HIV-Neuinfektionen auf Rekordniveau: Zahl der Betroffenen über 50 steigt

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WELTVERHTUNGSTAG 2017 MNCHEN
Aktionstag in München mit Riesenkondom | VOLKER DERLATH
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  • 2015 war der Wert in Europa an Neuinfektionen so hoch wie noch nie
  • Vor allem ältere Menschen stecken sich immer häufiger mit dem HIV-Virus an
  • Zwei Drittel der Jugendlichen in Afrika haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln

In der Münchner Innenstadt hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ein sieben Meter hohes, durchsichtiges Kondom aufgestellt. Zahlreiche nichtstaatliche Organisationen machten mit Aktionen wie diesen am Weltverhütungstag auf den großen Handlungsbedarf bei Sexualaufklärung und Empfängnisverhütung aufmerksam.

Ein Grund: Die Anzahl an Neuinfektionen des tödlichen HIV-Virus ist auf Rekordniveau gestiegen. In Europa sind mit mehr als zwei Millionen so viele Menschen infiziert wie noch nie zuvor.

Gefährliche Entwicklung in Europa

Eine neue Langzeitstudie zu HIV-Erkrankungen zeigt, dass sich in den meisten europäischen Staaten immer mehr Menschen über 50 Jahren mit HIV infizieren.

Wie die "Deutsche Apotheker-Zeitung" berichtet, werteten die Forscher die gemeldeten Neuinfektionen zwischen 2004 und 2015 in 31 europäischen Staaten aus. Der Anteil der Älteren nimmt durchschnittlich um jährlich 2,1 Prozent.

In Deutschland sogar um 8,1 Prozent pro Jahr, also viermal stärker als der europäische Durchschnitt. Allerdings war das Niveau der Infektionen in Deutschland vergleichsweise niedrig.

Trotzdem: Die Entwicklung gilt als besorgniserregend. Laut der Weltgesundheitsorganisation haben sich 2015 europaweit 153.000 Europäer an HIV angesteckt.

Das stellt den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1980er-Jahren dar.

"Wir kennen die Ursachen in Deutschland letztlich nicht“, sagt die deutsche Ko-Autorin Barbara Gunsenheimer-Bartmeyer vom Robert Koch-Institut (RKI) der Zeitung zufolge. Ein Erklärungsansatz der Forscher ist jedoch, ein möglicher Zusammenhang zu Prostitution und Sextourismus.

Mangel an Aufklärungsangeboten in Afrika

Das größte Problem mit dem HIV-Virus hat aber immer noch der Kontinent Afrika. 68 Prozent der Jugendlichen in Afrika können nicht verhüten, obwohl sie das möchten. Hauptsächlich deshalb, weil sie keinen Zugang zu Aufklärungsangeboten und Verhütungsmitteln haben.

Dadurch steigt das Risiko von Mädchen und jungen Frauen, ungewollt schwanger zu werden oder sich mit HIV zu infizieren. Wenn Mädchen Mütter werden, sinken ihre Bildungs- und Arbeitschancen und ihr Armutsrisiko steigt.

Hoher Anteil junger Mütter

Laut Zahlen der Vereinten Nationen bekamen zwischen 2010 und 2015 rund fünf Prozent der Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren in Entwicklungsländern ein Kind. In Afrika war dieser Anteil mit zehn Prozent doppelt so hoch.

Zum Vergleich: In Deutschland wurden im gleichen Zeitraum weniger als ein Prozent der Mädchen und jungen Frauen Mutter.

Renate Bähr, Geschäftsführerin der DSW, appeliert deshalb an die Bundesregierung, sich in der Entwicklungszusammenarbeit verstärkt für jugendfreundliche Aufklärungs- und Verhütungsangebote einzusetzen.

"Jugendliche brauchen umfassende Sexualaufklärung, eine Auswahl moderner Verhütungsmittel und Beratung. Gerade in Afrika, wo weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung jünger als 25 Jahre ist, trägt das entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung bei" sagt Bähr.

"Frauen und Mädchen, die selbst bestimmen können, ob und wann sie schwanger werden, sind meist gesünder und besser gebildet. Sie haben zudem bessere Chancen, am Erwerbsleben teilzunehmen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.”

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(Mit Material der dpa)

(cho)

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