"Seehofer braucht jetzt ein Wunder": Wie der CSU-Chef um sein politisches Überleben kämpft

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"Seehofer braucht jetzt ein Wunder": Der CSU-Chef kämpft um sein politisches Überleben | dpa
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  • Nach dem schlechten Ergebnis der CSU muss Parteichef Seehofer um seinen Posten kämpfen
  • Für einige Kommentatoren ist Seehofers Schicksal besiegelt - der Bayer brauche nun ein "Wunder" kommentiert die "Welt"

Die bayerische Revolution ist vertagt.

Am Mittwoch war CSU-Chef Horst Seehofer vor die Kameras getreten, nach vier langen Stunden mit seiner verunsicherten Fraktion im bayerischen Land, und hatte erklärt: Eine Personalentscheidungen werde es erst im November auf dem CSU-Parteitag geben.

Die CSU hat mit rund 38 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1949 eingefahren. Der Flügel um Markus Söder, dem aufmüpfigen bayerischen Finanzminister, hatte den Rücktritt des Chefs gefordert.

Nun hat sich Seehofer offenbar Zeit erkauft.

Doch die Frage bleibt: Wird Seehofer den Existenzkampf nach diesem Wahldebakel überleben?

"Das Imperium schlägt zurück"

Der CSU-Chef ging jedenfalls in der Fraktionssitzung in die Gegenoffensive. Ein Hauch von Revolution sei in München in der Luft gelegen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Doch von diesem Aufstand sei nicht viel übriggeblieben: "Müsste man einen Filmtitel für diesen Tag suchen, der Star-Wars-Fan Söder würde ihn bestens kennen: 'Das Imperium schlägt zurück'."

Der bayerische "Imperator" Seehofer attackierte in der öffentlichen Fraktionssitzung seine Kritiker massiv, die die Personaldebatte ins Rollen gebracht hatten. Die CSU setze sich damit der Lächerlichkeit aus, sagte der Ministerpräsident. So könne es nicht weitergehen.

Für ihn befindet sich die CSU gerade an einem Scheideweg. Die Frage sei, ob die Partei regierungsfähig bleibe. Seehofer erhielt den Angaben zufolge langen und starken Applaus.

Seehofers Zukunft sei trotzdem weiterhin offen, kommentiert die "Süddeutsche Zeitung".

Kann Seehofer in den schwierigen Koalitionsverhandlungen bestehen?

Seehofer weiß, dass er angezählt ist. Bis zum Parteitag wird der 67-Jährige weiter unter Druck stehen.

Er muss in den Verhandlungen mit der Schwesterpartei CDU einen neuen Kurs für die Union finden, mit dem auch seine Kritiker zufrieden sind. Er muss die Interessen seiner Partei bei den schwierigen Koalitionsverhandlungen über ein Jamaika-Bündnis verteidigen.

Die CSU hat ihre Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge bislang nicht gegenüber der CDU durchsetzen können. Grünen-Chefin Simone Peter stellte im Gespräch mit der “Rheinischen Post” am Mittwoch noch einmal klar: Mit ihrer Partei werde es keine Obergrenze geben.

Seehofer brauche nun ein Wunder

Und so bleibt eine Gefahr für Seehofer bestehen: Er sei weiterhin zum "zum taktischen Sowohl-als-auch verdammt", kommentiert die "Welt". Sollte die CSU in Berlin an einer Jamaika-Koalition mitverhandeln, müssten sie gegenüber den Grünen anders auftreten als in der bayerischen Heimat.

"Warum aber sollten Bayerns Wähler einen Kurs gutheißen, den ein Teil von ihnen gerade bei der Bundestagswahl verdammte?", fragt die "Welt".

Seehofer, dieses "Schwergewicht in allen Klassen des politischen Ringkampfs", brauche nun ein Wunder, lautet das Fazit der "Welt".

Mehr zum Thema: 5 große Konflikte, an denen ein Jamaika-Bündnis scheitern könnte - und warum sie wahrscheinlich gelöst werden

"Bayerische Götterdämmerung"

Die meisten Kommentare zu dieser denkwürdigen CSU-Sitzung weisen auf die Ereignisse der vergangenen Jahre hin: Noch jeder bayerische Parteichef habe eigentlich nach einem solch schlechten Wahlergebnis seinen Hut nehmen müssen. Ob 1998 Theo Waigel (47,7 Prozent) oder 2008 Erwin Huber (43,4 Prozent). Und jetzt soll Seehofer mit seinen 38 Prozent davonkommen?

Der Deutschlandfunk legt sich daher in einem Kommentar fest: Seehofers Schicksal sei besiegelt. Die "bayerische Götterdämmerung" sei angebrochen.

Die Basis habe Seehofer die "Niederlage" in der Flüchtlingspolitik gegen Kanzlerin Angela Merkel nicht verziehen.

"Seehofer soll jetzt in Berlin noch die Scherben zusammenkehren - und dann soll ein neuer Besen her", kommentiert der Deutschlandfunk.

Ob der "neue Besen" Markus Söder heiße, stehe noch nicht fest. Aber die Chancen für den Franken stünden gut.

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