Sein letzter großer Kampf: Wie Seehofer in seine schwierigsten Wochen als CSU-Chef geht

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SEEHOFER
CSU-Chef Horst Seehofer | CHRISTOF STACHE via Getty Images
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  • Horst Seehofer stehen schwere Wochen bevor - es geht um sein politisches Überleben
  • Er muss die CSU auf seine Linie bringen
  • Und dann auch noch Jamaika im Interesse seiner Partei beeinflussen

So hat sich Horst Seehofer seinen Herbst als CSU-Chef und Ministerpräsident nicht vorgestellt.

In der eigenen Partei massiv unter Druck und, schlimmer noch, das eigene politische Erbe mit einer historischen Wahlniederlage beschädigt, seine CSU am Scheideweg.

Doch wer den 67-Jährigen kennt, weiß, dass Aufgeben für ihn keine Alternative ist.

"Ich fühle mich eigentlich pudelwohl, sauwohl, möchte ich fast sagen. Das kommt bei mir immer so: Wenn's etwas spannender wird, steigert sich meine Befindlichkeit noch zum Positiven", so beschrieb er unmittelbar nach der 38,8-Prozent-Pleite bei der Bundestagswahl seine Gemütslage.

"Ich gehe ständig an meine Grenzen"

Tatsächlich ist dies aber nur die halbe Wahrheit, wie er auf Nachfrage einräumt: "Es wäre ja schlimm, wenn das keine Spuren bei einem hinterlässt und einfach abperlt", sagt er - am Ende einer Woche voller Anfeindungen und Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei.

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Seehofer hat in seiner mehr als 45-jährigen Laufbahn viele Schlachten geschlagen. Oft war er es, der seine Gegner in die Ecke trieb und Positionen durchboxte. 28 Jahre im Bundestag, 12 Jahre als Staatssekretär und Bundesminister, seit 9 Jahren als Partei- und Regierungschef. Auch für die CSU eine ungewöhnliche Ämterfülle.

Dafür zahlt er einen hohen Preis: "Ich gehe ständig an die Grenze dessen, was man sich körperlich zumuten kann."

2002 erlitt er eine Herzmuskelentzündung, die ihn fast das Leben kostete. Auch privat bringt Seehofer Opfer: Er habe kaum Zeit für Freunde oder Hobbys, gibt er offen zu. "Das ist sehr, sehr schmerzhaft. Aber man kann nicht Ministerpräsident sein, Parteivorsitzender sein, in Berlin mitregieren, in München regieren, und dann noch ein großes Ausmaß an Freizeit haben."

Fast autokratischer Regierungsstil

Seehofer hat seine Gegner über die Jahre nicht immer sanft behandelt, und bis heute schreckt er auch vor lautstarkem Streit mit seinen eigenen Leuten nicht zurück.

Intern unvergessen ist Seehofers Rüffel für die Landtagsfraktion, als die das Kommunalwahlrecht zugunsten der CSU ändern wollte. Bei der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium hat er die Fraktion ebenso auf seinen Kurs gezwungen wie einst bei der Abschaffung der Studiengebühren.

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Nicht umsonst werfen ihm seine Kritiker einen fast autokratischen Regierungsstil vor. Und dass er ein gnadenloser Populist sei, dass er seinen Kurs ändere wie eine Fahne im Wind - der angeblichen "Koalition mit den Bürgern" zuliebe.

Seinen Habitus konnte sich Seehofer aber nicht nur erlauben, weil er in der CSU die beiden wichtigsten Ämter innehat - sondern auch, weil er seit 2013 mit einer schier unerschöpflichen Autorität ausgestattet war.

Seehofers Einfluss schwindet

Immerhin war er es, der der CSU 2013 nach schweren Jahren wieder zur absoluten Mehrheit im Land verhalf und im Bund für eine lange herbeigesehnte Durchschlagskraft sorgte. Im Grunde konnte Seehofer seither schalten und walten, wie er wollte. Was er sagte, war in der CSU meist Gesetz, auch wenn es hier und da andere Meinungen gab.

Hinzu kam eine bundespolitische Wirkungskraft, wie Seehofer es gerne selbst nennt, wie einst zu Zeiten von Franz Josef Strauß.

Zu spüren bekam dies immer wieder auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), vor allem im Streit über die Flüchtlingspolitik. Unvergessen ist der CSU-Parteitag 2015, als er versuchte, Merkel wie ein Schulmädchen aussehen zu lassen. Durchgesetzt hat er sich gegen sie freilich nicht, mit seiner Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge.

Seehofers Machtarchitektur ist nun mit der Bundestagswahl stark ins Wanken gekommen. Seine vielen Kritiker vor allem aus der Landtags-CSU wittern Morgenluft. Für sie ist die Ära Seehofer vorbei, ist es Zeit für einen Generationenwechsel.

Seehofers Einfluss schwindet

Das war einst auch Seehofers Plan: 2015 kündigte er an, bis zur Landtagswahl 2018 einen geordneten Übergang der Macht organisieren zu wollen. Im April dieses Jahres kam dann der Rücktritt vom Rücktritt.

Über die Gründe wird viel spekuliert, am Ende dürfte es eine Mischung aus mehreren Faktoren sein: ein aus Seehofers Sicht ungeeigneter Bewerber um die Nachfolge namens Markus Söder, eigenes Machtinteresse, Sorge um die Partei.

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So kommt es, dass Seehofer nun am Ende seiner langen Karriere ein Meisterstück gelingen muss, will er seinen lange sicher geglaubten Platz in der CSU-Ruhmeshalle erhalten: Obwohl er parteiintern angezählt ist, muss er für die CSU bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin das Maximum herausholen: vor allem die umstrittene Obergrenze für Flüchtlinge.

Und dies nicht etwa nur mit Merkel und der CDU, sondern wohl in einer nie da gewesenen Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen.

Keinen Bammel vor den nächsten Wochen

Und als reiche dies nicht aus, kommt im anstehenden Kampf um die Verteidigung der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl auch noch die Auseinandersetzung mit einer Partei hinzu, die Seehofer schon bei der Bundestagswahl viele Wähler abgeluchst hat: die AfD.

Seehofer übt sich trotzdem in demonstrativer Gelassenheit: "Ich bin ein freier Mensch und als solcher agiere ich auch. Ohne Ängste oder Alpträume." Er wisse, dass ihn so etwas wie die Quadratur des Kreises erwarte.

Dennoch beteuert er: "Ich habe keinen Bammel vor den nächsten Wochen."

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