POLITIK
03/10/2017 12:26 CEST

757 Millionen Dollar in 10 Jahren: Wie Donald Trump von seiner geplanten Steuerreform profitieren würde

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757 Millionen Dollar in 10 Jahren: Wie Donald Trump von seiner geplanten Steuerreform profitieren würde

  • Das Steuersystem der USA zu reformieren war eines der größten Wahlversprechen von Donald Trump

  • Der US-Präsident plant ein Gesetz, das viele Steuern senken und manche abschaffen soll

  • Eine Analyse der Pläne zeigt: Trumps Steuerreform würde vor allem Reichen helfen - und Trump selbst

Donald Trumps Steuerplan könnte ihm selbst über einen Zeitraum von zehn Jahren, auf den die Reform ausgelegt ist, 757 Millionen Dollar in die Taschen spülen. Und das alleine durch die Steuerentlastungen für die sogenannten "kleinen Unternehmen“.

Der größte Teil von Trumps Einkommen in den letzten Jahren setzte sich aus Erträgen aus GmbHs zusammen, deren Eigentümer Trump ist. Es sind genau diese Unternehmen, die bei der geplanten Steuerreform von einer Senkung des Maximalsteuersatzes von derzeit 39,6 auf 25 Prozent profitieren würden.

"Das ist der niedrigste Einkommenssteuersatz für kleine und mittelständische Unternehmen seit 80 Jahren“, erklärte Trump am Freitag bei der National Association of Manufacturers. "Das wird Raketentreibstoff für unsere Wirtschaft sein.“

"Ein Geschenk für Trump selbst"

Ob diese Steuersenkung die Wirtschaft tatsächlich antreiben wird ist unklar. Was dagegen klar ist, ist das Ausmaß der Steuerentlastungen, von denen Trump persönlich profitieren würde: Pro Jahr würde er 75,7 Millionen Dollar einsparen, ergab eine HuffPost-Analyse basierend auf Trumps einsehbaren Finanzen.

Sollten die Erträge aus diesen Unternehmen über die nächsten zehn Jahre konstant bleiben, würde das für Trump Steuereinsparungen von mehr als einer Dreiviertelmilliarde Dollar bedeuten.

Mehr zum Thema: Trumps Schickeria: Mehrere Minister des US-Präsidenten verprassen Steuergelder - auch für private Zwecke

"Ganz offensichtlich ist das ein Geschenk für Trump selbst“, so Susan Harley von der liberalen Beobachtergruppe Public Citizen. "Jede Senkung dieses Steuersatzes bedeutet einen Profit für Trump.“

Nachfragen der HuffPost dazu, wie Trump möglicherweise persönlich von der Steuerreform profitieren könnte und warum der Präsident genau das nach wie vor vehement leugnet, ließ das Weiße Haus unbeantwortet. Trump beharrt darauf, dass die Steuersenkungen Reiche nicht betreffen würden - obwohl mehrere Experten das Gegenteil errechnet haben.

Trump hat bis heute seine Steuererklärungen nicht veröffentlicht

Als Trump diese Woche die Steuerpläne in Indiana detaillierter vorstellte, erklärte er: "Ich mache das Richtige, und das nutzt mir selbst in keiner Weise. Glaubt mir.“ Kritiker sind erstaunt über diese Aussage.

"Dass der Präsident behauptet, er würde nicht persönlich von dieser Steuerreform profitieren, ist lächerlich“, so der demokratische Abgeordnete Bill Pascrell aus New Jersey. Als ein Mitglied des Finanz- und Steuerausschusses im US-Repräsentantenhaus setzt er sich besonders für ein Gesetz ein, dass den Präsidenten zur Veröffentlichung seiner Steuererklärung zwingt.

"Der republikanische Kongress befindet sich auf einem Kamikazeflug, wenn er einer Steuerreform zustimmt, ohne zu wissen, ob der Präsident, der diese Steuerreform vorgeschlagen hat, das vielleicht nur getan hat, weil er selbst von der Reform finanziell enorm profitieren würde", sagt Pascrell. Das amerikanische Volk verdient Antworten und dafür werde ich kämpfen.“

Eine genaue Analyse von Trumps Finanzen ist nur dann möglich, wenn der Präsident auch seine Steuererklärung offenlegt. Trump hat stets versichert, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, sollte er für das Amt des Präsidenten kandidieren, machte dann aber im Juni 2015 einen Rückzieher.

Was Trump nicht in den USA spart, spart er im Ausland

Die Analyse der HuffPost basiert daher auf einer einfachen Liste von Donald Trumps Einkünften vom Juni 2017. Alle Einkommensquellen wurden untersucht. Wurde für ein Unternehmen eine Ertragsspanne genannt, wurde der untere Wert für die Analyse verwendet. Unter dem Strich ergab das 569,4 Millionen US-Dollar.

Dann wurden alle sogenannten "C“-Unternehmen abgezogen, deren Dividenden anders besteuert werden als herkömmliche Unternehmen, sowie auch Unternehmen, deren Gewinne im Ausland erzeugt werden und die somit unter das Steuergesetz des jeweiligen Landes fallen.

Trumps Golfplätze in Schottland, für die er einen Ertrag von 14,5 Millionen US-Dollar angibt, oder seine Golfplätze in Irland, deren Erträge er auf 12,5 Millionen US-Dollar beziffert, sind zwei Beispiele.

Damit bleibt ein Mindesteinkommen von 518,6 Millionen US-Dollar, für das Trump Steuern entsprechend einem Steuersatz von 39,6 Prozent zahlt.

Wäre Donald Trumps Steuerreform mit dem vorgeschlagenen Steuersatz von 25 Prozent bereits letztes Jahr in Kraft getreten, hätte er statt 205,4 Millionen US-Dollar nur 129,7 Millionen US-Dollar an Steuern gezahlt. Das entspricht einer Ersparnis von 75,7 Millionen Dollar.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Unternehmen, die Steuern, die für Gewinne fällig werden, direkt an die Regierung zahlen, werden bei den sogenannten "S"-Unternehmen die Gewinne unmittelbar beim Eigentümer selbst besteuert.

Trumps Steuerreform sieht Abschaffung der Erbschaftssteuer vor

Die Analyse der HuffPost ließ außer Acht, dass Trumps Steuerreform vorsieht, die sogenannte Alternative Minimum Tax abzuschaffen. Aufgrund dieses Gesetzes war Trump in mindestens einem Jahr gezwungen, Millionen an zusätzlichen Steuern zu zahlen, die andernfalls nicht fällig geworden wären.

Des Weiteren wurde nicht berücksichtigt, dass Trumps Steuerreform eine Abschaffung der Erbschaftssteuer vorsieht. Demnach müssten Trumps Erben keine Hunderte Millionen oder gar Milliarden von Dollar Steuern zahlen, sollte Trump in den zehn Jahren, auf die seine Steuerreform ausgelegt ist, versterben.

Zwar würden Trump und führende Republikaner gerne dauerhafte Steuersenkungen einführen, aber ohne die Unterstützung der Demokraten im Senat wären sie gezwungen, sich auf spezielle Budget-Gesetze zu berufen. Diese Gesetze verlangen jedoch, dass Rechnungen nach zehn Jahren ablaufen, es sei denn, sie tragen nicht zur Staatsverschuldung im elften Jahr bei.

Dieses Szenario ist also höchst unwahrscheinlich, bedenkt man die Höhe der Steuersenkungen, die die Republikaner sich wünschen - und die Trump noch reicher als ohnehin machen sollen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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