Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen: Ärzte fordern, den Stundenplan neu zu denken

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Immer weniger Kinder und Jugendliche bewegen sich ausreichend.

  • Studien zeigen: Die meisten Schüler leiden unter Bewegungsmangel

  • Das und häufige Fehlernährung führen in vielen Fällen zu Übergewicht

  • Ärzte fordern nun das Fach "Gesundheit und Ernährung" für den Lehrplan

Die meisten Kinder und Jugendliche bewegen sich nicht ausreichend.

Nur 17 Prozent der Schüler sind jeden Tag mindestens 60 Minuten körperlich aktiv. In der fünften und sechsten Klasse sind es noch 23 Prozent, in der neunten und zehnten Klasse nur noch zwölf Prozent.

Das hat eine Studie der Krankenkasse DAK ergeben.

Der Präventionsradar untersucht jährlich das körperliche und psychische Wohlbefinden und das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren.

Insgesamt sind 12 Prozent der Schülerinnen und Schüler übergewichtig. Das zeigt: In der Schule müssen Sport und Bewegung wieder viel mehr Raum einnehmen. Experten fordern einen neu gedachten Stundenplan.

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Gesundheit und Ernährung müssen in der Schule beigebracht werden

"In der Schule sollen Kinder fürs Leben lernen – aber das Fach Gesundheit steht bislang nicht auf dem Stundenplan", kommentiert DAK-Vorstandsvorsitzender Andreas Storm die Ergebnisse der Studie in der Pressemitteilung.

"Die Schüler können komplexe Matheaufgaben lösen und fließend Englisch sprechen, wissen aber nicht, wie schädlich Zucker und langes Sitzen sind."

Laut Storm gehören Gesundheit und Ernährung auf den Lehrplan der Schulen. Auch der Ärztetag fordert: "Kinder und Jugendliche sollen körperliche und seelische Prozesse besser verstehen und Kenntnisse sowie die Motivation zu einer gesundheitsförderlichen Lebensführung erlernen."

Die Ärzteschaft schlägt vor, schon in der Ausbildung von Lehrern und Erziehern gesundheitsrelevante Themen aufzunehmen. Auch der Lehrplan, so die Forderung, soll geändert werden. Ein Fach "Gesundheit und Prävention“ müsse eingeführt wird - und das ab dem ersten Schuljahr, raten die Experten.

Die Zahl der übergewichtigen Kinder nimmt immer mehr zu, daher sollte sich auch der Sportunterricht nicht an Zensuren orientieren, sondern die Bewegungsfreude von Kindern und Jugendlichen stärken.

Fehlernährung ist ein Grund für Übergewicht

Laut dem Präventionsradar essen nur rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen täglich Obst oder Gemüse.

Dabei hat ein Frühstück vor der Schule nachgewiesenermaßen einen positiven Einfluss auf die Gesundheit: Nur zehn Prozent der Kinder, die jeden Tag zu Hause frühstücken, sind übergewichtig. Bei Schülern, die nie zu Hause frühstücken, sind es 16 Prozent.

Die DAK ist der Meinung, dass insgesamt zu wenige Schüler täglich zu Hause frühstücken. Denn wer regelmäßig gemeinsam mit seiner Familie isst, ernährt sich laut der Studie gesünder.

In der fünften und sechsten Klasse verzichten 37 Prozent auf das Frühstück. In der neunten und zehnten Klasse frühstückt nur noch jeder Zweite zu Hause.

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Dafür sind Snacks sehr beliebt. 41 Prozent der Schüler nehmen täglich Süßigkeiten zu sich. Auch Fastfood essen ein Viertel der befragten Schüler mehrmals pro Woche - sieben Prozent sogar täglich. Dazu kommen auch Softdrinks, die bei 39 Prozent liegen.

Energydrinks sind ebenfalls sehr beliebt, besonders bei Jungen der neunten und zehnten Klasse. Jeder Fünfte gab an, sie jede Woche oder öfter zu trinken.

"Gerade für Kinder und Jugendliche sind diese Getränke bedenklich“, sagt Reiner Hanewinkel, der Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in der Pressemeldung der DAK. "Sie enthalten viel Koffein, sind extrem gesüßt und stecken voller synthetischer Zusatzstoffe."

Diese Folgen können Fehlernährung und Bewegungsmangel auslösen

Diese Fehlernährung und der Bewegungsmangel führten nachweislich zu somatischen und psychischen Beschwerden, warnt Hanewinkel. Das kann sich unter anderem durch Kopf- oder Rückenschmerzen und Schlafstörungen äußern.

Auch Stress kann dadurch ausgelöst werden. Weitere Ursachen sind meistens hoher Leistungsdruck, schlechte Noten oder Mobbing in den sozialen Medien. 43 Prozent der Schüler geben an, von diesem Stress betroffen zu sen.

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Kurzum: Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Forderung von Storm, des Ärztetages und mehreren Landesärztekammern, Gesundheit und Ernährung in den Lehrplan aufzunehmen.

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(lk)