"Maischberger": SPD-Frau berichtet von ihrer Ehe mit AfD-Politiker - und Anfeindungen aus der eigenen Partei

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MAISCHBERGER
Anfeindungen und Anschläge: SPD-Frau und AfD-Mann erzählen bei "Maischberger" von ihrer ungewöhnlichen Ehe | Screenshot
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  • Sandra Maischberger hatte am Mittwoch ein ungewöhnliches Ehepaar in ihre Sendung eingeladen
  • Die Frau ist SPD-Mitglied, ihr Mann ist in der AfD
  • Genossen hätten Kerstin Hansen daher schon zur Scheidung geraten

"Politisch betrachtet sind sie das ungewöhnlichste Paar Deutschlands." So stellte ein Sprecher der ARD-Sendung “Maischberger” das Ehepaar Hansen aus Schleswig-Holstein vor.

Tatsächlich könnten Kerstin und Frank Hansen kaum nicht unterschiedlicher sein. Sie ist Ortsvorsitzende der SPD, ihr Mann Frank ist in der AfD.

Beide versuchten bei "Maischberger" zu erklären, was diese ungewöhnliche Konstellation im Alltag bedeute. Thema der Sendung war die Frage: "Tage der Uneinheit – ist Deutschland gespalten?"

"Es hieß, ich solle mich scheiden lassen"

Zwar geht die politische Spaltung mitten durch das Ehepaar, Abgrenzung und Distanz würden die beiden aber von außerhalb erfahren, sagte Kerstin Hansen.

Vor allem die eigenen Parteigenossen könnten die SPD-Anhängerin nicht verstehen, sagte sie. Jemand hätte Sie aufgefordert, sich scheiden zu lassen.

Auch von Anschlägen berichtete Frau Hansen. Die Scheiben des Autos wurden eingeschlagen, das Haus mit Farbbeuteln beworfen.

Sie glaube, die Attacken hätten sich auch gegen sie selbst gerichtet - weil sie SPD-Mitglied ist. Nicht nur gegen ihren Mann. "Nach den Anschlägen erhielt ich von allen Parteien Anteilnahme, nur nicht von meiner eigenen. Hier hieß es nur, ich sei selber schuld und solle mich scheiden lassen”, erzählte Hansen.

Das habe sie enttäuscht. “Ich habe auch schon einmal geguckt, was es sonst noch so gibt”, gab sie mit Blick auf andere Parteien zu.

Nach der Wahl lief das Telefon "heiß"

Nach der Wahl aber sei ihr Telefon “heiß gelaufen”. Viele Genossen hätten sich gemeldet und wollten mit ihr über das schlechte Abschneiden der eigenen Partei und das starke Ergebnis der AfD reden.

"Wir hatten es selber in der Hand, wir haben die Menschen, die so wütend waren, nicht mitgenommen", erklärte Hansen das historisch schlechte Ergebnis der SPD bei der Bundestagswahl.

Dann fragt Moderatorin Sandra Maischberger das Ehepaar, wie es zuhause ablaufen, ob sie viel diskutieren würden.

"Nein, das nehme ich nicht persönlich"

Kerstin Hansen erklärte: "Wir diskutieren sehr viel, derzeit vor allem über mein Lieblingsthema Grundeinkommen. Wir diskutieren das aus, wir lassen unterschiedliche Meinungen stehen."

Ob es nie Streit zwischen den beiden gebe, fragte Maischberger weiter. Im Wohnzimmer hänge das Wahlplakat von Frank Hansen. Darauf stehe der Spruch: “Freiheit statt Sozialdemokratie". "Das nehmen Sie nicht persönlich?", hakte Maischberger bei Kerstin Hansen nach.

"Nein, das nehme ich nicht persönlich", antwortete die. Ihr Mann habe damit auch ein wenig Recht, gab sie sogar zu. Die SPD mache den Fehler, die Menschen bevormunden zu wollen.

Und noch einen großen Fehler kreidete sie ihrer Partei an: "Wir haben die Menschen mit Hartz IV komplett im Regen stehen lassen", die Existenzängste seien den Menschen im Wahlkampf nicht genommen worden.

Hansens Vorschlag: eine Mindestrente von 1000 Euro.

CDU-Politiker: "Was Sie demonstrieren, ist ein Modell"

Die anderen Gäste lobten in der Sendung jedenfalls das Verhalten des Ehepaars. "Was wir von Ihnen hier demonstriert bekommen, das ist doch durchaus ein Modell", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt.

Patzelt hat sich mit 70 Jahren erneut zur Wahl gestellt - und sein Mandat gegen den AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland gewonnen. “Herr Gauland alleine ist nicht das Problem. Es sind die Wähler, um die wir uns kümmern müssen", betonte Patzelt.

Mit den enttäuschten und wütenden Menschen ins Gespräch zu kommen, sei im Wahlkampf nicht leicht gewesen, schilderte der CDU-Politiker. “Es war ganz schwer, mit ihnen zu reden, weil sie so voller negativer Emotionen sind, dass sie mir die Tür zugeschlagen haben.”

Die nächsten vier Jahre als Bundestagsabgeordneter wolle er nun aber darauf verwenden, die Menschen und ihre Wut wieder zu verstehen.

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(jg)

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