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30/09/2017 21:17 CEST | Aktualisiert 01/10/2017 07:31 CEST

Auf Puerto Rico kämpfen US-Bürger um ihr Überleben - und Donald Trump beleidigt sie dafür

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Auf Puerto Rico kämpfen US-Bürger um ihr Überleben - und Trump nutzt das Leiden für politische Zwecke aus

  • Die Insel Puerto Rico wurde vom Wirbelsturm "Maria" komplett verwüstet

  • Der Inselstaat gehört zum Territorium der USA - es sind also US-Bürger, die auf Puerto Rico nun um ihr Überleben kämpfen

  • Dass daran erinnert werden muss, liegt an Donald Trump - und seinem zweifelhaftem Umgang mit der Katastrophe

Wenn das über 10.000 Kilometer weit entfernte Nordkorea mit Atomtests provoziert, dann droht Donald Trump mit der kompletten Zerstörung des Landes.

Wenn das knapp 1.000 Kilometer vom US-Festland entfernte Puerto Rico durch einen Wirbelsturm komplett zerstört wird, dann begründet Trump seine mangelhaften Rettungsbemühungen damit, dass der Ozean zu groß sei.

Während die Menschen in Puerto Rico verzweifelt nach Wasser und Nahrung suchten, spielte Trump also lieber Golf, statt in der Krise als Präsident voranzuschreiten.

Damit ist über die Prioritäten des US-Präsidenten eigentlich alles gesagt.

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht stets noch tiefer sinken könnte. Und so meldete sich der US-Präsident am Samstag auf Twitter, um die Puerto Ricaner in ihrer Zeit des Leidens auch noch zu beleidigen.

Trump: "Sie wollen, dass man alles für sie macht"

Trump begann mit einer Attacke auf die Bürgermeisterin von Puerto Ricos Hauptstadt, San Juan. Carmen Yulín Cruz hatte vor wenigen Tagen in einem Interview die mangelnde Hilfe der US-Regierung bemängelt und auf die lebensgefährliche Lage ihrer Bürger hingewiesen.

Das passt Trump wohl nicht. Und so warf er Cruz auf Twitter vor, sie sei von den Demokraten angestiftet worden, "fies zu Trump zu sein". Die Bürgermeisterin und andere Beamte in Puerto Rico würden in der Krise schlechte Führungsqualitäten zeigen.

trump

Doch damit nicht genug: Auch auf seine Not leidenden Bürger auf der zerstörten Insel drosch Trump ein. Die Rettungskräfte vor Ort würden einen fantastischen Job machen, schrieb er - und das obwohl es keinen Strom, keine Straßen und keine Telefonleitungen gebe.

Über die um ihr Überleben kämpfenden Bürger auf Puerto Rico sagte Trump jedoch abfällig: "Sie wollen, dass man alles für sie macht."

In einigen nachfolgenden Tweets feuerte der US-Präsident dann noch gegen die liberalen "Fake News", die mit den Demokraten unter einer Decke stecken und die Arbeit der Rettungskräfte madig schreiben würden.

Trump schlägt ein Sturm der Entrüstung entgegen

Die Reaktionen auf Trumps unsägliche Aussagen ließen nicht lange auf sich warten. Besonders auf Twitter zog ein Sturm der Entrüstung über den US-Präsidenten her.

Der Star des erfolgreichen Broadway-Musicals "Hamilton", Lin-Manuel Miranda, dessen Vorfahren aus Puerto Rico stammen, nahm auf Twitter San Juans Bürgermeistern Cruz in Schutz. "Sie hat Tag ein Tag aus gearbeitet", schrieb er.

Und attackierte Trump aufs Schärfste: "Du warst Golfen. Du wirst direkt zur Hölle fahren. Mit dem schnellsten Golfmobil, dass du je gefahren hast."

Der "GQ"-Journalist Keith Olbermann wurde noch deutlicher. Wie viele weitere Twitter-Nutzer spielte er darauf an, dass Trump Puerto Rico attackiere, weil seine Bürger dort lateinamerikanische Wurzeln hätten: "Trump wollte keine Nazis verdammen. Jetzt verdammt er die Opfer in Puerto Rico. Er ist ein rassistischer Psychopath."

Viele Twitter-Nutzer ließen auch Bilder sprechen. Sie teilten ein Foto von Carmen Yulín Cruz, die darauf in San Juan durch hüfttiefes Wasser watet, mit einem Megafon ausgerüstet. Eine Nutzerin stellte daneben ein Bild von Trump beim Golfen: "Quizfrage: Welcher Amerikaner hat heute mehr getan, um den Menschen von Puerto Rico zu helfen?"

Trump schlägt ein Sturm der Entrüstung entgegen

Mindestens 19 Menschen sind wegen der Verwüstung durch den Wirbelsturm Maria auf Puerto Rico gestorben. Es wird befürchtet, dass noch viele weitere Opfer des Sturms entdeckt werden. Zehntausende Menschen müssen zudem Hunger und Durst fürchten.

Noch am Samstag hatte Donald Trump gesagt, der Verlust dieser Leben sei schrecklich - aber davon abgesehen seien die Resultate in Puerto Rico unglaublich.

Einen Tag später setzte er zu seiner Attacke auf seine eigenen Staatsbürger auf der zerstörten Insel an - und auf San Juans Bürgermeisterin Cruz.

Anders als Trump hatte die ihren Sinn für Anstand und das wahre Ausmaß der Katastrophe von Puerto Rico nicht verloren. Auf Twitter schrieb sie in Reaktion auf Trumps Aussagen: "Es gibt nur ein Ziel: Leben zu retten."

Und fügte als Botschaft an ihren Präsidenten hinzu: "Dies ist die Zeit, in der wir unser 'wahres Wesen' zeigen. Wir dürfen uns nicht ablenken lassen."

Für Donald Trump scheint das ein Ding der Unmöglichkeit. Im Angesicht des drohenden Todes seiner eigenen Mitbürger entschied er sich dazu, diese auch noch zu attackieren und zu beleidigen.

Und damit ist über den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten eigentlich alles gesagt.

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