14 ungeschönt ehrliche Bilder zeigen, was fünf Jahre Heroinsucht aus einem Menschen machen

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Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Refinery29.

Sucht ist etwas Großes – sowohl als Todesursache als auch als Krankheit, die unüberwindbar scheint. Im Rahmen des Projekts "Closer To Heaven" hat Fotojournalistin Sara Naomi Lewkowicz eine heroinabhängige Frau mit ihrer Kamera begleitet.

Lewkowicz hat Alex fünf Jahre lang fotografiert und steht noch immer in regem Kontakt zu ihr. Angefangen als Alex 20 war rief Lewkowicz lediglich an und fragte, ob sie mit ihrer Kamera vorbeikommen könne. Irgendwann begleitete sie Alex auch mit zum Strip Club, in dem sie arbeitete, und erlebte den Drogenmissbrauch aus erster Nähe.

Alex ist seit zwei Jahren clean

Jetzt, mit 25, ist Alex seit zwei Jahren clean und arbeitet in einem Imbiss, der gezielt ehemalige Drogenabhängige einstellt, um ihnen bei der Resozialisierung zu helfen.

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Themen wie Drogenmissbrauch und Sexarbeit, bemerkte Lewkowicz, machen es sehr einfach, Betroffene in Schubladen zu stecken. Das Projekt, so sagt sie, habe ihr aber tatsächlich dabei geholfen, die Menschen hinter der Krankheit und die Vielfalt an Problemen, mit denen sie tagtäglich konfrontiert sind, zu verstehen.

"Was mir durch den Umgang mit [Alex] am deutlichsten wurde, ist, dass Drogen selbst weniger das Problem sind, vielmehr sind sie ein falsches Mittel zur Bewältigung tieferliegender Probleme", sagt Lewkowicz."Drogen werden erst zum Problem, aber die Wurzel des ganzen Übels liegen woanders."

Frauen leiden häufiger unter Heroinsucht als Männer

Heroin betrifft laut dem US-Institut CDC vermehrt Frauen. Der Heroinkonsum unter Frauen in den USA hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Doch Lewkowicz wollte über die Statistik und die Stereotypen hinaus tiefer in die Materie eindringen. "Drogenmissbrauch und Sexarbeit nimmt den Abhängigen nicht das Menschsein", sagt uns Lewkowicz.

Die folgenden Bilder zeigen einen Ausschnitt der fünf Jahre, in denen Lewkowicz Alex fotografisch begleitet hat.

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Alex, 20, lebt in Baltimore. Wie viele andere in "Charm City" ist sie heroinabhängig. Ihre Familie ist geprägt von Suchtgeschichten: Ihre Mutter war Alkoholikerin, ihr Vater crackabhängig. Er verließ Alex und ihre Mutter, als die Tochter gerade mal 10 Jahre alt war.

Seitdem hat sie nie wieder etwas von ihm gehört. Alex spritzt Heroin, seit ein Mitbewohner sie vor drei Jahren an die Droge ranführte. Seitdem ihre Mutter sich vor zwei Jahren erhängte, erhöht Alex ihre Dosis in regelmäßigen Abständen.

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Um ihren Lebens- und, vor allem, ihren Suchtunterhalt finanzieren zu können, arbeitet Alex in einem Striplokal. Während einer Schicht setzt Alex oft mehrere Spritzen an.

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Im Bad des Clubs, in dem sie auftritt, hat sie Schwierigkeiten, eine Vene an ihrem Arm zu finden. Sie wird regelmäßig von ihrem Chef ermahnt. Der Club wirbt mit der Ausrichtung auf vermögende Geschäftsklientel und verpönt offensichtlichen Drogenmissbrauch.

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Die Routine bei der Arbeit: Alex erzählt, dass sie trotz Mahnung ohne einen obligatorischen Schuss gar nicht erst auf die Bühne gehen kann. Kurze Zeit nachdem das Foto aufgenommen wird, verliert Alex ihren Job.

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Twon ist ein Freund aus Alex' Kindheitstagen. Er ist zwar nicht heroinabhängig, raucht aber Crack. Im gemeinsamen Hotelzimmer verpasst sie sich den nächsten Schuss, während er schläft.

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In den nächsten Monaten werden Alex und Twon wegen Einbruch verhaftet. Alex wird zu 18 Monaten Haft verurteilt.

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Aufgrund ihrer vorstrafenfreien Akte wird Alex bald ein alternatives Strafmaß angeboten, das eine Entzugskur umfasst. Twon hingegen wird aufgrund von mehreren Vorstrafen zu 12 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt, mit der Möglichkeit auf frühzeitige Entlassung bei guter Führung.

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Zwischen Prozess und Entzugskur schafft es Alex, ein Jahr lang drogenfrei zu leben, was für genesende Abhängige eine bedeutende Leistung ist. Bald darauf verfiel sie erneut ihrer Heroinsucht, und versuchte ein weiteres Mal, clean zu werden.

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Während ihrer Entzugskur, und damit sie nicht doch wieder hinter Gittern landet, geht Alex regelmäßig zu Treffen der Narcotics Anonymous Gruppe (NA) in Baltimore.

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Sie nimmt seit einigen Monaten an den Treffen teil und ist weiterhin clean. In einem kleinen NA-Zentrum in Baltimore wartet sie auf die anderen Teilnehmer.

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Alex vergießt Tränen, als sie auf einen Wärter aus dem Gefängnis trifft, in dem sie inhaftiert war. Sie hat gerade ihren Aufenthalt am Drug Court abgeschlossen – ein Programm in Maryland, das ehemaligen Drogenabhängigen dabei hilft, resozialisiert zu werden und Arbeit zu finden, und im Gegenzug für gute Leistungen Verurteilungseinträge aus der Akte streicht.

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Alex ist hier seit einem Jahr drogenfrei. Mittlerweile sind es schon zweieinhalb und sie macht spürbare Fortschritte.

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Ihre Samstagabende verbringt Alex nun auf Spieleabenden mit Freunden, die ebenso Abhängigkeit und Entzug hinter sich haben. Oft haben sie sich bei NA-Treffen kennengelernt.

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Alex und ihr fester Freund Kyle wohnen zusammen. Sie lernten sich bei einem Treffen der Narcotics Anonymous Baltimore kennen. Beide sind noch immer clean.

Übersetzt und ergänzt von Rea Mahrous; alle Fotos: Sara Naomi Lewkowicz

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