Adele Neuhauser berichtet über die Folgen ihrer Schicksalsschläge

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"Ich war mein größter Feind" heißt die Autobiografie von Adele Neuhauser

Die österreichische Schauspielerin Adele Neuhauser (58) berichtet in ihrer Autobiografie "Ich war mein größter Feind" (Brandstätter Verlag) mit viel Offenheit über ihr Leben, ihre Familie und ihren Beruf. Im Interview mit spot on news verrät die "Tatort"-Kommissarin, wie sehr sie die Schicksalsschläge der vergangenen Zeit verändert haben.

"Ich war mein größter Feind" (Brandstätter Verlag) von Adele Neuhauser gibt es hier

Frau Neuhauser, viele Menschen, die Autobiografien verfassen, bezeichnen das Schreiben als eine Art von Therapie. Sehen Sie das auch so?

Adele Neuhauser: Ich habe in den letzten beiden Jahren schwere Schicksalsschläge erleiden müssen und dachte fast, ich könnte unter diesen Vorzeichen meine Geschichte gar nicht mehr erzählen. Aber dann habe ich mich doch auf die Reise durch mein Leben gemacht. Und der Verlust meiner Lieben bestimmte meinen Blick und meine Erinnerung an sie und an meine Stationen auf ganz besondere Weise. So wurde das Schreiben meiner Autobiografie zu einer heilsamen und beglückenden Trauerarbeit.

"Ich kann und will nicht mehr leise sein", heißt es in Ihrem Buch. Was sind die Themen, die Sie gerade bewegen und für die Sie sich engagieren?

Neuhauser: Wir stehen kurz vor den Wahlen und ich hoffe, dass die Vernunft und ein vereintes Europa siegen. Rechtspopulisten versuchen die Bevölkerung noch mehr zu verängstigen und aufzuhetzen und jene Menschen die konstruktiv, weltoffen und positiv die Herausforderungen unserer Zeit annehmen, sollten lauter werden. Wir sind nicht so wenige.

Ihren Vater, Ihre Mutter und Ihren Bruder haben Sie innerhalb eines einzigen Jahres verloren. Wie hat Sie diese schwere Zeit verändert?

Neuhauser: In vieler Hinsicht. Dieser traurige Umstand hat meinen Blick auf mein Leben, auf mich und die Welt positiv verändert. Ich habe das Gefühl, als hätten mich meine verstorbenen Lieben mit hellen Gedanken aufgeladen.

Den Tod thematisieren Sie in Ihrem Buch auch in einem anderen Zusammenhang. Während Ihrer Jugend bis ins frühe Erwachsenenalter haben Sie sechs Suizidversuche unternommen. Was denken Sie heute über diese Todessehnsucht von damals?

Neuhauser: Aus heutiger Sicht tut es mir leid, dass ich mich so lange in einer so ausweglosen Situation befunden habe. Hätte ich um Hilfe gebeten, wäre ich sicher schneller über diese schwierige Phase hinweggekommen. Aber ich habe mich ja zum Glück überlebt.

Kurz vor ihrem Tod hat Ihre Mutter zu Ihnen gesagt: "Wo ist eigentlich dein Glück?" Beschäftigt Sie die Suche nach dem Glück?

Neuhauser: Jeder Mensch wünscht sich ein glückliches und zufriedenes Leben, so auch ich. Ich glaube, meine Mutter wollte mich mit diesem Satz darauf aufmerksam machen, ein bisschen mehr auf mich zu achten. Jedenfalls denke ich seitdem jeden Tag an ihre so liebevollen Worte.

Für Glücksgefühle sorgen Sie immer wieder bei "Tatort"-Fans. Bibi Fellner ist eine außergewöhnliche Figur. Wie oft werden Sie auf der Straße mit "Bibi" angesprochen?

Neuhauser: Danke für ihre freundliche Kritik. Ich glaube, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht als 'Bibi' erkannt und angesprochen werde.

Der "Tatort" ist für Sie "wie Vinyl". Warum ist dieses Format Ihrer Meinung nach schon so lange Kult?

Neuhauser: Sonntagabend 'Tatort' schauen, ist für so viele Menschen zu einem festen Bestandteil geworden. Ich glaube, das liegt einerseits daran, dass der 'Tatort' schon so viele Jahre besteht und schon alleine deswegen aus der Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken ist und andererseits, weil er vor einigen Jahren eine richtige Renaissance erfahren hat. Neue Teams, ein frischerer Zugang zum Format, zu den Themen, die behandelt werden und filmisch anspruchsvoller geworden ist.

Sie bemängeln aber auch, dass die "Tatort"-Kommissare mittlerweile nicht mehr rauchen oder Alkohol trinken dürfen. Entfremdet sich der "Tatort" zu sehr vom "wahren Leben"?

Neuhauser: Das ist ja die Qualität des Formats 'Tatort', dass er ziemlich nahe am realen Leben ist und das wird auch so bleiben, denke ich. Und wir lassen uns von der Vorbildfunktion, die man versucht, den Kommissaren anzuheften, weitestgehend nicht einengen. Trotzdem bedauere ich, dass meine Figur 'Bibi Fellner' so schnell von ihrer Alkoholsucht genesen ist.

Sie haben eine enge Freundschaft mit Ihrem Ex-Mann, mit dem Sie 25 Jahre verheiratet waren, stehen mit Ihrem Sohn, der Musiker ist, immer wieder zusammen auf der Bühne. Schmerzt es Sie manchmal dennoch, dass es - wie bei Ihren Eltern - nicht geklappt hat mit dem dauerhaften Familienglück?

Neuhauser: Es hat mich früher geschmerzt, aber jetzt haben wir alle eine gute neue Lebensbasis gefunden und freuen uns, wenn sich unsere Wege kreuzen, oder wir sogar gemeinsam arbeiten können. Nicht nur ich habe das Vergnügen, mit Julian aufzutreten, auch mein Ex-Mann macht mit unserem Sohn gemeinsam Filme. Bei manchen hat Julian auch gespielt, aber für alle Filme hat Julian die Musik gemacht. Der letzte Film ist 'Breakdown in Tokio', da stehen Vater und Sohn sogar gemeinsam vor der Kamera.

Gibt es eine neue Liebe in Ihrem Leben?

Neuhauser: Nein, und das ist auch gut so. Ich habe so viel Liebe in mir, die ich in einer Beziehung gar nicht verschenken könnte.

Ein neuer Kinofilm würde Sie reizen. Hat sich da inzwischen was ergeben?

Neuhauser: Jetzt bin ich mit meinem Buch unterwegs und um die Erfüllung meines Kinotraums kümmere ich mich danach.

"Ich war mein größter Feind" von Adele Neuhauser ist im September im Brandstätter Verlag erschienen.

Adele Neuhausers Autobiografie ist im September erschienen

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