"Völlig verzockt": So kommentieren deutsche Medien Petrys geplanten Austritt aus der AfD

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PETRY
"Völlig verzockt": So kommentieren deutsche Medien Petry Austritt aus der AfD | dpa
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  • Petrys angekündigter Austritt aus der AfD lässt deutschen Medien über die Beweggründe der Politikerin spekulieren
  • Einig sind sich alle: Klug war der Schritt nicht

Es war eine Entscheidung, die viele Beobachter ratlos zurück ließ: Frauke Petrys Absage an einen Sitz in der AfD-Bundestagsfraktion am Montag und ihre Ankündigung am Dienstag, die Partei zu verlassen.

Am Morgen danach rätseln deutsche Medien über den Plan der ehemaligen Parteichefin. Die Kommentatoren bezweifeln jedoch, dass sich die AfD nun spalten wird.

"Völlig verzockt"

Die "Rheinische Post" schreibt, Petry habe sich "völlig verzockt".

Von einer Spaltung der AfD könne man bislang nicht sprechen, weil nur drei Parteikollegen Petry gefolgt seien.

"Im Gegenteil: Die Masse der Mitglieder wird der Abgang eher zusammenschweißen, die nach rechts nun weit offene AfD wird er stärken", kommentiert die Zeitung. Und weiter:

"Wähler wie Parteikollegen eint das Gefühl von Verrat. Ginge es Petry und Pretzell wirklich um Inhalte, hätten sie vor der Bundestagswahl gehen müssen und nicht erst nach Erreichen des Bundestagsmandats. Zusammen kommen der EU-Parlamentarier Pretzell und die sächsische Landtagsabgeordnete nun auf vier Mandate. Bleibt abzuwarten, was sie draus machen."

"Fake Frauke"

"Spiegel Online" hingegen wirft Petry ein heuchlerisches Spiel vor. "Ich vermisse öffentliche Empörung zum Fall Frauke Petry", schreibt der stellvertretende Chefredakteur Dirk Kurbjuweit.

"Hat es das schon einmal gegeben? Eine Politikerin zieht in einen Wahlkampf ausdrücklich für eine Partei, wirbt für sich unter dem Logo dieser Partei, ist die Vorsitzende dieser Partei, sodass jeder Bürger fest davon ausgehen muss, dass sie die Interessen dieser Partei im Bundestag vertreten würde.

Petry sei für eine "neue Ehrlichkeit" angetreten, kommentiert "Spiegel Online" weiter. Immerhin heißt der Slogan der AfD "Mut zur Wahrheit". Jetzt tritt Petry aus.

Das Fazit von "Spiegels"-Chefredakteur Kurbjuweit: "Dazu fallen mir nur zwei Wörter ein: Fake Frauke."

"Chaostage für die AfD"

Der "Tagesspiegel" spricht von "Chaostagen für die AfD". Die Partei sei dabei, sich zu spalten. "Keiner kann vorhersehen, wie das ausgeht."

"Aber die 93 Abgeordneten im Bundestag bemühen sich, größtmögliche Gelassenheit, ja sogar Gleichgültigkeit auszustrahlen. Es ist offensichtlich, dass sich die AfD ihren Triumph bei der Bundestagswahl auf keinen Fall kaputtmachen lassen will – und seien die Abtrünnigen auch noch so prominent."

Die "FAZ" prophezeit Petry unter dem Titel "Die Aussätzigen" in ihrer heutigen Ausgabe einen politischen Abstieg.

Die Abspaltung des Petry-Pretzell-Gefolges sei die zweite nach dem Abschied des Parteigründers Bernd Lucke, die mit einer Rechtsradikalisierung der AfD begründet werde. In Petrys Fall komme hinzu, dass sie sich als "Realo" sehe, die eines Tages regieren möchte, schreibt die "FAZ".

Und weiter:

"Weder Petry noch Pretzell können sich, wenn sie ehrlich sind, ihren Aufstieg aber ohne die Gaulands und die Höckes erklären. Sie fühlen sich von der Kritik an ihnen zu Unrecht als Aussätzige gebrandmarkt. Das ist aber gerade das Geheimnis ihres Erfolgs. Jetzt beginnt für sie der Abstieg."

Und die "Schwäbische Zeitung" glaubt, dass von der AfD ein größere Gruppe bleiben wird, "die weiter auf eine bösartig-destruktive Politik gegen eine vorgebliche Überfremdung setzen wird. Und es bleiben viele AfD-Wähler, die ernüchtert feststellen, dass mit ihren Stimmen Schindluder getrieben wird."

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten


(ll)

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