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29/09/2017 18:18 CEST | Aktualisiert 29/09/2017 18:27 CEST

Berliner klagt an: Als ich in München einen Joint rauchte, rückte die Polizei mit 7 Beamten an

  • Tobias Gill raucht regelmäßig Cannabis, da er nach einer Wirbelsäulenoperation unter großen Schmerzen leidet

  • Obwohl er kein Rezept besitzt, hatte er damit in seiner Heimatstadt Berlin noch keine größeren Probleme

  • In München kam es nun allerdings zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Polizei, die er so nicht erwartet hätte

  • Gills Schilderungen dazu seht ihr oben im Video

Tobias Gill ist 35 Jahre alt und Unternehmensberater in Berlin. Nachdem Gill vor einem Jahr an der Wirbelsäule operiert wurde, hatte ihm ein Arzt Cannabis empfohlen. Teile seines linken Beines waren gelähmt und immer wiederkehrende Phantomschmerzen machten dem Unternehmensberater das Leben schwer.

Schmerzmittel und Opiate konnten seinen Zustand kaum verbessern. Also griff Gill zu dem ärztlich empfohlenen Cannabis.

Rezeptpflichtiges Cannabis ist in Deutschland aber sowohl teuer, als auch schwer zu bekommen. Zudem ist es mit regelmäßigen psychischen Kontrollen verbunden und laut Gill kann es in Apotheken zu langwierigen Wartezeiten kommen. Deshalb hätte ihm sein damaliger Arzt auch empfohlen, das Cannabis illegal zu beschaffen.

Bisher noch keine größeren Probleme

Auch als er dieses Jahr im Sommer geschäftlich nach München reiste, hatte Gill Cannabis dabei. Er und sein Freund saßen damals vor einem Café und rauchten einen Joint. Plötzlich kam ein Polizist vorbei, der den Geruch des Cannabis wahrgenommen hatte. Er stellte Gill zur Rede und verhaftete ihn.

Wie Gill der HuffPost erzählt, sei er auch in seiner Heimat Berlin schon oft kontrolliert worden. Er hätte zwar kein Rezept, aber Schilderungen bezüglich seiner Krankheit würden normalerweise reichen, damit er schnell wieder auf freien Fuß komme.

Außerdem habe er immer nur das absolute Minimum an Cannabis dabei, das er zur Schmerzbekämpfung brauche - also ungefähr zwei Gramm.

Stundenlang festgehalten

In München brachten Gill seine Erklärungen allerdings nichts: Nachdem er kein Rezept vorzeigen konnte, wurde er vier Stunden lang festgehalten. Der Polizist, der ihn als erstes angesprochen hatte, war in zivil unterwegs und holte sofort Verstärkung.

Gill schilderte, dass sieben Beamte in drei Streifenwägen angerückt seien. Der Polizist, der die Festnahme initiierte, war für Gill kein Unbekannter. Im Interview mit der HuffPost äußert er den Verdacht, dass ihm der Beamte, den er aus vergangen Zeiten kennt, aufgrund persönlicher Spannungen etwas antun wollte.

Es war auch dieser Beamte, der ihn angeblich massiv einschüchterte, ihn in den Stuhl gedrückt und seinen Stiefel zwischen Gills Beine gehalten haben soll. Seinen Schilderungen zufolge durfte Gill sich stundenlang nicht bewegen, auch nicht die Toilette aufsuchen.

Auf seine Bitte, einen Arzt und einen Anwalt sehen zu dürfen, wurde ihm nur gesagt, er solle froh sein, dass man ihn nicht wegsperre.

Schlussendlich ließ man Gill dann doch gehen.

120 Tage Gefängnis

Allerdings bekam Gill kurz darauf Post von der Münchner Staatsanwaltschaft: Als Strafe für das Mitführen von Cannabis könne er entweder 120 Tage ins Gefängnis oder eine Geldstrafe von 9600 Euro zahlen. Beides Alternativen, die für den Unternehmensberater undenkbar sind.

Vier Monate Gefängnis wären für den Berliner deswegen fatal, weil seine Mutter nach mehreren Schlaganfällen komplett auf ihn angewiesen ist. Die Dame fällt unter die höchste Pflegestufe 5, Gill und seine Schwester pflegen sie seit zwei Jahren komplett allein. Würde er ins Gefängnis gehen, wäre das für sein komplettes soziales Umfeld eine Strafe, nicht nur für ihn.

Auch die hohe Geldstrafe kann der Unternehmensberater nicht bezahlen.

Er hofft nun auf ein Gnadengesuch

Gills Hoffnung: Ein Gnadengesuch vom Freistaat Bayern - aufgrund der besonderen Umstände. Zu seiner Verteidigung hat er sich nun auch ein Rezept ausstellen lassen.

Gill betont im Gespräch mit der HuffPost immer wieder, sich definitiv seiner juristischen Schuld bewusst zu sein. Die Härte der Strafe und die brutale Vorgehensweise der Münchner Beamten kann er allerdings nicht nachvollziehen.

Die HuffPost hat die Münchner Polizei um ein Statement gebeten, bislang aber keine Antwort erhalten.

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(jg)

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