8 Dinge, die jeder tun kann, um den Aufstieg der AfD zu stoppen

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GAULAND
8 Dinge, die jeder tun kann, um die AfD zu stoppen | dpa
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  • Die AfD ist der große Gewinner der Bundestagswahl
  • Diese 8 Dinge kann jeder tun, um den Aufstieg der Rechtspopulisten zu stoppen

Die Ergebnisse der Bundestagswahl haben viele Deutsche erschrocken und ratlos gemacht. In den ländlichen Regionen des Westens und im Osten ist die AfD vielerorts dabei, den Volksparteien Konkurrenz zu machen.

Manch einer mag einwenden, dass 87 Prozent der Wähler sich gegen die Alternative für Deutschland entschieden haben. Das klingt im ersten Moment klarsichtig.

In den kommenden vier Jahren müssen dennoch Strategien entwickelt werden, wie der wachsende Zulauf für die rechtsradikale AfD eingedämmt werden kann.

Und das ist nicht nur die Aufgabe der Parteien.

Es gibt Dinge, die jeder Deutsche tun kann, um die Alternative für Deutschland in die Schranken zu weisen.

1. Behaltet AfD-Wähler als Freunde auf Facebook

Angenommen, ein nicht unerheblicher Teil der AfD-Wähler fühle sich ausgegrenzt von Wachstum, Fortschritt und Wohlstand: Dann wäre es nicht zielführend, diese Menschen auch noch im Alltag auszugrenzen.

Etwa dadurch, dass man sie bei Facebook entfreundet. Sie verlören dadurch womöglich Kontakte zu jenen Milieus, in denen noch anders gedacht wird als auf den rechten Hass-Seiten.

Wenn wir jedoch den Kontakt halten, verhindern wir das, was die AfD selbst schon seit Jahren vorantreibt: die Spaltung der Gesellschaft.

Mehr zum Thema: Der Abend, als uns die Berliner Republik um die Ohren flog

2. Regt euch so viel auf wie nötig

Die AfD hat in den letzten Wochen des Wahlkampfs maßgeblich von der Empörung der anderen profitiert. Sascha Lobo nannte das den "Windrad-Effekt": Bei Gegenwind kommen die Rechtsradikalen auf Touren.

Andererseits könnte bewusstes Ignorieren der AfD-Parolen dazu führen, dass Unsagbares plötzlich normal wird, weil wir es oft genug gehört haben. Wir müssen lernen, einen Mittelweg zu finden.

Womöglich ist es sinnvoll – ganz ohne Schnappatmung – die Falschaussagen und Verdrehungen der AfD sachlich richtig zu stellen.

Es scheint auch sinnvoll, mal nachzufragen, was die AfD jenseits des Ausländerhasses zu bieten hat. Wie sieht ihre Sozialpolitik aus? Was plant sie mit der Rente? Den Rest übernimmt die AfD schon von selbst.

Der angekündigte Parteiaustritt von Frauke Petry und Marcus Pretzell könnte der Beginn eines im Bundestag bisher einmaligen Grabenkampfes sein.

3. Engagiert euch weniger in Projekten, sondern wieder mehr in Vereinen

Deutschland war vor zwei Jahrzehnten noch ein Land der Vereine. Doch seit der Jahrtausendwende engagieren sich vor allem junge Menschen lieber ungebunden in Projekten. Meist treffen sie dort Menschen, die so ähnlich denken wie sie und auch das gleiche Ziel verfolgen.

Vereine dagegen bieten die Möglichkeit, Menschen aus allen Gesellschaftsgruppen zu treffen. Sie könnten ein Ort des Austausches sein.

Leider ist es heute oft anders. Übrig geblieben sind dort oft nur die Leidenschaftlichen und die Strukturkonservativen und die Alten, wo sie sich nicht selten gegenseitig in ihren Haltungen bestärken. So wie sich moderne Großstädter in ihren Projekten und Initiativen. Das sollten wir ändern.

Durch mehr Engagement in Vereinen könnte man auch jene erreichen, die sich sonst gegenseitig hoch schaukeln würden. Und man muss ja nicht immer gleich argumentieren.

Es reicht vielleicht einfach schon, wenn sich durch das Kennenlernen und den Austausch der Eindruck verfestigt, dass die Feindbilder falsch sind, die die AfD hegt und pflegt.

Das gilt übrigens auch anders herum: Nicht jeder AfD-Wähler ist ein bierbäuchiger, glatzköpfiger Faschist. Auch das könne eine Lehre einer Begegnung sein.

4. Denkt darüber nach, einen Job auf dem Land anzunehmen

Zugegeben, nach dem großen Run auf die "Schwarmstädte" wie Berlin und München in den vergangenen 15 Jahren mag der Gedanke exotisch klingen. Und erst recht, seitdem die CSU mit ihrem Totalausfall-Minister Alexander Dobrindt den Breitbandausbau in der Provinz vergeigt hat. Aber gerade in Zeiten steigender Mieten ist es vielleicht sinnvoll darüber nachzudenken, die Wanderungsbewegung umzukehren.

Ein Nebeneffekt wäre, dass sich so das innerdeutsche Lagerdenken aufbrechen könnte: "Linksgrün versiffte" Großstädter auf der einen Seite und "Provinz-Nazis" auf der anderen Seite. Nicht nur, dass dadurch ein Ideenaustausch vorangetrieben werden könnte. Es würde auch helfen, Deutschland wieder näher zusammenzubringen.

5. Gebt Ostdeutschland nicht verloren

Ja, der Blick auf die Wahlkarte von Ostdeutschland ist gruselig. In Sachsen ist die AfD stärkste Kraft geworden, in Berlin-Lichtenberg kam sie zusammen mit der im Osten strukturkonservativen Linken auf fast 50 Prozent der Zweitstimmen – und im Südosten gewann sie gleich mehrere Wahlkreise.

Doch gerade dort ist die Arbeit von jenen, die sich gegen Rechts engagieren, wichtiger denn je. Sie helfen dort, wo es wirklich nötig ist. Ihnen sollte unsere Unterstützung gelten. Doch wenn wir Ostdeutschland pauschal abschreiben, entwertet das auch dieses Engagement.

Widersprecht denen, die darüber reden, dass Sachsen nicht zu Deutschland gehöre oder dass der Osten im Kern antidemokratisch sei. Helft jenen, die sich im Osten gegen die rechte Gefahr engagieren. Durch Zuspruch, aber auch durch Spenden. Gute Arbeit leistet zum Beispiel die Amadeu-Antonio-Stiftung – sie wird ja nicht umsonst von der AfD verleumdet.

6. Engagiert Euch für die Demokratie – zum Beispiel als Wahlhelfer

Wer sich als Wahlhelfer engagiert, verteidigt damit demokratische Strukturen gegen jene, die sie anzweifeln und angreifen – wie zum Beispiel jenen obskuren AfD-Wahlbeobachtern, die am 24. September durch die Wahllokale gingen, um ihrer Vermutung Ausdruck zu vermitteln, dass der böse Staat die arme Alternative für Deutschland übers Ohr hauen wolle.

Wer volljährig ist und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, kann sich einfach vor der nächsten Kommunal- oder Landtagswahl beim Gemeindeamt melden.

7. Hört auf, die Armen und weniger Gebildeten in diesem Land zu verachten

Vor der Wahl kursierten angeblich witzige Bilder in den sozialen Netzwerken, auf denen AfD-Wählern dazu geraten wurde, ihren Stimmzettel zu unterschreiben. Die Botschaft dahinter: Womöglich sind genug Menschen dumm genug, um darauf reinzufallen und ihre Stimme auf diese Weise ungültig zu machen.

Diese Haltung ist töricht. Einerseits gibt man dadurch jenen Recht, die ohnehin daran glauben, dass die "Elite" das "einfache Volk" verachtet. Zum anderen begeben sich die Witzbolde selbst auf ein Niveau, das aus demokratischer Sicht äußerst bedenklich ist. Echte Demokraten versuchen ihre Mitmenschen zu überzeugen, und sie nicht zu verarschen.

Achten wir künftig besser darauf, was wir sagen. Wir brauchen ein Bewusstsein dafür, wann wir im Kampf gegen Diskriminierung selbst ganze Bevölkerungsschichten herabsetzen und ausgrenzen.

8. Wir müssen mehr über Politik reden

Die AfD kann sich auch deswegen als "Alternative" inszenieren, weil viele Menschen denken, dass es keine großen Unterschiede zwischen den etablierten Parteien gebe. Das ist falsch, ein flüchtiger Blick in die Wahlprogramme reicht, um das zu erkennen. Leider ist diese fatalistische Haltung bis in die gesellschaftliche Mitte verbreitet.

Wer sich nicht gegen alle anderen Parteien, sondern bewusst für eine politische Kraft entschieden hat, kann darüber reden und klar machen, wo die Unterschiede liegen.

Demokratie ist so lebendig, wie wir sie werden lassen.

Daran sollten wir in den kommenden vier Jahren arbeiten.

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(ll)

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