Politikwissenschaftler erklärt, warum die Ära von Merkel vorbei sein könnte

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Politikwissenschaftler erklärt, warum die Zeit von Merkel vorbei ist | Getty
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  • Sowohl die SPD als auch die CDU sind bei der Bundestagswahl drastisch abgestürzt
  • Aus Sicht der Politikwissenschaftler Herfried Münkler lag das vor allem an den beiden Spitzenkandidaten
  • Besonders mit Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel rechnet Münkler scharf ab

Die beiden Volksparteien SPD und CDU haben am Wahlsonntag eine krachende Niederlage erlebt. Beide erreichten ihre schlechtesten Ergebnisse seit 1949.

Woran liegt das? Politikwissenschaftler Herfried Münkler, der an der Berliner Humboldt-Universität lehrt, sagt, dass sowohl SPD-Chef Martin Schulz als auch Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel die falschen Kandidaten waren.

Zwar habe Schulz für kurze Zeit eine Aufbruchstimmung erzeugen können. "Merkel hingegen war nie daran gelegen. Sie lebt vom Charisma des Anti-Charismatischen", kritisiert Münkler.

Charismatische und überzeugende Führungspersönlichkeit gesucht

"Im Grunde brauchen die Volksparteien eine charismatische und überzeugende Führungspersönlichkeit", erklärt der Politik-Professor der HuffPost.

Ihr müsse es gelingen, sowohl den rechten wie auch linken Flügel zusammenzubinden. So würden auch jene Menschen mitgenommen, die mit der derzeitigen Politik nicht hundertprozentig einverstanden sind.

Münkler betont: "Nur so lassen sich Wahlergebnisse erzielen, die eine stabile demokratische Mehrheit ermöglichen. Und nur so lässt sich eine gewaltige Aufbruchstimmung erzeugen." Diese sei aktuell besonders wichtig, um die gewaltigen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. Sowohl Schulz als auch Merkel haben das allerdings nicht umsetzen können - und wurden deshalb an der Urne abgestraft.

Ende der Ära Merkel?

Aus der Sicht von Münkler zählen zu den künftigen Aufgaben insbesondere die Digitalisierung, "die nur eine Chiffre für massive Veränderungen unserer Arbeitswelt ist", und die Neuordnung Europas.

Doch die Kanzlerin kann gerade in diesen Bereichen keine Impulse setzen. "Ihre Politik ist auf Administrieren und Kompromisse aus, zu der aber immer wieder schnelle und entschlossene Entscheidungen kommen, die Merkel argumentativ nicht vorbereitet hat", erläutert der Politologe.

Gerade damit habe sie ihre Wählerschaft, aber auch einen Teil der Bevölkerung, immer weiter von ihrer Politik entfremdet. "Insofern könnte es sein, dass die Ära Merkel und ihr Politikstil vorbei ist.“

Wie andere Experten ist sich auch Münkel sicher, dass Merkel gerade ihren Schröder-Moment erlebt.

Denn sie habe einen Teil ihrer Wähler von der CDU entfremdet, die nun zur AfD laufen - genauso wie die SPD Wähler an die Linkspartei verliert.

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