"Möchte nichts über die Körpergeräusche von Schulz lesen": Özdemir attackiert "Spiegel"-Journalist

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"Macht keinen Spaß, wenn so nachgetreten wird": Özdemir attackiert "Spiegel"-Journalist wegen "Schulz-Story" | screenshot
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  • Der "Spiegel" hat mit einer Titelgeschichte über SPD-Chef Martin Schulz für Aufsehen gesorgt
  • Grünen-Politiker Cem Özdemir sagte dem Autor bei "Markus Lanz" deutlich, für wie respektlos er den Artikel hält

Selten hat ein Politiker einem Journalisten solch einen tiefen Einblick gewährt, selten hat eine Geschichte solche Wellen geschlagen:

"Spiegel"-Journalist Markus Feldenkirchen begleitete den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz während des Wahlkampfes über 150 Tage lang. Es wurde ein denkwürdiges Kapitel aktueller Zeitgeschichte.

Der Leser erfährt, was Schulz am liebsten isst (Currywurst), wie niedergeschlagen der Kandidat am Ende des Wahlkampfes war (sehr) und welche Steine ihm die eigene Partei in den Weg legte (viele).

Die Reaktionen auf die Geschichte reichten von Respekt für den “Spiegel”, über Mitleid oder gar Häme für Schulz. In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" machte auch Grünen-Politiker Cem Özdemir deutlich, was er von der "Spiegel"-Story hielt. Nämlich nicht viel.

Özdemir und die Körpergeräusche von Schulz

Auf die Frage von Moderator Lanz, ob er sich von “Spiegel”-Mann Feldenkirchen porträtieren lassen würde, verneinte Özdemir deutlich.

Feldenkirchen war auch zu Gast in der Sendung und saß neben Özdemir in der Runde. Der Grünen-Politiker drehte sich zu dem Journalisten und klagte: "Ich weiß nicht, ob ich etwas darüber lesen möchte, welche Körpergeräusche Martin Schulz von sich gibt. Ich finde, dass hat am Ende des Tages etwas mit Würde zu tun."

Er sei sich nicht sicher, ob das der Wahrheitsfindung dienlich sei, Schulz so intim zu beschreiben. "Ob das jetzt wirklich zur Erhellung beiträgt, bin ich mir nicht so sicher", sagte Özdemir ruhig, aber sichtlich wütend.

"Das ist jetzt ein frontaler Angriff"

Lanz ging dazwischen: "Das ist jetzt ein frontaler Angriff. Ich habe das so nicht gelesen."

Özdemir versuchte nochmal zu erklären, er habe die ganze Geschichte gelesen. "Wenn man so hingefallen ist (wie Schulz, Anm.), dann noch einmal nachzutreten, das bereitet mir keinen Spaß", stellte Özdemir klar.

Nun fiel Lanz die Passage ein, auf die Özdemir offenbar anspielte. In der Geschichte beschreibt Feldenkirchen, wie Schulz vor dem Parteitag in Dortmund eine Rede übt. Der Politiker habe aufstoßen müssen. "Das Frühstück", schreibt Feldenkirchen und zitiert Schulz mit den Worten: "Oops, kleines Bäuerchen zwischendurch."

Özdemir hält die Passage laut den Aussagen bei "Lanz" für despektierlich, der Moderator sieht das anders. Feldenkirchen nahm dazu in der Sendung selbst nicht direkt Stellung.

"S in SPD steht für Selbstmitleid"

Insgesamt provozierte die "Spiegel"-Geschichte über Schulz sehr unterschiedliche Reaktionen. “Handelsblatt”-Herausgeber Gabor Steingart schrieb:

“Unter Schulz steht das S der SPD nicht für Sozialdemokratie, sondern für Selbstmitleid”.

"Spiegel"-Herausgeber Klaus Brinkbäumer schrieb in seinem Newsletter: "In Zeiten wachsender Politikverdrossenheit hielte ich es für gut, wenn sehr viel mehr Politiker sehr viel mehr Transparenz und Einblicke zuließen."

Dass die Schulz-Geschichte seines Magazins dafür der richtige Weg ist - diese Meinung teilt nicht jeder, wie Özdemirs Auftritt bei "Markus Lanz" zeigte.

Mehr zum Thema: Markus Lanz knöpft sich im ZDF AfD-Mann Gauland vor - und bringt ihn zu einem vielsagenden Geständnis

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(jg)

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