"Hexenjagd": Das sagt Frauke Petry über ihre letzten Monate in der AfD

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  • Frauke Petry hat ihren Austritt aus der AfD erklärt
  • In einem Interview mit der “Welt am Sonntag” spricht sie über die Hintergründe
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Seit dem fulminanten Einzug der AfD in den Bundestag spielt Frauke Petry die Rolle eines Poltergeistes. Die Co-Bundessprecherin der Partei tritt alle paar Tage auf, um in der Partei Unruhe und Chaos zu stiften.

Zuerst erklärte sie ihren Austritt aus der AfD-Fraktion. Dann ihren Austritt aus der Partei. Dann drohte sie mit der Gründung einer neuen Partei, die der AfD Konkurrenz machen soll.

Ihr Antrieb: Wut, Enttäuschung - vielleicht gekränkte Eitelkeit, dass sie jetzt das Schicksal des AfD-Gründers Bernd Lucke teilt.

Und seit ein paar Tagen lässt Petry keine Gelegenheit aus, ihre ehemalige Partei in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen - wie jetzt in einem Interview mit der “Welt am Sonntag” ("WamS").

Das sind die wichtigsten Aussagen aus dem Interview:

“Ich möchte nicht länger sozial geächtet werden wegen Positionen, die nicht meine sind.”

Petry beschwert sich im Interview darüber, dass die Rechtsaußen in der AfD - namentlich Björn Höcke und Alexander Gauland - Aussagen über die deutsche Geschichte machen, die nicht mit dem AfD-Parteiprogramm vereinbar sind.

Sie spielt damit auf die Aussage von Gauland an, dass die Deutschen durchaus auf die Leistung deutscher Soldaten im 2. Weltkrieg stolz sein dürften.

Höcke wiederum hatte das Holocaust Mahnmal in Berlin als “Denkmal der Schande bezeichnet” und damit die deutsche Erinnerungskultur in Frage gestellt.

Petry sagt dazu im Interview mit der "WamS": "Wenn Alexander Gauland oder Björn Höcke permanent am Parteiprogramm vorbei geschichtspolitische Aussagen machen, die ich mittragen soll, obwohl ich sie überhaupt nicht teile, und die das Programm überdecken – dann kann ich da nicht mittun. Ich möchte nicht länger sozial geächtet werden wegen Positionen, die nicht meine sind."

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

”Petry-Anhänger werden regelrecht verfolgt”

Petry beschwert sich auch darüber, dass gemäßigte Mitglieder der AfD einer "Hexenjagd" ausgesetzt sind.

Tatsächlich berichteten in den vergangenen Monaten gemäßigte AfD-Mitglieder immer wieder von Anfeindungen durch den radikalen Flügel der Partei. Auch Mitglieder die aus der Partei, bekamen teilweise Morddrohungen.

Radikale Aussagen wurden in der Partei mehr gefeiert als geächtet. Das zeigt auch die Veränderung in der Mitgliederstruktur: Entweder die bürgerlichen Kräfte kehren der Partei den Rücken - oder sie radikalisieren sich wie Alexander Gauland und Alice Weidel.

Petry im "WamS"-Interview: “Wer als Petry-Anhänger gilt, wird wie ein Verräter behandelt und in den sozialen Netzwerken regelrecht verfolgt. Das ist eine Hexenjagd.”

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”Ich wollte mich im Wahlkampf nicht mit einem Parteiaustritt belasten”

Petry erklärt im Interview auch, warum sie nicht schon viel früher aus der Partei ausgetreten ist. Das ist vor allem im Hinblick auf ihren Wahlkreis in Sachsen wichtig, in dem sie ein Direktmandat gewann.

Viele Wähler dort sind enttäuscht, dass Petry nicht mehr in der AfD ist - sie ihre Stimme also nicht der Partei, sondern der Person gaben.

Petry dazu: “Dass ich da nicht ausgetreten bin, lag vor allem daran, dass ich hochschwanger war. Da wollte ich mich nicht mit einem Parteiaustritt belasten, und die Babypause wollte ich zum Nachdenken nutzen.”

Ist das glaubwürdig? Fakt ist: Ohne den Wahlkampf, in dem Petry über die sächsischen Dörfer tingelte, wäre ihre Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt sicherlich entspannter verlaufen.

Wahrscheinlicher ist eher, dass Petry abwarten wollte. Im Falle eines schlechten AfD-Wahlergebnisses hätte sie sich ihre Autorität zurückerkämpfen können. Aber es kam bekanntlich anders.

”In der AfD wird sehr gründlich entsorgt”

Und Petry erklärt auch, warum sie den Kampf um die Partei nicht gegen die AfD-Spitzenkandidaten Gauland und Alice Weidel aufgenommen hat.

“Man hätte, wenn ich dabeigeblieben wäre, nicht aufgehört, mich zu demontieren”, glaubt Petry.

Und weiter: “Die AfD gibt sich anders als andere Parteien nicht damit zufrieden, Leute auf bestimmten Posten zu verhindern und dann anderswo zu parken. Nein, in der AfD wird sehr gründlich entsorgt.”

Dem wollte Petry zuvorkommen und bestätigt in der “Welt” auch noch einmal, dass sie eine neue Partei oder eine Bewegung gründen will. Zeitpunkt und Name behält Petry allerdings für sich.

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