Dieses skandalöse Titelblatt zeigt, was dem Nahen Osten nach der Unabhängigkeit Kurdistans droht

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  • Eine irakische Zeitung hat eine geschmacklose Gewaltfantasie gegen Kurden gedruckt
  • Nach dem Unabhängigkeitsvotum von Kurdistan droht ein militärischer Konflikt

Für die Kurden im Norden des Iraks sollten es Tage des Jubels werden. Am Montag entschied sich die überwältigende Mehrheit der kurdischen Bevölkerung im Autonomiegebiet bei einem Referendum für die Unabhängigkeit Kurdistans.

Doch der Jubel weicht zunehmender Sorge vor einer Eskalation der Gewalt. Das Votum, für das viele Kurden jahrzehntelang gekämpft hatten, sorgte für drastische Reaktionen der kurdischen Nachbarstaaten. Die irakische Regierung in Bagdad beschloss, Soldaten in das von den Peschmerga kontrollierte Kirkuk zu entsenden.

Auch die Türkei drohte offen mit einem Einmarsch in kurdisches Gebiet.

Mehr zum Thema: Bericht aus Kirkuk – Was gerade im Norden des Iraks passiert, könnte den Nahen Osten für immer verändern

Wie groß die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung ist, machte nun auch eine irakische Tageszeitung deutlich – mit einem Titelblatt, das widerlicher kaum sein könnte.

Die Zeitung "Al-Nahar", die in Bagdad erscheint, druckte ein Bild, das offenbar aus einem Pornofilm stammt, auf die Titelseite. Fünf Männer stehen darauf hinter einer blonden Frau, die auf einem Sofa sitzt.

"Bestrafung für das Referendum"

Die Macher der Zeitung haben die Worte "Irak, Iran, Jordanien, Türkei und Syrien“ auf die T-Shirts der Männer montiert, die Frau soll Kurdistan symbolisieren. Die Zeitung schreibt von einer "Bestrafung für das Referendum“.

Die Szene impliziert eine Gruppenvergewaltigung der Frau und ist nicht nur deshalb höchst problematisch. Auch gibt das Titelblatt Aufschluss über die massiven Ressentiments, die in der Region gegen die kurdische Selbstbestimmung herrschen.

Der kurdische Journalist Mohammed A. Salih schrieb dazu bei Twitter: "Vielen Kurden meiner Generation, die geglaubt haben, dass eine friedliche Koexistenz mit dem Irak möglich ist, beweisen solche Bilder und die kriegshetzerische Einstellung das Gegenteil."

Er sei tief geschockt, wie viele Intellektuelle, Journalisten und Experten in westlichen Thinktanks in den vergangenen Wochen Kriegsaufrufe gegen die Kurden gestartet hätten. Neben der türkischen und der irakischen Regierung hat sich auch die iranische Regierung vehement gegen einen Kurdenstaat ausgesprochen.

Bei dem Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Bagheri am Mittwochabend bedankte sich der irakische Generalstabschef Uthman Al-Ghanimi für die iranische Unterstützung. "Wir sind fest davon überzeugt, dass der Iran bis zum Ende an der Seite des Iraks bleiben wird", sagte der General laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.

Mit Material der dpa.

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(mf)

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