"Wählerpotenzial von 30 Prozent": Sarrazin erklärt, warum die AfD noch erfolgreicher werden könnte

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  • Die AfD ist mit 12,6 Prozent der Stimmen in den Bundestag eingezogen
  • Beobachter glauben, dass sich die Partei sich im Parlament zerlegt - nicht so Thilo Sarrazin
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Thilo Sarrazin ist immer noch in der SPD. Ja, das muss gesagt werden, denn das ist durchaus überraschend.

Sarrazin hatte mit seinem Bestseller “Deutschland schafft sich ab” im Jahr 2010 sozusagen den intellektuellen Grundstein für die AfD gelegt. In der Folge wollten ihn nicht wenige bei den Sozialdemokraten aus der Partei schmeißen - aber sie scheiterten.

Der Erfolg des Buches zeigte damals schon, auf welches Wählerpotential eine nationalkonservative Partei zugreifen könnte.

“Die AfD ist gekommen, um zu bleiben”

Nun hat sich Sarrazin in einem ersten Interview über den Erfolg der AfD zu Wort gemeldet. Der “Luzerner Zeitung” wollte der ehemalige Berliner Finanzsenator zwar nicht verraten, wen er gewählt hat. Aber er hatte durchaus Interessantes über die AfD zu sagen.

“Die AfD ist gekommen, um zu bleiben”, glaubt Sarrazin. Der Grund: Der Erfolg, den sie in allen Teilen Deutschlands hatte. In den eher progressiven Großstädten wie Berlin, im konservativen süddeutschen Raum und natürlich in Ostdeutschland. Die AfD könne auf eine breite Wählerbasis bauen, sagt Sarrazin.

“In neuen Parteien tummeln sich Chaoten und Egozentriker. Das ist normal. Auch die Grünen haben solche Phasen durchlebt”, sagt Sarrazin. Dass die radikalen Äußerungen der Partei schaden, glaubt Sarrazin derweil nicht.

”Wählerpotenzial der AfD liegt bei bis zu 30 Prozent”

Der Grund, den Sarrazin dafür nennt, ist durchaus nachvollziehbar: “Viele haben nicht darum AfD gewählt, weil sie das Programm der Partei in allen Belangen gut finden, sondern weil sie mit den Antworten nicht zufrieden sind, die die etablierten Parteien auf drängende Probleme geben.”

Für die These von Sarrazin spricht, dass rund 60 Prozent der AfD-Wähler die Rechtspopulisten nicht aus Überzeugung wählten - also wegen ihres flüchtlingskritischen Programms - sondern aus Enttäuschung über die anderen Parteien.

85 Prozent der Wähler sagten gar, die AfD sei die einzige Partei, mit deren Wahl man Protest ausdrücken könne. Wut verhalf der AfD also zum Erfolg und nicht Überzeugung.

Reagierten die etablierten Parteien nicht auf die Sorgen der Wähler, könnte die AfD sogar noch erfolgreicher werden, glaubt Sarrazin. “Ich gehe davon aus, dass das Wählerpotenzial der AfD, wenn sie keine rechtsradikalen Elemente hätte, bei bis zu 30 Prozent liegt, ähnlich der SVP in der Schweiz, dem Front National in Frankreich oder der norwegischen Fortschrittspartei.”

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