Brexit-Debatte in Großbritannien: Londons Bürgermeister Sadiq Khan schlägt zweites Referendum vor

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SADIQ KHAN
Sadiq Khan mischt die Brexit-Diskussion in Großbritannien aus | Stringer . / Reuters
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  • Der Brexit bleibt ein leidiges, ein unbequemes Thema - vor allem in Großbritannien selbst
  • Viele Briten wollten in der EU bleiben und selbst Brexit-Befürworter machen sich Sorgen über dessen Folgen
  • Jetzt hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan einen mutigen Vorschlag gemacht: Er will ein zweites Brexit-Referendum abhalten lassen

Der Brexit ist beschlossene Sache, eigentlich geht es beim EU-Austritt von Großbritannien nur noch um das "Wie": Harter Bruch oder sanfte Scheidung. Premierministerin Theresa May versucht derzeit in den Verhandlungen mit der EU, ein bisschen von beidem hinzubekommen.

Nicht bei allen Briten kommt das gut an. Laut Umfragen fordert eine Mehrheit der Inselbewohner, dass das britische Volk in einem weiteren Referendum über die Bedingungen für den Brexit abstimmen darf.

Eine Forderung, die jetzt auch einer der bekanntesten Politiker des Landes erhebt: Londons Oberbürgermeister Sadiq Khan.

Labour-Partei setzt May unter Druck

Die britische Zeitung "The Independent" berichtet, Khan habe durchblicken lassen, dass die Labour-Partei offen dafür sei, ein weiteres Brexit-Referendum zu akzeptieren.

Khan dränge darauf hin, dass Labour eine Abstimmung über die Bedingungen für den Brexit in sein nächstes Wahlmanifest mit aufnehme. Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte bisher vermieden, zu einem möglichen weiteren Brexit-Referendum klar Stellung zu beziehen.

Corbyn gilt als Gegner des Brexits, hatte nach dessen Beschluss aber stets einen "Soft Brexit" sowie eine Übergangsphase nach dem EU-Austritt für Großbritannien gefordert - eine Forderung, die seine Kontrahentin May vor wenigen Tagen in einer Grundsatzrede zum Brexit übernahm.

Khans Vorstoß in Zeiten zäher Brexit-Verhandlungen

Dass Sadiq Khan nun einen Vorstoß bezüglich eines weiteren Brexit-Referendums wagt, darf als Signal gewertet werden, dass Corbyn und die Labour-Partei insgesamt hinter dem Vorschlag stehen. Der "Independent" berichtet von mehreren Labour-Politikern, die eine weitere Volksbefragung befürworten würden.

Die neue Diskussion über ein zweites Referendum kommt für Großbritanniens Premierministerin May zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Aus den letzten Wahlen ging sie stark geschwächt hervor - Corbyn und Labour nahmen den Tories viele Stimmen ab. Zudem laufen die EU-Austrittsverhandlungen aus britischer Sicht schleppend bis schlecht.

Am Mittwoch etwa sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk, die Gespräche mit den Briten kämen nicht voran. Zuletzt hatte das auch EU-Chefverhändler Michel Barnier betont.

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(ujo)

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