Schulwechsel: Vater will nicht, dass seine Tochter von einer Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet wird

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Schulwechsel: Vater will nicht, dass seine Tochter von einer Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet wird (Symbolbild) | Zurijeta via Getty Images
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  • Ein Vater stört sich am Kopftuch der Lehrerin seiner Tochter
  • Das Kind hat deswegen die Grundschule gewechselt

Der Streit um das Kopftuch hat ein neues Kapitel in Deutschland: In Tuttlingen in Baden-Württemberg hat ein Vater seine sieben Jahre alte Tochter auf eine andere Schule geschickt, damit sie nicht von einer Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet wird. Die Behörden haben den Wechsel erlaubt.

Der Vater, so berichtet es die "Schwäbische Zeitung", ist mit einer türkischstämmigen Frau verheiratet und wehrt sich gegen eine "Verletzung der Grundrechte". In der Schule würden die Kinder durch "derartige Darstellungen zwangsgeprägt". Die Familie erziehe ihre Tochter nach "westlichen Werten", konkret nach "Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit, Individualismus sowie Toleranz“.

Was das Bundesverfassungsgericht zum Kopftuch sagt

Die Grundschule können Eltern in Baden-Württemberg nicht frei wählen, aber die Behörden haben in diesem Fall einem Schulwechsel zugestimmt.

Das Bundesverfassungsgericht hatte 2015 allerdings entschieden, dass religiöse Bekundungen von Lehrern nur dann verboten werden können, wenn davon eine konkrete Gefahr für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität ausgeht.

Heißt also erst mal: Grundsätzlich ist das Kopftuch erlaubt. Dass die Grundrechte der Zweitklässlerin verletzt werden, wie der Vater sagt, ist also höchst unwahrscheinlich.

Schulleiterin: "Wollten die Not des Vaters lindern"

Warum die Behörden trotz dieser Rechtslage dem Wunsch des Vaters nachgegeben haben, ist nicht zu erfahren. Auf Anfrage der HuffPost heißt es beim Schulamt in Konstanz, alle Zuständigen seien im Urlaub.

Eine Sprecherin des Kultusministeriums verwies auf das Urteil von 2015 und erklärte, man habe zunächst versucht die Siebenjährige in einer Parallelklasse unterzubringen. Allerdings habe es in dieser keinen freien Platz mehr gegeben.

Die Leiterin der Schrotenschule, Ute Scharre-Grüninger, sagt der HuffPost, man habe "alle möglichen Maßnahmen durchgesprochen und uns am Ende gemeinsam für den Schulwechsel entschieden". Man habe damit vor allem "die Not des Vaters" lindern wollen. "Das war keine Zwangsmaßnahme."

"Ich bedaure, dass wir keine andere Lösung finden konnten"

Sie betont, dass an ihrer Schule viele Schüler Migrationshintergrund hätten. Die Lehrer gingen mit den Kindern in Kirchen und Moscheen, um verschiedene Konfessionen kennenzulernen und Respekt vor der Meinung anderer Menschen zu lernen.

Gegenüber der "Schwäbischen Zeitung" wies Scharre-Grüninger außerdem Vorwürfe zurück, die Lehrerin habe Schüler im Unterricht auf Türkisch angesprochen. Sie habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Deutsch gesprochen werden solle.

Die betroffene Lehrerin selbst will laut ihrer Rektorin nichts sagen. Auch Kontakt zum Vater will die Schule nicht vermitteln. Die Sache soll nicht noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit erfahren.

"In diesem speziellen Fall war es unsere Pflicht", sagt Scharre-Grüninger der HuffPost, "den Willen der Eltern zu respektieren. Wenn ein Erziehungsberechtigter glaubt, dass es für das Kind besser ist, keine Lehrerin mit Kopftuch zu haben, dann tut mir das leid. Ich bedaure, dass wir keine andere Lösung finden konnten."

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

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