POLITIK
27/09/2017 19:16 CEST | Aktualisiert 28/09/2017 08:59 CEST

"Das Versagen der Medien in einem Bild": Das neue "Spiegel"-Cover erzürnt viele Internetnutzer

  • Die AfD ist als drittstärkste Kraft in den Bundestag eingezogen

  • In einem Sonderheft widmet sich der "Spiegel" dem Erfolg der Partei

  • Dabei stößt das Titelbild auf wenig Gegenliebe - der Grundtenor: Die AfD werde zu groß gemacht

Extra für die Bundestagswahl hat "Der Spiegel" ein Sonderheft herausgebracht. Das Titelbild des Nachrichtenmagazins zeigt eine düstere Szenerie, gehalten in den Parteifarben der AfD: blau und rot.

"Sie sind da. Nach der Wahl: Die AfD überrollt die Volksparteien", prangt es in weißen Lettern auf dem Cover. Dazu: Die zwei AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland in mächtiger Pose sowie eine beschämt dreinschauende Kanzlerin Angela Merkel.

Im Internet sorgt die Darstellung nun für erzürnte Reaktionen - vor allem bei Journalisten.

"Wie groß wollt ihr den AfD-Haufen eigentlich noch schreiben?"

So kritisierte Volker Schütz, Chefredakteur von "Horizont", einer Fachzeitung für Marketing, Werbung und Medien, dass journalistische Zuspitzung zwar gut sei. "Aber was 'Der Spiegel' macht ist Schwachsinn: Wie groß wollt ihr den AfD-Haufen eigentlich noch schreiben?"

Auch "Zeit Online"-Journalist Lenz Jacobsen hält dem "Spiegel" vor, dass er die AfD "überlebensgroß" mache. Er findet das "irre".

Für Kommunikationsberater Daniel Mack ist es einfach nur "ein dämliches Cover". Denn mit 13 Prozent, soviel Stimmen hatte die AfD bei der Bundestagswahl bekommen, werde "nun niemand überrollt".

"Spiegel"-Cover für die AfD-Parteibüros

Aus Sicht von Romanus Otte, der beim Verlagshaus Axel Springer arbeitet, könnte das Titelbild "als Poster in AfD-Büros hängen" und sogar ein Wahlplakat der rechtspopulistischen Partei sein.

"Genau so macht man die AfD viel größer und wichtiger, als sie eigentlich ist...", kommentiert Ex-"FAZ"-Journalist Holger Paul.

Glaubt man dem Autor und Zukunftslobbyist Wolfgang Gründinger, dann zeige das Cover schlichtweg "das Versagen der Medien in einem Bild".

Lob von der AfD

Die Einwände sind durchaus berechtigt. Denn die AfD freut sich über das positive Titelbild. Es transportiert genau ihre Message: Das Ende der von ihr verachteten "Altparteien" und von Merkel selbst sei nah.

Die AfD Salzgitter schrieb auf Twitter: "Sogar der 'Spiegel' scheint es begriffen zu haben! Wir sind gekommen, um zu bleiben!" Auch Dank kräftiger Unterstützung der Medien.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.png Inside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

(ll)

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