POLITIK
28/09/2017 20:01 CEST | Aktualisiert 28/09/2017 22:32 CEST

SPD-Urgesteine teilen gegen die Partei aus - und befeuern so den schwelenden Konflikt bei den Genossen

Screenshot/ARD
SPD-Urgesteine teilen gegen die Partei aus - und befeuern so den schwelenden Konflikt bei den Genossen

  • Was wäre ein Neuanfang nach 20,5 Prozent ohne mehr oder weniger wohlmeinende Ratschläge prominenter Ex-Genossen?

  • Der vom Wähler abgestraften SPD stehen noch unruhige Zeiten bevor

  • Denn die aktiven Parteigenossen wollen die Attacken nicht unkommentiert stehen lassen

Öffentliche Ratschläge von Altvorderen und Parteirentnern sind in der angeschlagenen SPD gerade so willkommen wie ein Überraschungsbesuch der buckligen Verwandtschaft.

Gerhard Schröder (73), Franz Müntefering (77), Klaus von Dohnanyi (89). Große, verdienstvolle Namen aus glanzvolleren sozialdemokratischen Zeiten. Wenige Tage nach der historischen Wahlpleite mäkeln sie nun an der Neuaufstellung der Partei herum und verstärken damit die mühsam unter der Decke gehaltene Unruhe.

Doch die scheint nun zu Ende.

"Alte Männer mit Profilneurose"

Denn der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs kann die Beschwerden der ehemaligen Parteigrößen nicht mehr hören. "Wie viele andere Parteien haben auch wir ein Problem mit alten Männern, die eine leichte Profilneurose haben", erklärte Kahrs der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Vor allem von Dohnanyis Äußerung, SPD-Chef Martin Schulz solle zurücktreten, könne man nicht ernst nehmen.

"Wenn man Rentner ist, dann ist man Rentner. Und dann ist es nicht die Aufgabe, der SPD maximal zu schaden", sagt der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises.

Die Superhelden der SPD

Auch der Dortmunder SPD-Abgeordnete Marco Bülow schoss gegen von Dohnanyis, Schröder und Co. Er twitterte: Der Politikstil "dieser ganzen 'Superhelden" habe "uns doch genau da unten hin gebracht".

Zuvor hatte Altkanzler und Russland-Lobbyist Schröder gegrummelt, es sei nicht gerade vernünftig gewesen, am Wahlabend um 18.01 Uhr die große Koalition sofort zum No-Go zu erklären.

Und Müntefering meckerte, Partei- und Fraktionsvorsitz müssten in der Opposition in einer Hand liegen - und zwar in der von Martin Schulz. Tun sie aber nicht.

Andrea Nahles, die einst Müntefering in den Rücktritt trieb, hat sich die Fraktion gesichert. Dem geschwächten Schulz bleibt der Parteivorsitz. Wie lange das so ist, wird sich zeigen.

Die Stunde der Zaungäste

Der Dritte im Bunde der prominenten Zaungäste ist Hamburgs früherer Bürgermeister und Ex-Bundesminister Dohnanyi - ein enger Freund der Kanzlerin.

Er hat Schulz längst abgeschrieben. Der habe keine Ahnung und werde die Probleme nicht lösen können. "Er kann das nicht, er sollte zurücktreten und den Platz für jüngere Leute frei machen", tönte er am Mittwochabend in der Talkshow von Sandra Maischberger.

Genau das werde nicht passieren, versichert die Führungsmannschaft seit Sonntagabend unisono. Auch Nahles betont am Dienstag nach ihrer Kür mit starken 90 Prozent, sie werde im "Teamplay" mit Schulz die SPD aufbauen.

Die 47-jährige pragmatische und machtbewusste Parteilinke aber wird Gesicht und markante Stimme der neuen SPD im Bundestag sein.

Schulz wiederum hat nach über 20 Jahren in Brüssel formal keine Truppen in der Partei. So düpierte ihn gerade der Seeheimer Kreis, ließ seinen Kandidaten für den Posten des Fraktionsmanagers, Hubertus Heil, durchfallen. Dabei zählt Schulz selbst zu den Seeheimern.

Man muss das alles nicht überbewerten. Bei einem Ergebnis von 20,5 Prozent wäre es seltsam, wenn es in der SPD nicht ruckeln würde.

Doch es scheint, als würde der ganze Laden im Moment wackeln.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png

Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Sponsored by Trentino