Nach ihrem angekündigten Austritt aus der AfD könnte Petry ein zwei Jahre altes Zitat zum Verhängnis werden

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Nach ihrem Austritt aus der AfD könnte Frauke Petry ein zwei Jahre altes Zitat zum Verhängnis werden | Getty
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  • Noch-AfD-Chefin Frauke Petry hat ihren Austritt aus der Partei angekündigt
  • Ihr Bundestagsmandat will sie jedoch behalten
  • AfD-Politiker attackieren sie wegen dieser Entscheidung - und halten ihr ein altes Zitat vor

Wohl inszeniert, maximale Sprengkraft und in dieser Form unerwartet.

Der Auftritt der scheidenden AfD-Chefin Frauke Petry sorgte bei einer Pressekonferenz am Montag für einen Eklat. Sie erklärte, nicht Teil der AfD-Fraktion werden zu wollen.

Einen Tag später verkündete sie zudem ihren Parteiaustritt. Die rechtspopulistische Partei zog zwar als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein, doch nun droht der AfD eine erneute Spaltung.

Auch weil Petry trotz ihres möglichen Ausscheidens aus der AfD an ihrem Sitz im Bundestag festhalten will, erzürnt sie ihre Noch-Parteikollegen. Die attackieren Petry für ihre Entscheidung - und halten ihr nun ein zwei Jahre altes Zitat vor.

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Vorwurf der Wählertäuschung

Im Juli 2015 hatte Petry in der "Bild"-Zeitung geklagt: "Ich gehe nicht davon aus, dass Bernd Lucke und diejenigen, die ihm folgen, die Größe besitzen, ihre mit der AfD errungenen Mandate zurückzugeben."

Zudem erwartete sie, dass die damaligen Aussteiger "mit ihren Versuchen aufhören, die AfD nach dem Prinzip 'Verbrannte Erde' weiter zu beschädigen".

Der Hintergrund: 2015 spaltete sich eine Gruppe um AfD-Gründer Bernd Lucke von der Partei ab. Er gründete anschließend die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA), die sich später in Liberal-Konservative Reformer (LKR) umbenannte.

Allerdings waren Lucke und vier weitere LKR-Politiker im Jahr 2014 noch über eine AfD-Parteiliste ins Europaparlament gewählt worden. Trotz Aufforderung haben sie ihre Mandate bis heute nicht zurückgegeben.

Der Grund für die Trennung war damals der gleiche wie heute: ein Richtungsstreit. Lucke wollte damals die zunehmenden nationalistischen Tendenzen in der AfD nicht mehr hinnehmen. Nun soll auch Petry ihre Partei laut eigenen Aussagen zu radikal geworden zu sein.

Vorwurf der Wählertäuschung

Für zahlreiche AfD-Politiker war Petrys Auftritt ein Affront. Vor allem der rechte Parteiflügel nutzt derzeit das alte Zitat, um den Druck auf die Noch-Parteichefin zu erhöhen und so eine Rückgabe ihres Mandats zu erreichen.

Die Sätze teilten unter anderem der bayerische AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka und AfD-Baden-Württemberg-Sprecher Ralf Özkara sowie zahlreiche AfD-Verbände.

Auch der sächsische AfD-Abgeordnete Jens Maier, der dem völkisch-nationalistischen Flügel der Partei angehört, nahm die alte Äußerung Petrys zum Anlass, sie zur Rückgabe ihres Mandats aufzufordern. "Ich sehe in ihrem Verhalten Wählertäuschung", erklärte Maier auf Facebook.

Einzug über Direktmandat - und nicht über Liste

Einen gewichtigen Unterschied zu Lucke gibt es aber: Petry wurde als Direktkandidatin ihres Wahlkreises gewählt.

Petry will zunächst "als fraktionslose Abgeordnete im Bundestag" arbeiten. Derzeit wird darüber spekuliert, ob Petry womöglich eine eigene Gruppe mit abtrünnigen AfD-Bundestagsabgeordneten aufbauen will. So kursiert aktuell der Name "Die Blauen", bislang gibt es dafür allerdings keine Bestätigung.

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(ll)

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