POLITIK
03/10/2017 13:44 CEST | Aktualisiert 04/10/2017 22:05 CEST

Talkshow-Host Jimmy Kimmel spricht unter Tränen über das Attentat in Las Vegas - und attackiert die US-Politik

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Jimmy Kimmel bricht in Tränen aus, als er über die Morde in Las Vegas spricht

  • In Las Vegas sterben in der Nacht auf Montag mindestens 59 Menschen, Hunderte werden verletzt

  • Ein Mann schoss mit einem automatischen Gewehr aus einem Hotel in ein Konzertpublikum

  • Es war die tödlichste Massenschießerei in der US-Geschichte - und für Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel ein Grund, drastische Worte zu wählen

In den USA kann ein einfacher Bürger in ein Geschäft gehen und sich gegen Vorzeigen einer leicht zu bekommenden Lizenz ein Sturmgewehr kaufen. Oder auch Dutzende, so wie es der Attentäter von Las Vegas tat.

Auch ein einfacher Bürger, ein 64-Jähriger ohne Polizeiakte oder sonstige Auffälligkeiten. Ein einfacher Bürger also, der in der Nacht zum Montag mindestens 59 Menschen erschossen und hunderte weitere niedergeschossen hat. Es war die tödlichste Massenschießerei in der Geschichte der USA.

Eine Hinrichtung mit Waffen, die wie aus dem Supermarktregal gekauft wurden. Die sonst nur in Kriegsgebieten zum Einsatz kommen - und in den USA. In den letzten Jahren haben hier die Attentate, Amokläufe und Anschläge mit Schnellfeuerwaffen dramatisch zugenommen.

Im letzten Jahr wurden über 11.000 Menschen in den USA erschossen. Auch dieses Jahr wird es wieder eine fünfstellige Zahl sein. Seit 1968 wurden in den USA 1,4 Millionen Menschen erschossen - mehr Opfer, als es auf US-Seite in allen Kriegen in dieser Zeit gab.

Die US-Amerikaner führen einen blutig Krieg gegen sich selbst, in ihrem Heimatland. Immer und immer wieder sind unschuldige Menschen die Opfer. Und viele Bürger haben schon lange genug. So wie der Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel, der vielen dieser Menschen in einer TV-Ansprache aus der Seele sprach - unter Tränen und Wut.

Kimmel: "Man möchte sich übergeben oder einfach aufgeben"

"Hier sind wir also wieder, nach einer weiteren unerklärlichen, schockierenden und grausamen Tragödie, die sich in Las Vegas abgespielt hat", beginnt Kimmel. "In meiner Heimatstadt", sagt er und bricht in Tränen aus. "Wir wundern uns, warum so etwas passiert. Doch es gibt kein 'Warum', keine Erklärung dafür, warum ein Mensch anderen Menschen so etwas antut."

Mit Tränen in den Augen spricht Kimmel weiter: "Jetzt haben wir wieder Kinder ohne Eltern, Väter ohne Söhne, Mütter ohne Töchter." Er zählt die Menschen auf, die gestorben sind. "Man möchte sich übergeben oder einfach aufgeben."

"All diese zerstörten Familien, die für immer mit diesem Schmerz leben müssen - weil ein einziger Mann sich eine ganze Menge an Sturmgewehren kaufen konnte, um damit auf Menschen zu schießen", sagt Kimmel. Dann steigert er sich in seiner Wut auf die Waffenlobby in die USA.

"Wir können etwas tun, aber wir machen es nicht", empört sich Kimmel. "Das ist komisch. Wenn jemand mit einem Bart uns attackiert, dann werden Telefone abgehört, Einreiseverbote ausgesprochen und Mauern gebaut." Wenn aber ein US-Bürger sich eine Waffe kaufe und damit Leute erschieße, dann würde gesagt, dass man dagegen nichts machen könne.

Kimmel: "Sie sollen beten, dass Gott ihnen verzeiht"

Dann wird Kimmel richtiggehend wütend. "Ich verstehe nicht, warum unsere Politiker das immer noch erlauben."

Massenschießereien seien in den USA schlichtweg ein Teil des Lebens geworden, sagt Kimmel entgeistert. Und passieren werde nichts - weil die Waffenlobby NRA jedes wichtige und richtige Gesetz verhindern würde.

Richtig sauer wird Kimmel aber vor allem auf die Politiker, die dieser Lobby folgen würden, deren "Eier die NRA in der Geldzange hat." Auch diese Politiker - zumeist Republikaner - würden jetzt Gebete und Gedanken nach Las Vegas schicken. "Das ist gut", sagt Kimmel, "sie sollen beten - beten, dass Gott ihnen verzeiht, dass sie es zulassen, dass die Waffenlobby dieses Land regiert."

Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler in den USA wolle stärkere Waffengesetze und Kontrollen bei Waffenkäufen. "Aber nicht diese Gang", sagt Kimmel, nachdem er 58 Senatoren eingeblendet hat, die sich gegen diese Forderungen stellen. "Die haben alle dagegen gestimmt."

Kimmel spricht diese Senatoren direkt an: "Bei allem Respekt: Eure Gebete und Gedanken sind nicht ausreichend."

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(jz)