Die Handkuss-Geschichte: Was die Begegnung zwischen Kubicki und Göring-Eckardt aussagt

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KUBICKI
Die Handkuss-Geschichte: Was die Begegnung zwischen Kubicki und Göring-Eckardt aussagt | Joachim Herrmann / Reuters
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  • Soll es eine Jamaika-Koalition geben, müssen sich die Parteien einigen
  • Dobrindt von der CSU setzt auf scharfe Töne
  • Kubicki von der FDP auf einen Handkuss

CDU, CSU, FDP und Grüne müssen sich in den nächsten Wochen irgendwie zusammenraufen, wenn es eine Jamaika-Koalition geben soll. Und keine Neuwahlen.

Mancher Politiker – insbesondere CSU-Bundestagsfraktionschef Alexander Dobrindt – ist da momentan eher beim Raufen als beim Zusammenfinden. Er will die Grünen ja am liebsten gar nicht haben in der Koalition. "Jetzt ist uns der Tofu in die Fleischsuppe gefallen", stichelte er in der "Bild am Sonntag".

Schon klar, die CSU steht unter Druck, zuhause in Bayern. Nächstes Jahr ist Landtagswahl, und noch so eine Blamage wie vor einer Woche will sich die CSU nicht leisten.

Trotzdem gäbe es einen guten Grund, vor den Gesprächen den anderen nicht gar so fest mit dem Haferlschuh auf die Pumps zu treten. Parteifunktionäre sind auch nur Menschen. Und mit einem, den man schätzt, redet sich's leichter.

Handkuss für Göring-Eckardt, nicht für Özdemir

Die FDP und die Grünen jedenfalls haben Personal, das zumindest miteinander scherzen kann.

Am Montag traf FDP-Vize Wolfgang Kubicki vor dem Haus der Bundespressekonferenz zufällig auf die Grünen-Doppelspitze Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir. Kubicki begrüßte Göring-Eckardt mit Handkuss.

Göring Eckardt zeigte zwar keine besondere Begeisterung über diese Geste. Aber Özdemir fragte: "Und meine Hand küsste auch?" "Ne", sagte Kubicki. " Ich bin zwar für die Ehe für alle, aber soweit geht's nicht." Und alle hatten was zum Schmunzeln.

Witzeln übers Gender-Thema der Grünen

Im Interview mit der "Bild"-Zeitung sagte Kubicki dann am Freitag, dass man mit den Grünen in Deutschland ganz gut scherzen könne. So habe man auch überlegt, ob man Jamaikas Hauptstadt Kingston nicht Queenstown nennen müsste, der Gender-Gerechtigkeit wegen.

Die Sache mit dem Handkuss aber will Kubicki nicht übertreiben. Denn bei den Grünen hielten viele Frauen die Geste, die er als nett und als Ehrbezeugung betrachte, für Diskriminierung. "Ich find das ein bisschen albern, aber ich habe mich dran gewöhnt, Grünen-Frauen in aller Regel keinen Handkuss mehr zu geben, um mir die Peinlichkeit zu ersparen, zurechtgewiesen zu werden.“

Ob er zu diesem Schluss vor oder nach dem Göring-Eckardt-Handkuss kam, sagte er nicht.

Händeschütteln würde reichen

Man muss jetzt ewig herumorakeln um den Handkuss – aber die Szene zeigt, wie unterschiedlich die Parteien ticken – und wie Humor und Lockerheit helfen können, die Gräben zu überbrücken.

Vielleicht lernt das ja auch die CSU. Es muss ja nicht gleich um den Handkuss gehen. Ein anständiges Händeschütteln am Ende der Verhandlungen, das wär doch auch schon was.

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