"Wenn Merkel kommt, verstummen die Kritiker": Bosbach teilt gegen zaghafte CDU-Kollegen aus

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • CDU-Innenpolitiker Bosbach hat mehr Mut von seinen Parteikollegen gefordert
  • Zu oft würden CDU-Fraktionsmitglieder ihre Kritik nicht äußern

Wolfgang Bosbach ist ein unermüdlicher Kritiker - vor allem der eigenen Partei.

Nach dem Wahldebakel vom Sonntag geht der Politiker hart mit der CDU ins Gericht. Bereits im Montag hatte Bosbach die Fehler der Union in der Flüchtlingskrise angemahnt.

Im ZDF-"Morgenmagazin" bemerkte die Moderatorin Dunja Hayali, dass viele CDU-Politiker nach der Abstimmung den Wahlkampf und den Kurs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) infrage stellen würde.

Ihre Frage an Bosbach: Warum haben sich diese kritischen Stimmen nicht eher gemeldet?

Offenbar, weil sich niemand getraut habe. Das deutete Bosbach mit seiner Antwort an. "Ich habe es sehr, sehr oft erlebt, dass vor Sitzungen gesagt wurde, das muss mal angesprochen werden, so kann es nicht weitergehen", schilderte Bosbach.

Wenn die Fraktionssitzung dann aber eröffnet werde, "wenn die Kanzlerin oder der Fraktionsvorsitzende kommt, verstummen diese Stimmen".

"Haben die keinen Arsch in der Hose?"

Hayali hakte nach: "An wem liegt das? An denjenigen, die vorher kritisch waren und dann - ich sag's mal salopp - keinen Arsch in der Hose haben, oder an der Kanzlerin oder am Fraktionsvorsitzenden Kauder, die denen dann den Mund verbieten."

Hier werde keinem der Mund verboten, betonte Bosbach. Aber es mache offenbar einen Unterscheid aus in der CDU, ob man im kleinen Kreis diskutiere oder vor der politischen Führung. Bedeutet: Bosbach bemängelt, dass einige Fraktionsmitglieder tatsächlich keinen "Arsch in der Hose" haben.

Auch am Wahlabend hätten ihm diese kritischen Stimmen gefehlt, sagte Bosbach. "Ich war sehr überrascht, dass unser sehr bescheidenes Wahlergebnis als Wahlerfolg verkauft wurde", gab Bosbach zu.

Laut Berichten sollen kritische Stimmen in der Unionsfraktion allerdings auch unterdrückt werden. Gerade dem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder wird vorgeworfen, gegen innerparteiliche Kritiker vorzugehen.

Das Verhältnis zwischen Parlamentariern und Kauder sei zuletzt sehr angespannt gewesen, berichtet die "Welt" am Dienstag. Zu Kauders Prinzip der "kameradschaftlichen Führung" gehöre, "dass Abweichler, etwa gegen neue Euro-Rettungspakete, nicht mehr in wichtige Ausschüsse entsandt werden", berichtet die "Welt".

Jamaika-Koalition ist "intellektuell anspruchsvolles Projekt"

Bosbach freilich schweigt selten - und hält seine Kritik nicht zurück. Auch im Gespräch mit Hayali forderte er eine neue thematische Ausrichtung. Er unterstütze die Forderung der Schwesterpartei CSU nach einer Obergrenze für Zuwanderer.

Bosbach warnte auch, dass die Verhandlungen mit den Grünen und der FDP über ein Regierungsbündnis schwierig werden könnten - weil die Union nicht wieder "zurück in die Mitte" rutschen müsse. "Die rechte Flanke schließen in einer Koalition mit den Grünen - das ist ein intellektuell anspruchsvolles Projekt", sagte Bosbach. Was für die CSU die Obergrenze sei, das sei für die Grünen bestenfalls die Untergrenze.

Bosbach selbst wird seine Kritik künftig nicht mehr in der Fraktion äußern können, er ist nicht mehr zur Bundestagswahl angetreten.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ben)

Korrektur anregen