Die befürchtete Revolte gegen Premierministerin May bleibt aus - doch ihre Ansprache beim Parteitag wird zur "Alptraumrede"

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THERESA MAY
Die befürchtete Revolte gegen Premierministerin Thresa May bleibt aus - doch ihre Ansprache beim Parteitag wird zur "Alptraumrede" | Phil Noble / Reuters
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  • Die befürchtete Revolte gegen Premierministerin May beim Parteitag der britischen Konservativen bleibt aus
  • Trotzdem gerät ihre Ansprache zur "Alptraumrede"
  • Außenminister Boris Johnson gibt sich zunächst zahm - und sorgt trotzdem für einen Eklat

Ist es Mitleid oder echte Unterstützung? Theresa May erhält viel Beifall bei ihrer Rede auf dem Parteitag der britischen Konservativen am Mittwoch in Manchester. Doch obwohl die Premierministerin inhaltlich punkten kann, gelingt ihr keine Demonstration der Stärke. Im Gegenteil: Britische Medien schreiben von einer "Alptraumrede", darunter auch die sonst eher zurückhaltende BBC.

May erinnert demütig an die Wahlschlappe im Juni. "Ich übernehme die Verantwortung, ich habe den Wahlkampf angeführt, es tut mir leid." Dann geht sie in die Offensive. Sie legt ihre Vision für ein gerechteres Großbritannien dar, mit dem sie Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei den Wind aus den Segeln nehmen will.

Doch als ein Komiker ans Rednerpult tritt, um ihr - angeblich im Namen des Außenministers Boris Johnson - ein Entlassungsschreiben zu überreichen, ist es um ihr souveränes Auftreten geschehen.

May räuspert sich, hustet, krächzt. Sie hat Mühe, die Rede zu Ende zu bringen. Zu allem Übel fallen hinter ihr auch noch die Buchstaben aus dem Parteitags-Slogan an der Wand. Der Vorfall kann als symbolisch für die vergangenen Wochen betrachtet werden.

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Die Wahlschlappe forderte ihren Tribut

Im Nachhinein nimmt sie die Unterbrechung mit Humor. Auf Twitter veröffentlichte sie ein Foto mit dem Text ihrer Rede und einer Reihe von Husten-Medikamenten.

Dennoch: Statt Großbritannien auf dem Weg zum Brexit zu neuen Höhen zu führen, hat die 61-Jährige alle Hände voll zu tun mit Querelen in ihrem Kabinett. Vor allem Außenminister Johnson macht May das Leben schwer.

Mehrmals hatte er vor dem Parteitag ohne vorherige Absprache seine eigenen Vorstellungen zum EU-Austritt in der Öffentlichkeit dargelegt. Nicht wenige glauben, dass er im Sturz Mays die einzige Chance sieht, selbst noch ins Amt des Regierungschefs zu kommen.

Die Wahlschlappe im Juni hat deutlich ihren Tribut gefordert. May hatte die Parlamentswahl ohne Not einberufen, weil sie sich einen Erdrutschsieg erhofft hatte - inzwischen regiert sie mit einer Minderheitsregierung. Die Brexit-Gespräche verlaufen schleppend.

Hört man sich unter den Delegierten um, gibt es trotzdem kaum jemanden, der öffentlich ihren Rücktritt fordert. Viel zu groß wäre die Gefahr, dass es zu Neuwahlen kommt und Labour-Chef Jeremy Corbyn im Regierungssitz Downing Street 10 einzieht.

Der Löwe schnurrt, zumindest vorübergehend

Außenminister Boris Johnson gibt sich in Manchester alle Mühe, die Gerüchte um seine Ambitionen zu zerstreuen. Obwohl er seine Parteitagsrede am Dienstag mit dem Titel "Lass den Löwen brüllen" ankündigt, gerät sie überraschend zahm. Das Kabinett sei hinter "jeder Silbe" der Brexit-Rede der Premierministerin in Florenz vereint, sagte Johnson.

Der Löwe schnurrt, zumindest vorübergehend.

Doch das hält Johnson nicht davon ab, in ein Fettnäpfchen zu treten. Bei einer Nebenveranstaltung am Dienstag zieht er mit einer Bemerkung zu Libyen scharfe Kritik auf sich.

Die ehemalige IS-Hochburg Sirte könne zu einem neuen Dubai werden, sagte Johnson. "Sie müssen nur die Leichen wegräumen", fügt der Außenminister lachend hinzu. Ansonsten habe die Stadt mit ihrem weißen Sandstrand und "wunderschönem Meer" alle Voraussetzungen für ein Touristenparadies. Die Empörung schlägt große Wellen, eine Parteikollegin fordert per Twitter Johnsons Rausschmiss.

May versucht, die Sticheleien Johnsons herunterzuspielen. Ihre Politik werde keineswegs von Johnson untergraben. Doch kann sie sich sicher sein, dass der Außenminister die Seitenhiebe von nun an sein lässt?

Johnsons wird vielleicht rechts überholt

Möglicherweise fürchtet Johnson aber auch, von rechts überholt zu werden.

Kaum ein Konservativer ist bei dem Parteitag so gefragt wie Jacob Rees-Mogg. Der Millionär und strenggläubige Katholik ist der neue Liebling der Brexit-Befürworter - jede Veranstaltung mit ihm ist überlaufen.

Er ist radikaler Abtreibungsgegner und stolz darauf, noch nie eine Windel bei einem seiner sechs Kinder gewechselt zu haben. Bei einer Umfrage unter Tory-Anhängern auf der Website Conservativehome rangiert er inzwischen auf dem zweiten Platz für den Posten des nächsten Parteichefs - direkt hinter Johnson.

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(ll)

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