CSU-Lokalgrößen rebellieren gegen Parteichef Seehofer - nun geht die Angst vor einem Putsch um

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HORST SEEHOFER
Die CSU-Basis rebelliert gegen Parteichef Horst Seehofer - nun geht die Angst vor einem Putsch um | Michaela Rehle / Reuters
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  • Die CSU erlebte bei der Bundestagswahl ein Debakel - es sind düstere Aussichten für die Landtagswahl 2018
  • Noch hält Parteichef Seehofer an seinem Kurs fest
  • Deshalb regt sich nun in der Parteibasis Widerstand

Folgt nach dem Absturz der Putsch?

Die CSU hat bei der Bundestagswahl eine herbe Klatsche hinnehmen müssen - nur 38,5 Prozent der Wähler in Bayern gaben den Christsozialen ihre Stimme. Das ist ein Rückgang von mehr als zehn Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Bundestagswahl - schlechter hat die CSU seit 1949 nicht abgeschnitten.

Nun regt sich an der Parteibasis Unmut über Parteichef Horst Seehofer.

Der sagt: Es habe sich "nichts geändert" an seinem Plan, zur Landtagswahl 2018 als CSU-Chef und Ministerpräsident anzutreten, wie die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") berichtet. Noch hat sich zwar kein Gegenkandidat, kein Putschist aus der Deckung getraut. Doch das könnte nur eine Frage der Zeit sein.

"Die CSU war immer zu kalter Grausamkeit fähig, wenn es darum ging, Spitzenleute zu verabschieden, denen sie die Verteidigung der Ausnahmestellung der CSU nicht mehr zutraute", schreibt die "SZ". Und Seehofer weiß das - denn er putschte selbst 2008 gegen seinen Amtsvorgänger Kurt Beckstein.

"Wir denken an den Rücktritt"

Ein Blick nach Franken zeigt, wie stark es schon jetzt brodelt.

So forderte der Chef des CSU-Kreisverbands Nürnberg West, Jochen Kohler, Seehofers Rücktritt. Auf seiner Facebook-Seite schrieb Kohler: "Auch wenn Herr Seehofer selber gesagt hat, dass er 'keine Sekunde' an einen Rücktritt denke, wir tun dies! Für einen personellen Neuanfang!"

Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Alexander König aus Hof forderte im Gespräch mit der "Frankenpost" neue Köpfe an der Spitze.

Im Hinblick auf die Landtagswahl im kommenden Jahr betonte er, dass Seehofer nicht mehr der bestmögliche Ministerpräsidenten-Kandidat sei. "Er hat viel für unser Land und unsere Region getan. Doch nun ist es an der Zeit für einen Neuen", erklärte König.

Bringt sich Söder in Position?

Ebenso hatte der mittelfränkische CSU-Ortsverband Großhabersdorf einen Rücktritt gefordert. "Horst Seehofer hat als Parteivorsitzender das historisch katastrophale Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl persönlich zu verantworten", erklärten die Ortsvorstände am Montag.

Doch wer sollte Seehofer beerben? Viele Beobachter sehen den bayerischen Finanzminister Markus Söder schon in den Startlöchern.

Er erklärte am Montag, dass man nun "logischerweise nicht zur Tagesordnung übergehen" könne. Söder sagte laut "SZ" auch, dass man "jetzt sehr in die Partei hineinhorchen" müsse - die Stimmung der Basis aufnehmen. Die scheint sich derzeit zu drehen.

Mit Material der dpa.

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(ben)

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