Markus Lanz knöpft sich im ZDF AfD-Mann Gauland vor - und bringt ihn zu einem vielsagenden Geständnis

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  • Markus Lanz hat in seiner Sendung den AfD-Politiker Gauland zum Internet-Wahlkampf seiner Partei befragt
  • Der Moderator brachte ihn damit zu einem peinlichen Eingeständnis
  • Besagte Szene aus der Sendung seht ihr im Video oben

Am Dienstagabend hat AfD-Politiker Alexander Gauland in der Runde von Markus Lanz im ZDF Platz genommen. Er blieb bis zum Schluss - trotz der verhörmäßigen Methoden von Moderator Lanz.

Gleich zu Beginn setzte Lanz den Politiker unter Druck, hakte immer wieder nach und brachte Gauland schließlich zu einem vielsagenden Geständnis.

Lanz konfrontierte den AfD-Politiker mit seiner eigenen Biographie: Der Moderator wurde in Italien geboren, besitzt noch immer die italienische Staatsbürgerschaft.

"Wir holen uns unser Volk zurück, haben Sie am Wahlabend gesagt", merkte Lanz an. "Meinen Sie damit auch mich?"

Lanz ist willkommen, Muslime sind es nicht

Gauland verneinte. Die Europäische Union sei kein Problem.

"Natürlich sind Sie herzlich willkommen und immer gerne bei uns aufgenommen", sagte der AfD-Politiker. Nicht willkommen seien die Menschen aus einem fremden Kulturkreis mit einer fremden Religion - gemeint waren Muslime aus dem arabischen Raum.

Lanz ließ nicht locker und wollte von Gauland wissen, warum seine Partei alle Menschen über einen Kamm schere und pauschalisiere. "Herr Gauland, ich würde mich gerne ohne Schaum vor dem Mund mit Ihnen unterhalten", machte der Moderator gleich mehrmals deutlich.

Trägt die AfD Verantwortung für den Hass im Osten?

Eine befriedigende Antwort hatte Gauland nicht parat. Lanz versuchte auch, Verständnis zu zeigen. "Das ist völlig legitim, dass Sie diese Positionen vertreten", gab er zu.

Sein Punkt aber sei ein anderer: "Beschleicht Sie nicht manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn die Kanzlerin auf unsägliche Weise angepöbelt wird?" Lanz spielte auf die Auftritte von Angela Merkel in Ostdeutschland an, auf denen sie von Anhängern der AfD und von rechten Bewegungen beschimpft wurde.

Gauland wies jede Verantwortung dafür von sich. Nicht die AfD schüre Hass, sondern die Bundesregierung habe mit ihrer Flüchtlingspolitik die Menschen im Land so wütend gemacht. "Es tut mir leid - aber wenn Zorn ausbricht, ist das nicht die Verantwortung der AfD", sagte Gauland.

Hier schaltete sich der "Welt"-Journalist und Merkel-Kenner Robin Alexander ein, der neben Gauland in der Runde saß. Die AfD habe im Wahlkampf eine PR-Agentur aus den USA engagiert, die auch für den US-Präsidenten Donald Trump gearbeitet habe.

Merkel als "Eidbrecherin"

Die Harris Media LLC entwickelte für die AfD eine Negativkampagne gegen Kanzlerin Merkel. "Die Eidbrecherin" war eine Webseite über Merkel etwa überschrieben.

Auch für eine geschmacklose Grafik war die Agentur verantwortlich: Ein Bild auf Facebook zeigte blutige Reifenspuren und Hinweise auf sieben Terroranschläge in Europa. Die Überschrift: "Die Spur der Welt-Kanzlerin durch Europa."

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Bei "Lanz" gab Gauland zu, dass diese Kampagne zu weit gegangen sei. Seine Kollegin Alice Weidel und er hätten nicht von diesem Motiv gewusst. Als sie davon erfahren hätten, hätten sie eingegriffen. Das stimmt jedoch nicht: Das blutige Motiv ist noch immer auf der Facebook-Seite der AfD zu sehen.

"Aber die Botschaft dahinter war schon gewollt?", fragte Lanz nach. Gauland verneinte. In einem Interview hatte der Politiker Ende August die Darstellung allerdings noch verteidigt. "In der Sache ist die Aus­sa­ge rich­tig, aber über Ge­schmack lässt sich strei­ten", sagte Gauland damals der “Bild”-Zeitung.

"Wir sind dilettantisch"

In der Sendung nun hielt Gauland das Motiv offenbar für einen Fehler. Und hatte auch gleich eine Ausrede parat, wie es zu dessen Entstehung gekommen war. Die Aussage glich einem peinlichen Geständnis über die eigene Partei.

Die AfD sei eine kleine, neue Partei, sagte Gauland. Nicht jeder habe da Erfahrung vom Wahlkampf im Internet. "Wir sind keine Berufspolitiker in dem Sinne. Wir sind in solchen Sachen noch sehr einfach und dilettantisch", gab Gauland zu.

Lanz wollte ihm die Ausrede nicht durchgehen lassen. Immerhin sei Gauland 40 Jahre lang Mitglied in der CDU gewesen sein. Und da sei er kein Berufspolitiker?

Er verstehe eben nichts vom Wahlkampf im Internet, gab Gauland zurück. "Es gibt nur wenige Leute in der Partei, die davon was verstehen", sagte er.

Dass die AfD in den sozialen Netzwerken mit die erfolgreichste Partei in Deutschland ist, wäre dann einfach nur Zufall.

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(jg)

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