Hilfe vom Gescheiterten: SPD-Chef Martin Schulz greift in den Niedersachsen-Wahlkampf ein

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Martin Schulz und die SPD: Im Bund gescheitert, in Niedersachsen erfolgreich? | Axel Schmidt / Reuters
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  • Martin Schulz ist bei der Bundestagswahl mit der SPD krachend gescheitert
  • Das hält den Vorsitzenden der Sozialdemokraten jedoch nicht davon ab, weiter Wahlkampf zu machen
  • In Niedersachsen will Schulz die nötige Kehrwende für die SPD mit einleiten

Mit Spannung wird im Niedersachsen-Wahlkampf an diesem Mittwoch der Auftritt von SPD-Chef Martin Schulz bei einer Großkundgebung in Cuxhaven erwartet. Es wird der erste öffentliche Auftritt des gescheiterten SPD-Kanzlerkandidaten sein, seit dessen frühe Selbstzweifel an den eigenen Wahlchancen durch einen Bericht des "Spiegel" öffentlich wurden.

"Wir sind im freien Fall", soll Schulz gesagt und ergänzt haben: "Vielleicht bin ich auch der falsche Kandidat." Schulz hatte vergangene Woche in einem Rundschreiben eine grundlegende Neuorientierung seiner Partei gefordert.

Die SPD hat bei der Bundestagswahl mit 20,5 Prozent ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis eingefahren - seitdem gibt es aus vielen Teilen der Partei Rufe nach personeller, inhaltlicher und struktureller Erneuerung. Dass es nicht mehr waren, liegt nach Ansicht von Beobachtern auch an der Niedersachsenwahl.

SPD-Ministerpräsident Weil ist zuversichtlich

Denn während Deutschlands älteste Partei auf Bundesebene aus der Opposition heraus die Erneuerung sucht, geht es für Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Niedersachsen um den Machterhalt. Die Landtagswahl am 15. Oktober wird nur drei Wochen nach der Bundestagswahl auch für seine Partei ein erster Stimmungstest sein.

Mit Hinweis auf die Umfragewerte erklärte Weil, dass von einer Wechselstimmung im Land nichts zu spüren sei.

Laut einer am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap liegt die oppositionelle CDU mit Spitzenkandidat Bernd Althusmann aktuell mit 35 Prozent nur einen Prozentpunkt vor Weils SPD.

Drei Koalitionen wären der Umfrage zufolge zurzeit möglich: eine große Koalition von CDU und SPD, ein Jamaika-Bündnis von CDU, Grünen und FDP sowie eine Ampel-Koalition von SPD, Grünen und FDP.

Nur mit letzterem könnte sich Weil an der Macht halten. Würde er jedoch ein höheres Wahlergebnis für die SPD einfahren, könnte sich der SPD-Landeschef als Hoffnungsträger seiner Partei auch Hoffnungen auf einen Posten in der Bundespolitik machen.

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