Merkels mögliches Schattenkabinett: Diese Namen sind für die mächtigsten Ministerposten im Rennen

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Merkels mögliches Schattenkabinett: Diese Namen sind für die mächtigsten Ministerposten im Rennen | Kai Pfaffenbach / Reuters
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  • Die neue Regierung ist noch in weiter Ferne
  • Doch die Parteien haben bereits jetzt etliche Namen für die verschiedenen Ministerposten in den Ring geworfen
  • Wie könnte also Merkels neues Kabinett aussehen?

Schon vor der ersten Bundestagssitzung spielen die Parteien durch, wer als Minister im nächsten Kabinett Merkel sitzen könnte. Aber wie könnte es aussehen?

Bislang lassen sich diese Dinge sagen, wenn eine Jamaika-Koalition tatsächlich zustande kommt.

Alle SPD-Ministerposten werden frei: Außen-, Wirtschafts-, Justiz-, Arbeits-, Familien- und Umweltministerium.

Frei wird aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso das Verkehrsministerium, weil Alexander Dobrindt die bayrische Landesgruppen führen wird.

Höchstwahrscheinlich wird auch das Finanzministerium frei, weil Wolfgang Schäuble als Bundestagspräsident im Rennen ist. Außerdem gilt Merkels Ansage vor der Wahl, die Hälfte aller Ministerposten mit Frauen besetzen zu wollen.

Daraus ergeben sich einige Kandidaten, die in diesen Tagen heiß für Ministerposten gehandelt werden. Darunter sind viele Spekulationen, Gerüchte und Hörensagen.

Christian Lindner (FDP)

Der FDP-Chef hat vor der Wahl durchblicken lassen, dass er sich das Finanzministerium gut vorstellen kann. Das Ministerium dürfte in den kommenden vier Jahren eine entscheidende Rolle zukommen.

Bei einer möglichen Reform des Euro-Raums hätte der Minister entscheidendes Mitspracherecht, das sich die FDP nicht entgehen lassen will. Es fällt noch ein anderer Name in diesem Zusammenhang:

Werner Hoyer (FDP)

Der Mann ist regierungserfahren und ist Präsident der europäischen Investitionsbank - hat also Expertise vorzuweisen. Nachteil: Hoyer ist in der Bevölkerung kaum bekannt.

Joachim Herrmann (CSU)

Eine Personalie mit großem Fragezeichen. Bis zum Wahlabend galt der Spitzenkandidat der CSU als Innenminister gesetzt. Weil die CSU allerdings alle Direktmandate im Freistaat gewann, zugleich aber bei den Zweitstimmen zu schwach abschnitt, konnte Hermann nicht über die Liste in den Bundestag einziehen.

Darum ist es nicht unwahrscheinlich, dass er in Bayern bleibt. Zumal er nach dem desaströsen Ergebnis als geschwächt gilt. Wer könnte ihn ersetzen, falls Herrmann nicht kommt?

Peter Altmaier (CDU)

Der Kanzleramtsminister gilt als einer der engsten Vertrauten von Merkel. Dass Altmaier auch Innenpolitik kann, hat er in der Flüchtlingskrise gezeigt.

Ihm hat Merkel das Thema anvertraut, das er seither geräuschlos managt. Weil im Innenministerium ähnlich große Herausforderungen warten, fällt immer wieder sein Name, wenn es um den künftigen Innenminister geht. Die Frage ist dann: Was wird aus dem Amtsinhaber?

Thomas de Maiziere (CDU)

Merkel vertraut de Maiziere, obwohl er als Innenminister einige glücklose Momente hatte. Er sorgte für Verwirrung beim Familiennachzug, Kritiker nannten ihn den "Verunsicherungsminister".

Gut möglich, dass er ins Kanzleramt zurückkehrt, dass er mit seiner Loyalität voll ausfüllen kann. SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel hingegen hat eine andere Theorie: Er sieht den Innenminister im Finanzministerium.

Ursula von der Leyen (CDU)

Was wird aus der Verteidigungsministerin? In der Truppe verlor sie in den vergangene Monaten stark an Vertrauen, weil sie die Führungsqualitäten infrage stellte.

Doch Merkel-Vertraute kommentierten gegenüber dem "Focus": "Seit wann sucht die Truppe den Minister aus?"

Cem Özdemir (Die Grünen)

Dass der Mann Lust auf Außenpolitik hat, machte er in der vergangenen Legislatur im Türkei-Streit immer wieder deutlich. Es ist auch gar nicht so unwahrscheinlich, dass der Posten an die Grünen geht.

Höchster Diplomat wird grundsätzlich der kleinere Koalitionspartner. FDP-Chef Christian Lindner hatte ihn kategorisch für sich ausgeschlossen, Grünen-Chef Özdemir wäre als nächster am Zug. Nach Joschka Fischer der zweite Grüne in diesem Amt.

Kathrin Göring-Eckardt (Die Grünen)

Sie gilt als heiße Kandidatin für das Umweltministerium. Andere sehen sie allerdings auch im Familienministerium. Es wäre jedenfalls eine Überraschung, wenn die Grünen-Spitzenkandidatin kein Ministeramt übernimmt.

Katja Suding (FDP)

Auch die FDP-Vize kann auf einen Ministerposten hoffen. Schwer zu sagen allerdings, auf welchen. In Berlin sehen sie einige im Bildungsministerium, andere im Familienministerium. Beides würde Suding durchaus stehen - die FDP warb im Wahlkampf mit der "weltbesten Bildung".

Nicola Beer (FDP)

Auch FDP-Generalsekretärin Nicola Beer kann sich Chancen auf ein Ministerium ausrechnen. Sie gilt ebenfalls als Kandidatin für das Bildungsministerium. Die bildungspolitische Programmatik der Partei hat Beer wesentlich mitgeprägt. Hier müsste sie im Zweifel mit Suding konkurrieren.

Alexander Graf Lambsdorff (FDP)

Einer von Lindners Top-Männern. Der FDP-Chef stimmte sich in außenpolitischen Fragen oft eng mit Lambsdorff ab. Dieser kommt deswegen auch als Außenminister in Frage. Andere wiederum sagen, dass er dafür zu unerfahren auf der Berliner Bühne ist - und sehen ihn eher im Entwicklungsministerium.

Herrmann Gröhe (CDU)

Der Gesundheitsminister ist einer der engsten Vertrauten der Kanzlerin und kann sich alle Chancen ausrechen, seinen Posten zu behalten. Einerseits ist das Amt unpopulär, andererseits weil auf ihm die unerfüllbaren Erwartungen einer grundlegenden Gesundheitsreform lasten - Gröhe hat sein Ministerium bislang ohne große Skandale geführt.

Julia Klöckner (CDU)

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin gilt parteiintern als Favoritin für das Amt als Familienministerin. Es wäre für Klöckner ein politischer Neustart in Berlin, nachdem sie beim Versuch scheiterte, in ihrer Heimat den Posten als Ministerpräsidentin zu erobern. Dort könnte sie der CDU-Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz, Patrick Schnieder, ablösen.

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(mf)

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