"Er ist ein Trottel": US-Außenminister Tillerson soll Trump beschimpft haben - und hält trotzdem zu ihm

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US-Außenminister Tillerson soll Trump beschimpft haben - doch eine Entlassung würde neue Probleme schaffen | Getty
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  • US-Präsident Donald Trump hat klargemacht, dass er Gespräche über Nordkoreas Raketen-und Atomprogramm für reine Zeitverschwendung hält
  • Doch sein Außenminister Rex Tillerson sieht das anders
  • Nun kommt raus: Bereits seit Monaten streiten sich die beiden US-Politiker

Die Luft im Weißen Haus ist dick. US-Präsident Donald Trump zankt sich mit seinem Außenminister Rex Tillerson.

Beide streiten sich über den Nordkorea-Kurs. Das kommunistische Regime um Kim Jong-un provoziert bereits seit Monaten mit seinem Atom-und Raketenprogramm. Doch auch Trump heizte den Konflikt mit barschen Äußerungen immer wieder an - zum Ärger von Tillerson.

Nun wird bekannt: Der Konflikt zwischen dem Präsidenten und seinem Außenminister brodelt bereits Monaten.

Tillerson wollte kündigen - durfte aber nicht

Demnach soll Tillerson im Juli bereits kurz davor gewesen sein, den Job zu kündigen. Das berichtet der US-Sender NBC, der sich auf mehrere Quellen stützt. Nur Trumps Stellvertreter, Vizepräsident Mike Pence, soll Tillerson zum Verbleib im Amt überredet haben - wenigstens bis zum Ende des Jahres.

In einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen (Ortszeit) entgegnete Tillerson aber, dass er solch einen Schritt "nie in Betracht gezogen" habe.

Der Grund für die mögliche Fast-Kündigung soll laut NBC eine umstrittene Rede Trumps vor Pfadfindern gewesen sein - der Organisation, die Tillerson in Vergangenheit selbst anführte.

Am 20. Juli eskalierte demnach der Konflikt: Tillerson soll Trump einen "Trottel" genannt haben - ausgerechnet bei einem Treffen im Pentagon mit Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrats und des Kabinetts. NBC beruft sich auf drei Beamte, die mit dem Vorfall vertraut sind.

Dazu wollte sich Tillerson vor Journalisten nicht äußern. Aus seiner Sicht sei das "lächerlicher Unsinn", der dazu diene, das Team um Trump zu spalten. Der Außenminister bekräftige zugleich seine Unterstützung für den Präsidenten.

Angst vor Tillersons Weggang

Klar ist: Ein Weggang Tillersons würde wohl eher neue Probleme schaffen, als alte beseitigen.

Zumindest Trumps Stab sieht das ähnlich. Denn den Quellen zufolge sollen die Mitarbeiter Angst vor dem Abgang eines weiteren hochrangigen Kabinettmitgliedes haben - Tillerson ist immerhin Nummer Vier im Staat.

Außerdem sind dutzende Ämter im Außenministerium noch immer vakant. Bisher sind nur 28 von 148 leitenden Positionen in dem Ministerium tatsächlich besetzt, schreibt das Nachrichtenportal "Politico".

Tillersons Ministerium kann also nur in einem sehr begrenzten Rahmen agieren - und das bereits seit Trumps Amtsbeginn.

Auch deshalb habe Pence Tillerson ermahnt, sich gegenüber dem Präsidenten bei Meetings und in der Öffentlichkeit respektvoll zu verhalten. Der Vizepräsident habe den Außenminister zudem gedrängt, jegliche Meinungsverschiedenheiten im Privaten zu klären, berichtet NBC.

Dialog mit Nordkorea ist Zeitverschwendung

Doch zumindest Trump scheint das alles nicht zu interessieren. Anders als noch im Sommer trägt er den Disput mit seinem Außenminister nun offen aus. Für viele Experten ein Zeichen, dass die Tage von Tillerson tatsächlich gezählt sein könnten.

Auf der einen Seite hatte Trump am Sonntagnachmittag auf Twitter bekräftigt, dass er Gespräche mit Nordkorea über dessen Atom- und Raketenprogramm für sinnlos hält.

"Ich habe Rex Tillerson, unserem wunderbaren Außenminister, gesagt, dass er seine Zeit vergeudet, indem er versucht, mit Little Rocket Man zu verhandeln", schrieb Trump am Sonntag von seinem Golfclub in New Jersey aus. "Spar dir deine Energie, wir werden tun, was getan werden muss." "Little Rocket Man" ("Kleiner Raketenmann") ist Trumps Bezeichnung für Kim Jong Un.

Bereits zuvor hatte der US-Präsident die offensichtliche Bereitschaft seines Außenministers Rex Tillerson kritisiert, den Dialog mit Pjöngjang zu suchen: das sei Zeitverschwendung.

Tillerson hatte erstmals publik gemacht, dass über direkte Kanäle ausgelotet werde, ob die nordkoreanische Führung zu Gesprächen über ihr Programm bereit sei. Wie Tillersons Sprecherin später ergänzend mitteilte, habe Pjöngjang aber kein Interesse gezeigt.

Ebenso scheint es bei Trump und seinem Mann im Außenministerium.

(Mit Material der dpa)

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