POLITIK
26/09/2017 07:53 CEST | Aktualisiert 26/09/2017 11:54 CEST

Mit einem Satz bringt "Hart aber Fair"-Moderator Plasberg seine Gäste gegen sich auf

  • Am Schluss von "Hart aber Fair" stritten die Gäste mit Moderator Plasberg über die Mitschuld der Medien am Wahlerfolg der AfD

  • Mit einem Satz habe Plasberg sich verraten, glaubten die eingeladenen Gäste

Das Ergebnis der Bundestagswahl hinterlässt viele Fragen: Haben die etablierten Parteien im Umgang mit der AfD versagt und erst für das starke Abschneiden der Partei gesorgt?

Die Frage diskutierte auch Moderator Frank Plasberg in der ARD-Sendung "Hart aber Fair". Dabei hieß das Thema der Talkshow eigentlich: "Die gerupfte Kanzlerin - wie regieren nach dem Debakel der Volksparteien?"

Gerade die Schlussphase gehörte allerdings der AfD - und hier wurde es hitzig. Plasberg sagte einen folgenschweren Satz, der einige der eingeladenen Politiker aufbrachte.

"Das ist doch ein Bedürfnis der Menschen, darüber zur reden"

Rückblick: In der "Berliner Runde" nach der Wahl hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den öffentlich-rechtlichen Sendern schwere Vorwürfe gemacht. Die Sender hätten die AfD erst groß gemacht, weil sie in den Wochen vor der Wahl über nichts anderes als Flüchtlingspolitik gesprochen hätten.

Plasberg zeigte den Ausschnitt seinen Gästen. Das Publikum klatschte, die Politiker stimmten Herrmann zu.

Aber einer war gar nicht mit der Aussage damit einverstanden: Der ehemalige Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender.

"Wir sind es gewohnt, dass die Politik, vor allem die CSU, den Medien nach der Wahl die Schuld gibt", klagte Brender. Aber der Vorwurf stimme nicht. Alle Beteiligten bei der "Berliner Runde" hätten über die AfD und über Flüchtlinge diskutiert, nicht nur die Moderatoren.

"Und wenn ich sehe, mit welchem Verve auch in dieser Runde darüber diskutiert wird", sagte der Journalist weiter. "Dann ist doch etwas dran, dass es ein Bedürfnis der Bevölkerung gibt, darüber zu reden", schloss er.

"Mich hat das rasend gemacht"

Noch-Familienministerin Katarina Barley (SPD) widersprach dem ehemaligen ZDF-Chef. Auch die Politik trage einen großen Anteil am Erfolg der AfD. Aber sie habe nachgerechnet, wie häufig die Themen Flucht, Migration und Islam im vergangenen Jahr in den Talkshows von ARD und ZDF aufgetaucht seien. Jede zweite habe sich damit beschäftigt.

"Natürlich muss man über diese Dinge reden, aber ich hatte damals das Gefühl: Ich mache des Fernseher an und es gibt nichts anderes mehr", sagte Barley. "Mich hat das rasend gemacht."

Plasberg unterbrach die Politikerin und verwies auf die Einschaltquoten. Die öffentlich-rechtlichen Sender seien nicht auf eine gewisse Zuschauerzahl angewiesen. Aber: "Wenn Sie die Quoten gesehen hätten", sagte Plasberg zu Barley, "wie Sendungen über Bildung, Digitalisierung, selbst der Diesel-Skandal unterdurchschnittliche Quoten hatten."

Barley ließ den Moderator gar nicht ausreden. "Sie sind ein öffentlich-rechtlicher Sender, kein Privatsender. Politik ist keine Castingshow." Das Publikum applaudierte, auch CSU-Politikerin Dorothee Bär versuchte, zu Wort zu kommen.

"Ach was, das ist völliger Quatsch"

"Quote kann keine Ausrede sein", sagte sie. Plasberg versuchte eine Frage zu stellen. Doch die Politikerin ließ ihn nicht.

"Ihr Kollegen sagt dann zu uns: Aber natürlich laden wir gerne einen AfD-Politiker ein. Und man hofft dann auf seinen Skandal."

Journalist Brender fuhr dazwischen: "Ach was, das ist völliger Quatsch."

Ganz unrecht dürfte Bär allerdings nicht gehabt haben.

Richtig ist aber auch: Die Themen der AfD, Zuwanderung und Sicherheit, sind Themen, die laut einer Befragung nach der Wahl allen Wählern aller Parteien wichtig waren. Das zeigte Plasberg mit einem Einspieler.

Die AfD und ihre Rülpser

Hier schaltete sich Grünen-Politiker Robert Habeck ein. Er finde es wichtig, dass über Migration gesprochen werde.

Das sei wahrscheinlich die "ethische Scheidelinie unserer Generation": Flucht und Vertreibung, und wie unsere Gesellschaft damit umgehe.

"Das einzige, wo ich nicht glücklich bin, wie es verlaufen ist, ist das 'Wie' der Sendungen", sagte Habeck. Und da sei der Quoten-Hinweis wahrscheinlich verräterisch.

Dass "jedem Rülpser der AfD" eine eigene Sendung gewidmet werde, halte er für falsch. Anstatt Gauland nur auf seine "Entsorgungs"-Entgleisung anzusprechen, wie Plasberg das in einer Sendung getan habe, hätte der Moderator ihn laut Habeck mit Bildern aus den Flüchtlingslagern aus Syrien konfrontieren sollen.

"Dann hätte man ihn fragen können: Was hätten Sie in dieser Situation gemacht, Herr Gauland? Wären Sie nicht auch geflohen?", sagte Habeck.

Allzu oft seien so die Medien nur "Verstärker der Provokation".

Er wolle aber nicht nur "Medien-Bashing" betreiben. Auch die Politik habe versagt. "Uns ist es auch nicht gelungen, die Fluchtursachen wirklich gut darzustellen", sagte Habeck selbstkritisch.

Brender gab Habeck am Ende Recht. Die Medien und die Politiker seien immer noch auf der Suche nach dem richtigen Umgang mit rechten Parteien wie der AfD.

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(ben)

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