NEWS-BLOG: Premier Rajoy lobt "Gelassenheit" der Polizei - trotz Hunderter Verletzer

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  • Die Katalanen wollen heute über die Unabhängigkeit abstimmen
  • Im NEWS-BLOG halten wir euch über die wichtigsten Entwicklungen auf dem Laufenden

In angespannter Atmosphäre hat am Sonntag in Katalonien ein umstrittenes und vom spanischen Verfassungsgericht untersagtes Referendum über die Unabhängigkeit der Region begonnen.

In der Hauptstadt Barcelona und den Gemeinden Kataloniens strömten Tausende Menschen in die Wahllokale, um ihre Stimme abzugeben.

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(Die Polizei geht in Barcelona mit aller Härte gegen Befürworter einer katalanischen Unabhängigkeit vor. Quelle: dpa)

Mehr als 5,3 Millionen Menschen sind aufgerufen, bis 20.00 Uhr in einem der 2315 Wahllokale ihre Stimme abzugeben. Seit Wochen hatte die Zentralregierung in Madrid versucht, die Befragung mit allen Mitteln zu verhindern. An diesem Sonntag gab es dann die befürchteten, blutigen Szenen.

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23:09 Uhr: Mehr als 800 Verletzte

Nach Angaben des katalanischen Gesundheitsministeriums mussten sich 844 Bürger während des Referendums über die Unabhängigkeit der Region behandeln lassen. Die meisten Menschen wurden demnach in der Hauptstadt Barcelona verletzt.

Laut dem Innenministerium mussten auch 33 Polizisten behandelt werden.

22.51 Uhr: Kataloniens Regierungschef: Recht auf Unabhängigkeit

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat das Recht auf Unabhängigkeit seiner Region beansprucht. "Wir haben das Recht gewonnen, einen unabhängigen Staat zu haben", sagte Puigdemont am späten Sonntagabend in Barcelona. Millionen von Menschen seien am Sonntag ungeachtet der Polizeigewalt in der ganzen Autonomen Gemeinschaft auf die Straßen und zu den Urnen gegangen, betonte er.

21.34 Uhr: Zahl der Verletzten liegt bei mehr als 700

Die Gesundheitsdienste der Region melden, dass 761 Personen von der Polizei verletzt worden seien. Zwei von ihnen sollen in kritischem Zustand sein.

20.45 Uhr: Spaniens Premier tritt im TV auf

In einer Fernsehansprache sagt der spanische Premier Mariano Rajoy, es habe heute kein Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien gegeben. Er dankt der spanischen Polizei, die mit "Entschlossenheit und Gelassenheit" reagiert habe.

19.55 Uhr: Bürgermeisterin fordert Rücktritt des Regierungschefs

Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau fordert den Rücktritt des spanischen Premierministers Mariano Rajoy.

19.25 Uhr: "Die Schande Europas"

Die katalonische Regionalregierung nennt Spanien "die Schande Europas". Regierungssprecher Jordi Turull geißelte die Polizeieinsätze als grausam. "Es ist ein internationaler Skandal."

17:55 Uhr: Schulz fordert sofortige Deeskalation

SPD-Chef Martin Schulz nennt die Entwicklung in Spanien auf Twitter "besorgniserregend". Er fordert sofortige Deeskalation und Dialog.

17:00 Uhr: Bürgermeisterin von Barcelona: über 460 Verletzte

Ada Colau, Bürgermeisterin von Barcelona, sagt, inzwischen seien mehr als 460 Menschen in Katalonien bei Zusammenstößen mit der Polizei verletzt worden. Sie fordert ein "sofortiges Ende der Angriffe der Polizei auf die wehrlose Bevölkerung".

16:02 Uhr: FC Barclelona spielt - und keiner schaut zu

Trotz der Unruhen findet das Fußballspiel des FC Barcelona gegen UD Las Palmas statt. Die für 16.15 Uhr MESZ angesetzte Partie der spanischen Primera Division werde unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen, teilte der katalanische Club am Sonntag mit. Zuvor hatten mehrere Medien eine angebliche Absage der Partie gemeldet.

Die Absage kam erst eine halbe Stunde vor Anpfiff, als schon Tausende Fans vor dem Stadion warteten. Barcelona hatte das Spiel verschieben wollen, doch der spanische Fußballverband weigerte sich.

15:23 Uhr: Kritik, dass auch Kinder bei den Demos dabei sind

Das spanische Innenministerium kritisiert, dass Pro-Referendums-Aktivisten ihre Kinder gefährlichen Situationen aussetzen.

Auch andere Twitter-User kritisieren Eltern, die sich mit ihren Kindern in die Demonstrationen begeben. Das zeigt: Das Referendum in Spanien ist mittlerweile auch zu einem Kampf um die Deutungshoheit über die Bilder geworden.

Diesen Kampf droht die spanische Regierung aber zu verlieren. Sie treibt die Katalanen mit dem harten Polizeieinsatz in die Arme der Unabhängigkeits-Befürworter.

15:10 Uhr: Spanische Regierung lobt Polizeieinsatz

Die spanische Vizepremierministerin Soraya Saenz de Santamaria hat den Einsatz der Polizei in Katalonien gelobt: Die "absolute Unverantwortlichkeit" der katalanischen Regionalregierung sei durch die Professionalität der Einsatzkräfte kompensiert worden, sagte sie.

"Sie haben die Beschlüsse der Justiz umgesetzt. Sie haben professionell und angemessen gehandelt. Sie haben immer versucht, die Rechte und Freiheiten zu schützen."

Das spanische Innenministerium postete ein Video auf Twitter, das zeigt, wie Polizisten angegriffen werden:

14:28 Uhr: Zahl der Verletzten steigt auf mindestens 337

Bei den Polizeiaktionen zur Verhinderung des umstrittenen Unabhängigkeitsreferendums in der spanischen Region Katalonien sind nach amtlichen Angaben Hunderte Bürger verletzt worden. Es gebe bereits 337 Verletzte, teilte die katalanische Regionalregierung am frühen Sonntagnachmittag mit. Die Betroffenen wurden aufgerufen, bei der katalanischen Polizei Anzeige gegen die staatliche Polizeieinheit Guardia Civil zu erstatten.

14:08 Uhr: Reaktionen von deutschen Journalisten

Die Reaktionen aus Deutschland sind durchaus unterschiedlich - sie reichen von Sorge bis Sarkasmus.

So kommentiert Felix Dachsel, Journalist bei der "Zeit": "Mit Gewalt Wahlurnen zu zerstören, ist in etwa so erfolgversprechend, wie gleichzeitig Robben, Boateng und Hummels auf der Bank zu lassen." Dachsel spielt damit auf die Pleite des FC Bayern an, der ohne Robben, Boateng und Hummels gegen Paris St. Germain mit 0:3 unterging.

Ulf Poschardt, Chefredakteur der "Welt", macht sich Sorgen um Europa. Er twittert: "Der Mist in Spanien hat #Europa gerade noch gefehlt."

"Bild"-Reporter Paul Ronzheimer warnt derweil vor einer weiteren Eskalation der Situation:

12:16 Uhr: Auch J. K. Rowling meldet sich zu Wort

Auch die "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling hat sich jetzt zu den Ereignissen in Barcelona geäußert. Sie nennt die Gewalt "abstoßend und nicht zu rechtfertigen".

Zahlreiche User auf Twitter kommentieren sarkastisch: "So geht Demokratie auf Spanisch."

Auch die bekannte linke US-Autorin Naomi Klein meldete sich per Twitter zu Wort. Sie schreibt: "Nichts kann diese Gewalt rechtfertigen." Tatsächlich ist der Tenor in den sozialen Netzwerken deutlich: Die spanische Zentralregierung heizt die Unabhängigkeitsbestrebungen mit ihrem harten Vorgehen nur weiter an.

12:08 Uhr: Chef der Regionalregierung verurteilt Gewalt

Der Chef der separatistischen Regionalregierung in Katalonien, Carles Puigdemont, hat den Einsatz von Gummigeschossen durch die Polizei gegen Wähler beim Unabhängigkeitsreferendum verurteilt.

"Gewalt, Schlagstöcke, Gummikugeln, unwillkürliche Aggressionen", sagte Puigdemont am Sonntag nach der Stimmabgabe vor Journalisten in Barcelona. Nach Angaben der Regionalregierung wurden bis zum Mittag 38 Menschen bei Auseinandersetzungen mit der Polizei verletzt, davon drei schwer.

Der regionale Regierungschef betonte: "Es ist klar, dass der unverantwortliche Einsatz von Gewalt seitens des spanischen Staates die Katalanen nicht aufhalten wird." Und sagte an die Adresse der Regierung des spanischen Regierungschefs Mariano Rajoy: "Es ist alles gesagt, die Schande wird sie auf ewig begleiten."

11:48 Uhr: 38 Verletzte durch Polizeieinsätze in Katalonien

Die spanische Polizei soll inzwischen Gummigeschosse gegen Wähler in Barcelona einsetzen, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP sagten. Rettungsdienste berichten von 38 Verletzten bisher. Zahlreiche Videos zeigen, wie die Polizei gegen Demonstranten vorgeht:

10:38 Uhr: Chef der Regionalregierung stimmt ab

Der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, hat am Sonntag im umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Region seine Stimme abgegeben.

Nachdem aus Madrid entsandte Polizeieinheiten sein Wahllokal in dem Ort Sant Julià de Ramis (Provinz Girona) gestürmt hatten, sei der 54-Jährige zur Stimmabgabe in das nahe gelegene Dorf Cornellá de Terri gefahren, berichtete das spanische Fernsehen.

Bei der Befragung können die Wähler Berichten zufolge in jedem Wahllokal abstimmen, unabhängig davon, wo sie gemeldet sind. Wie mehrfache Stimmabgaben verhindert werden sollen, war unklar.

Puigdemont war im Januar 2016 zum Chef der Generalitat (Regionalregierung) gewählt worden. Im Juni 2017 hatte er bekanntgegeben, dass er am 1. Oktober ein Referendum über die Abspaltung der Region abhalten wolle. Seither hatte er gegen den Widerstand aus Madrid eisern an dem Plan festgehalten.

10:15 Uhr: Erste Verletzte

Bei den Wahlen scheint es erste Verletzte zu geben:

Die Polizei hat Wähler eingekesselt:

10:08 Uhr: "Das ist Demokratie"

Dort sei die Lage angespannt, berichtete das spanische Fernsehen. Sicherheitskräfte gingen teils energisch gegen Wähler vor, um sie an der Stimmabgabe zu hindern. In dem Ort Sant Julià de Ramis, in dem der Chef der Regionalregierung Carles Puigdemont seine Stimme abgeben will, drangen sie mit Gewalt in eine Schule ein, um die Wahlurnen sicherzustellen. Dabei schlugen sie auch die Scheibe der Eingangstür ein.

Die Menschen reagierten friedlich auf die Aktionen der Polizei, hielten ihre Hände in die Höhe und stimmten Lieder an. Die katalanische Polizei war zuvor dem Befehl, Schulen und andere Wahllokale abzuriegeln, nicht nachgekommen.

Auch dieses Video zeigt die angespannte Situation:

"Bei uns läuft alles rund, die Wahllokale sind offen und die Bürger wollen wählen", sagte der Bürgermeister des Ortes Arenys de Munt nordöstlich von Barcelona der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist Demokratie."

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