Das Massaker in Las Vegas wird nicht zu schärferen US-Waffengesetzen führen - sondern zu schwächeren

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Das Massaker in Las Vegas wird nicht zu schärferen US-Waffengesetzen führen - sondern zu schwächeren | Getty
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  • In den USA wird nach der grausamen Bluttat in Las Vegas wieder über Waffengesetze gesprochen
  • Doch jede Hoffnung auf schärfere Verbote wird vergebens sein
  • Denn die Vergangenheit zeigt: Nach Massenschießereien werden mehr, statt weniger Waffen erlaubt

Der Waffenwahnsinn in den USA lässt sich anhand eines einzigen Gesetzes erklären. Es soll noch in dieser Woche vom US-Kongress verabschiedet werden - nur wenige Tage nach dem blutigen Massaker von Las Vegas, der schlimmsten Massenschießerei der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Das Gesetz wurde von den Republikanern vorgeschlagen, es soll dafür sorgen, dass sich US-Bürger leichter und günstiger Schalldämpfer für ihre Pistolen und Gewehre kaufen können. Der Name der Regelung: "The Hearing Protection Act" - das Gehörschutz-Gesetz.

So absurd dieser Vorgang auch erscheint, in den USA ist er Teil einer traurigen Logik: Sobald ein Massenmörder mehrere Menschen niederschießt, werden keine Gesetze gegen das Tragen von Waffen erlassen - sondern dafür.

Erst schießen, dann erschießen

Am 14. Dezember 2012 schießt ein Amokläufer in einer Grundschule in der US-Kleinstadt Newtown um sich. 28 Menschen verbluten. 20 davon sind Kinder.

Die Nation ist geschockt. So, wie sie es im Jahr 2015 war, als ein Rassist neun Menschen in einer Kirche in Charleston erschießt. So, wie sie es im vergangenen Jahr war, als 49 Menschen in einem Schwulenclub in Orlando im Kugelhagel sterben. So, wie es die USA bei jeder der vielen Massenschießereien sind, die jedes Jahr zunehmend mehr Menschenleben fordern.

Die Nation ist geschockt - und sie bewaffnet sich.

Nach dem Massaker in der Grundschule in Newtown haben mehr als 24 US-Bundesstaaten Gesetze erlassen, die es erlauben, Waffen an öffentlichen Orten zu tragen, an denen dies vorher verboten war: In Schulen, Universitäten, Kirchen und Kneipen.

In Florida ist es US-Bürgern seit dem Frühjahr erlaubt, mutmaßliche Einbrecher und Angreifer zu erschießen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. In Georgia dürfen Pistolen seit 2014 bis zum Sicherheitsschalter durch den Flughafen getragen werden. Und in Nevada - also dem Bundesstaat, in dem in der Nacht zum Montag fast 60 Menschen im Kugelhagel starben - wird seit 2015 über ein Gesetz debattiert, das es erlauben würde, Autodiebe zu erschießen.

Die Republikaner überfluten die USA mit Waffen

Es sind zumeist die Republikaner, die solche Gesetze und Initiativen zu verantworten haben. Zum Selbstbild der Partei gehören Waffen genauso sehr wie die Bibel. Die US-Waffenlobby NRA spendet republikanischen Politikern deshalb Abermillionen Dollar - vor allem Senatoren und Kongressmännern.

Eine groß angelegte Harvard-Studie aus dem vergangenen Jahr fand zudem heraus, wie eskalierend die Republikaner auf Massenschießereien reagieren.

"Jede Massenschießerei erhöht in republikanischen Bundesstaaten die Zahl von Gesetzen, die die Kontrolle von Waffen abbauen, um 75 Prozent", schreiben die Autoren. "In demokratischen Bundesstaaten finden wir dagegen keine signifikante Zunahme solcher Gesetze."

Das zeigt: Es sind die die Republikaner, die die USA mit Waffen überfluten. Und das, obwohl sich eine Mehrheit der Anhänger beider Volksparteien in den USA für striktere Gesetze zur Waffenkontrolle ausspricht.

Auch das gehört zum Waffenwahnsinn in den Vereinigten Staaten. Mehr als 11.000 Menschen wurden hier im vergangenen Jahr erschossen. In den letzten 477 Tagen fanden in den USA 521 Massenschießereien statt.

Die Menschen wollen, dass die Politik etwas dagegen unternimmt. Doch die Politiker missachten den Willen ihrer Bürger, sie tun nichts, um die Waffengewalt im Land einzudämmen.

Stattdessen wird es in den USA bald ein Gehörschutz-Gesetz geben - damit dem nächsten Massenmörder bei seinem Blutbad nicht die Ohren wehtun.

Mehr zum Thema: Talkshow-Host Jimmy Kimmel spricht unter Tränen über das Attentat in Las Vegas - und attackiert die US-Politik

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(mf)

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