Wie ein 24-jähriger CDU-Politiker in Meck-Pomm die AfD besiegte - und was seine Partei von ihm lernen kann

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AMTHOR
Philipp Amthor mit Kanzlerin Merkel. | dpa
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  • CDU-Politiker Philipp Amthor gelang es, in Ostdeutschland seinen Wahlkreis gegen einen deutlich bekannteren AfD-Kandidaten zu verteidigen
  • Wie hat er das geschafft?

Philipp Amthor hat geschafft, woran andere CDU-Direktkandidaten scheiterten: Er hat seinen Wahlkreis gegen die AfD verteidigt.

Eine Million Wähler sind von den Christdemokraten zu den Rechtspopulisten übergelaufen, was auch hochrangigen CDUlern ihren Sitz im Bundestag kostete. Etwa dem Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer, der in seinem sächsischen Wahlkreis dem AfD-Kandidaten unterlag.

Nicht so Amthor. Er kann sich nicht nur auf die Fahne schreiben, die AfD besiegt zu haben.

Jüngster Direktkandidat

Er ist auch noch mit 24 Jahren der jüngste Direktkandidat im Bundestag. Er zog für einen Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern ein, der neben dem von Kanzlerin Angela Merkel liegt.

Er trat mit 16 Jahren in die CDU ein, ist Jurist und schreibt aktuell seine Doktorarbeit an der Uni Greifswald. Doch was kann die CDU, die mit dem schlechtesten Ergebnis seit 1949 bei einer Bundestagswahl schwer zu kämpfen hat, von Amthor lernen?

Über diese und andere Fragen haben wir mit dem CDU-Politiker in einem Facebook-Live Interview gesprochen, das ihr hier nochmal anschauen könnt.

"Die AfD hat mit 24 Prozent ein starkes Ergebnis geholt", gibt Amthor zu. Dass die Partei ein ernstzunehmender Gegner ist, zeigte sie schon bei den Landtagswahlen in dem norddeutschen Bundesland.

Da holten die Rechtspopulisten drei Direktmandate in Amthors Wahlkreis. Hinzu kam, dass der AfD-Kandidat für die Bundestagswahl als Landtagsabgeordneter deutlich bekannter war als Amthor. Denn der musste sich erst einen Namen machen.

"Bürgernah und offen für Diskussionen"

Letztlich konnte er die AfD aber auf Abstand halten - acht Prozentpunkte trennten ihn am Ende von Rechtspopulisten.

Seinen Wahlkampf beschreibt er als "bürgernah und offen für Diskussionen". Die Kanzlerin gab ihm den Tipp, von Gemeinde zu Gemeinde zu ziehen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Diesen Tipp nahm er ernst.

Er und sein Team haben an 15.000 Haustüren geklopft, er hat seine Handynummer im Wahlkreis plakatiert mit dem Spruch: "Sie kochen den Kaffee, ich bringe den Kuchen."

"Es ist populär, was die AfD sagt"

Dort punktete er offenbar mit Ehrlichkeit. Den Menschen sagte er, dass es nicht immer die schnellen Lösungen gebe, wie sie die AfD versprechen.

"Es ist populär, was die AfD sagt", erläutert Amthor im HuffPost-Gespräch. "Es ist immer einfacher, wenn man eine ein- oder zwei-Minuten Lösung anbietet. Leider sind die Themen nicht so einfach, wie dargestellt."

Im Wahlkampf habe er auch gemerkt, dass die AfD fast gar nicht vor Ort präsent ist. "Ich habe kaum eine Feuerwehr oder einen Verein getroffen, wo die Partei mal vorbeischaute", erzählt der Jungpolitiker.

Bürgernähe als großes Pfund der CDU

Diese Bürgernähe sei das große Pfund der CDU.

Außerdem sei noch etwas anderes wichtig im Umgang mit der AfD.

"Die Gegner sind für mich die Funktionäre und Politiker der Partei. Wir wollen besser sein als die", sagt Amthor. "Keine Gegner sind für mich die AfD-Wähler". Die wolle er zurückgewinnen - was offenbar auch geklappt hat.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

(mf)

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