Trump gegen die NFL: Der Präsident beleidigt Football-Spieler - und bringt das Land gegen sich auf

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Trump gegen die NFL: Der Präsident beleidigt Football-Spieler - und bringt das Land gegen sich auf | USA Today Sports / Reuters
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  • US-Präsident Trump hat sich mit der amerikanischen Football-Liga angelegt, weil schwarze Spieler ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt haben
  • Trump umwirbt mit seiner Kritik seine weiße Anhängerschaft - aber er könnte sich mit der Attacke verkalkuliert haben

Donald Trump hat ein besonderes Talent. Er kann mit wenigen Worten hunderttausende Menschen gegen sich aufbringen. Manchmal genügen ihm dafür nur 140 Zeichen.

Im aktuellsten Fall spuckte der US-Präsident ein paar wütende Beschimpfungen bei einer Rede am Wochenende aus, trat mit einigen Tweets nach - und erzürnte Footballer, Basketballer, ja selbst Baseball-Spieler.

Der US-Sport rebelliert gegen Trump.

Wie immer fragt es sich bei den Skandalen des Wut-Präsidenten: Was hat er sich dabei nur gedacht?

Trump: "Holt den Hurensohn vom Feld"

Angefangen hat alles in Alabama. Am Freitagabend trat Trump vor seinen Anhängern auf, einem Meer aus roten Mützen und vielen weißen Gesichtern.

Trump begann über Football-Spieler zu schimpfen, die sich vor Spielen der NFL, der amerikanischen Football-Liga, nicht für die Nationalhymne erheben würden.

"Das ist eine totale Respektlosigkeit vor unserem Erbe", rief der Präsident in die Menge. "Das ist eine totale Respektlosigkeit gegenüber allem, wofür wir stehen."

Dann tat Trump, was er mit am liebsten macht: Er feuerte jemanden. Oder rief dazu auf. "Würdet ihr es nicht lieben", rief der US-Präsident seinen Zuschauern zu, "wenn einer dieser NFL-Clubbesitzer zu einem Spieler sagt, der unsere Flagge nicht respektiert: 'Holt diesen Hurensohn vom Feld, er ist gefeuert?'"

Die Menge jubelte.

Ein Zeichen gegen Diskriminierung

Trumps Rede war brisant - und hochpolitisch. Denn bei den “Hurensöhnen” handelte es sich vor allem um afroamerikanische Footballspieler, die ein Zeichen gegen Rassismus setzen wollen - indem sie sich nicht zur Hymne erheben, sondern hinknien.

Es ist eine große Geste. Ein Zeichen, das an die gereckten Fäuste der beiden schwarzen Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt 1968 erinnert.

Der erste Footballer, der den Moment der Hymne nutzte, war ein schwarzer Quarterback mit rebellischer Mähne namens Colin Kaepernick. Statt sich zu erheben, blieb er im vergangenen Jahr einfach sitzen.

In den Wochen und Monaten zuvor hatten weiße Polizisten schwarze Jugendliche erschossen.

Und bald folgten viele Footballer Kaepernicks Vorbild.

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Kaepernick und Mitspieler auf den Knien. Quelle: Reuters.

Amerika auf den Knien

Mittlerweile gehen die halben USA auf die Knie, möchte man fast sagen. Seit Trumps Attacke setzen Footballer und Clubbesitzer, Basketballer und auch Musikgrößen wie Stevie Wonder oder Pearl-Jam-Sänger Eddie Vedder ein Zeichen. Gegen Rassismus, und gegen den pöpelnden Präsidenten. Auf den Knien.

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Stevie Wonder bei einem Konzert am Wochenende. Quelle: Reuters.

Trump dagegen attackiert die Footballer weiter. “Die Quoten der NFL sind alle im Keller, außer vor Spielbeginn, wenn die Leute einschalten, weil sie sehen wollen, ob unser Land respektiert wird oder nicht.”

Der Präsident erhebt das Stehen oder Knien zum Klang des “The Star-Spangled Banner” zum Zeichen des Respekts vor der Nation.

So wie er die Entfernung von Monumenten der Südstaaten zur Frage über die Historie der USA erhebt - und nicht zu einer Frage über das Vermächtnis der Sklavenhalter.

Der weißeste US-Präsident

US-Professor Ian Bremmer stellte schon nach Trumps erster Attacke auf die NFL klar: Es geht ihm nicht um Football. Trump ziele auf die Schwarzen ab - eine Attacke, die vor allem bei seiner Anhängerschaft gut ankommt.

Trump braucht Feindbilder - und mit schwarzen, reichen Footballern hat er das perfekte Feindbild gefunden. Trumps Wähler sind vor allem weiß. Dürften nur die weißen Amerikaner wählen, hätte Trump 389 Wahlmänner statt 304 gewonnen.

Und es sind vor allem die wütenden Weißen, die Trump gewählt haben. Bei einer Umfrage der Meinungsforschungsinstituts Public Policy Polling sagten 26 Prozent der weißen Befragten, ihre ethnische Gruppe würde am meisten von allen Gruppen diskriminiert werden. Unter Anhängern von Republikanern waren es 41 und unter Trump-Wählern gar 45 Prozent.

Trump zündelt also einmal mehr und heizt die Spaltung der USA weiter an.

Mehr zum Thema: Radikale Rechte gegen Linke: Warum die Spaltung in den USA ein gefährliches Ausmaß erreicht hat

Tiefe Enttäuschung

Womöglich hat sich der US-Präsident nun aber den falschen Gegner gesucht. Denn selbst einstige Unterstützer wenden sich ab.

Der Besitzer der New England Patriots, Robert Kraft, und dessen Superstar Tom Brady, ein Freund von Trump, kritisierten beide den Präsidenten. Kraft teilte mit, er sei "tief enttäuscht vom Ton" des Präsidenten. Auch Brady widersprach Trump: “Ich glaube daran, Leute zusammenzubringen”. Trump hingegen spalte die Gesellschaft.

Das kann er am besten.

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