht zeigt seine Mutter - sie ist unglücklich in dem heruntergekommenen Heim ohne Duschen: "Ich bin hier mit hingezogen, weil Norman alkoholkrank ist und Andy ist drogenabhängig. Und jetzt legt mir die Wohnungsgesellschaft Steine in den Weg. Durch den Namen Ritter kriege ich keine Wohnung. Ich habe keine Mietschulden. Warum kriege ich keine Wohnung?"

Nun, das könnte daran liegen, dass es nach Angaben der Köthener Polizei allein in den letzten anderthalb Jahren insgesamt 99 Einsätze bei der Unterkunft der Familie gab. In jedem dieser Einsätze seien einer oder mehrere Familienmitglieder der Familie Ritter involviert gewesen, schreibt die Polizei dem "Stern".

Auch die elf Enkel, die von Karin Ritters Töchtern stammen, sind bereits auffällig geworden - und leben nun in Heimen. Jedoch wollen Karin Ritter und ihre Kinder dagegen vorgehen.

Aber vielleicht gibt es ja wenigstens für die dritte Generation eine Chance auf ein Leben ohne Verwahrlosung und Gewalt.

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(ujo)

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